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Holvi: Wie das Fintech aus Helsinki Selbstständige bankt

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Startseite von Holvi mit Markenversprechen fuer Selbststaendige und kleine Unternehmen

Holvi ist ein Fintech aus Helsinki, das Selbstständigen und kleinen Unternehmen ein digitales Geschäftskonto mit integrierter Buchhaltung anbietet. Dahinter steckt eine für die europäische Fintech-Szene ungewöhnliche Firmengeschichte: 2011 gegründet, 2016 an die spanische Großbank BBVA verkauft, 2021 vom eigenen Gründer zurückgekauft – und 2023 laut damaligen Schätzungen erstmals profitabel. Dieses Porträt ordnet Geschäftsmodell, Geschichte, Wettbewerb und Kennzahlen von Holvi ein.

Holvi im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zu Holvi im Überblick – alle Zahlen mit Stand und Quelle:

Firmenname & SitzHolvi, Helsinki (Finnland); weitere Standorte in Deutschland (Berlin)
Gründungsjahr2011
GründerTuomas Toivonen
Branche & GeschäftsmodellFintech: digitales Geschäftskonto mit integrierter Buchhaltung für Selbstständige und kleine Unternehmen
Eigentümerwechsel2016 Übernahme durch die spanische BBVA; seit Februar 2021 wieder unabhängig (Management-Buyout um Gründer Toivonen)
Umsatzca. 19 Mio. Euro (Prognose für 2023, laut FinanceFWD, Stand: Dezember 2023)
Mitarbeiterzahlca. 100 (Stand: 2023)
Kundenca. 35.000 zahlende Kunden (Stand: 2023)

Hinter diesen Zahlen steht ein Produkt, das sich klar auf eine Zielgruppe zuschneidet.

Infografik: Die Holvi-Firmen-Timeline – Gründung 2011 in Helsinki, Übernahme durch die BBVA 2016, Rückkauf durch Gründer Tuomas Toivonen 2021 und erster Gewinn 2023

Was ist Holvi? Geschäftsmodell und Zielgruppe

Holvi verbindet ein digitales Geschäftskonto mit Werkzeugen für den Unternehmensalltag: Rechnungen schreiben, Belege erfassen, Zahlungskarten verwalten und die Buchhaltung vorbereiten laufen in einer Oberfläche zusammen. Funktionen für die E-Rechnung gehören ebenso zum Angebot wie eine Umsatzsteuer-Vorschau in den höheren Tarifen. Der Einstieg ist über den kostenlosen Flex-Tarif möglich; Pakete mit erweitertem Funktionsumfang sind kostenpflichtig (Stand: 2026). Über das Konto hinaus bietet Holvi nach eigenen Angaben auch Unterstützung bei der Firmengründung sowie Werkzeuge zur Ausgabenverwaltung an.

Für Holvi sind Selbstständige die Kernzielgruppe: Solo-Selbstständige, Freelancer und zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen. Aktiv ist das Fintech in drei Märkten – Deutschland, Finnland und Österreich. Wer als Selbstständiger Rechnungsbeträge und Steueranteile kalkulieren will, kann das ergänzend mit dem Umsatzsteuer-Rechner von Pitch Deck Magazin prüfen. Und mit dem Stundensatz-Rechner lässt sich kalkulieren, welchen Preis du pro Stunde verlangen solltest.

Wer steckt hinter Holvi? Gründer und Gründungsgeschichte

Gegründet wurde Holvi 2011 in Helsinki von Tuomas Toivonen. Der Auslöser war ein eigenes Problem: Als Gründer fand er keine Bank, die so arbeitete, wie er es brauchte. Zeitgleich öffnete die erste europäische Zahlungsdiensterichtlinie (PSD1) den Markt für neue Anbieter – Banking für Selbstständige und kleine Unternehmen war damals praktisch ein unbeschriebenes Blatt.

Im Interview mit Pitch Deck Magazin beschreibt Toivonen den Gründungsimpuls so:

„Holvi ist aus einem sehr einfachen Grund entstanden: Wir waren selbst Gründer und keine Bank arbeitete so, wie wir es brauchten. Also haben wir eine Lösung gebaut, die sich am Alltag von uns Unternehmerinnen und Unternehmern orientiert. Nicht umgekehrt.“

Die Anfangsjahre beschreibt Toivonen rückblickend als Pionierarbeit: Strukturen, die Fintechs heute als selbstverständlich ansehen, musste Holvi erst selbst aufbauen – von der eigenen Lizenz bis zur Skalierung in mehrere Länder.

Die BBVA-Episode und die Rückkehr in die Unabhängigkeit

Am 7. März 2016 gab Holvi die vollständige Übernahme durch die spanische Großbank BBVA bekannt – für die Gründer eine klassische Exit-Strategie. Marke und eigene Lizenz blieben erhalten, das Unternehmen operierte weiter eigenständig – jetzt allerdings als Teil eines Konzerns, der zu dieser Zeit mehrere Digitalbank-Angebote unter einem Dach sammelte.

Fünf Jahre später kippte die Strategie: BBVA begann, sein Fintech-Portfolio zu bereinigen, und hatte zuvor bereits die übernommene US-Banking-App Simple eingestellt. Für Holvi deutete zunächst alles auf einen Verkauf an einen externen Käufer hin. Am 2. Februar 2021 teilte Holvi schließlich mit, dass BBVA ein Verkaufsangebot angenommen habe: Neuer Eigentümer wurde Keru Fintech Investments – ein Investmentvehikel um Gründer Toivonen, der sein Unternehmen zurückkaufte und als CEO an die Spitze zurückkehrte.

Im Interview begründet Toivonen die Entscheidung für den Rückkauf so:

„Als wir Holvi später in die Unabhängigkeit zurückgeholt haben, war die Entscheidung klar: Wir wollten konsequent an unserer ursprünglichen Vision festhalten, eine Finanzplattform zu bauen, die zu 100 % auf Unternehmerinnen und Unternehmer zugeschnitten ist.“

Vier Meilensteine prägen damit die Firmengeschichte: 2011 die Gründung in Helsinki, 2016 die Übernahme durch BBVA, 2021 der Rückkauf durch das Management und 2023 der erstmals erreichte Gewinn. Dieser Weg von der Gründung über die Konzernphase zurück in die Gründerkontrolle macht Holvi in der Fintech-Szene zum Sonderfall.

Holvi heute – Umsatz, Team und Kundenreaktionen

Der Rückkauf zwang Holvi zu einem Kurswechsel: Ohne Konzern im Rücken musste das Fintech selbst tragfähig werden. Das Unternehmen strich die Kosten, stellte den kostenlosen Freemium-Tarif ein und hob die Preise an. Die Kundenbasis schrumpfte von rund 200.000 Kunden vor dem Rückkauf auf zuletzt etwa 35.000 zahlende Kunden (Stand: 2023). Auf Vergleichsportalen machten damals viele Kunden ihrem Ärger über die Preisänderungen Luft – eine Kontroverse, die zum vollständigen Bild von Holvi gehört.

Die Strategie ging dennoch auf, gemessen am letzten belastbaren Zahlenstand: Lag der Umsatz 2020 laut BBVA-Jahresabschlüssen bei rund 4 Mio. Euro und hohen Verlusten, rechnete Holvi für 2023 mit etwa 19 Mio. Euro Umsatz – ein Plus von 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und erstmals mit einem Gewinn von rund 5 Mio. Euro nach zwölf Jahren. Diese Angaben stammen aus einer exklusiven Veröffentlichung von FinanceFWD (Stand: 15. Dezember 2023); es handelt sich um Schätzungen und eine Prognose, aktuellere öffentliche Zahlen liegen bislang nicht vor.

Zuletzt arbeiteten rund 100 Mitarbeiter für Holvi, etwa ein Drittel davon in Berlin, der Rest in Finnland; der Umsatz teilt sich nach Firmenangaben im Verhältnis 60 zu 40 zwischen Deutschland und Finnland auf. Das Wachstum soll kontrolliert bleiben – ein Prinzip, das Toivonen im Interview so formuliert:

„‚Sei nicht gierig‘ ist einer unserer wichtigsten Grundsätze. Wachstum um jeden Preis ist kein nachhaltiges Modell.“

Statt auf Hyperwachstum setzt Holvi auf Märkte, die das Team nach eigener Aussage wirklich versteht, und finanziert das Wachstum weitgehend aus eigener Kraft. Was dieses Modell des Bootstrapping ohne Fremdkapital grundsätzlich leisten kann, erklärt ein eigener Ratgeber von Pitch Deck Magazin. Und wie sich dieses Prinzip sogar über Generationen hinweg bewähren kann, zeigt der Beitrag Bootstrapping über Generationen.

Holvi im Wettbewerbsvergleich

Der Markt digitaler Geschäftskonten für Selbstständige ist umkämpft. In Deutschland konkurriert Holvi mit Anbietern wie Qonto, Finom oder Kontist, die ebenfalls Konto und Buchhaltungsfunktionen bündeln. Holvi hebt sich aus diesem Feld vor allem über zwei Punkte ab: die tief integrierte Buchhaltung inklusive E-Rechnung – bei vielen Mitbewerbern eher Zusatzmodul als Kern – und die Herkunft aus Finnland, wo digitale Verwaltung und papierlose Prozesse früher Alltag wurden als in Deutschland.

Diese nordische Prägung beschreibt Toivonen im Interview als pragmatisches Digitalisierungsverständnis: Automatisierte E-Rechnungen und integrierte Schnittstellen seien für Holvi kein Extra, sondern Voraussetzung. Für dich als Nutzer heißt das: Die Wahl zwischen Holvi und seinen Wettbewerbern hängt weniger vom Preis ab als davon, wie stark du Banking und Buchhaltung in einem Werkzeug bündeln willst und welche Rechtsform dein Unternehmen hat.

FAQ zu Holvi

Was ist das Holvi-Geschäftskonto?

Das Holvi-Geschäftskonto ist ein digitales Konto des finnischen Fintechs für Selbstständige und kleine Unternehmen. Es bündelt Banking, Zahlungskarten, Rechnungsstellung, Belegverwaltung und Buchhaltungsfunktionen in einer Plattform – in Deutschland auch mit deutscher IBAN.

Eignet sich Holvi für Selbstständige?

Ja, Selbstständige sind die Kernzielgruppe. Besonders passend ist Holvi, wenn du Rechnungen, Belege und Buchhaltung direkt im Konto erledigen willst, statt mehrere Tools zu verknüpfen. Verfügbar ist das Angebot in Deutschland, Finnland und Österreich; ein kostenloser Einstiegstarif deckt die Grundfunktionen ab.

Wer steckt hinter Holvi?

Holvi wurde 2011 von Tuomas Toivonen in Helsinki gegründet. Von 2016 bis 2021 gehörte das Unternehmen zur spanischen BBVA, seit dem Management-Buyout im Februar 2021 ist es wieder unabhängig. Eigentümer ist die Gesellschaft Keru Fintech Investments um Toivonen, der auch als CEO fungiert.

Was kostet Holvi?

Der Einstieg ist kostenlos; Tarife mit erweiterten Funktionen – etwa der Umsatzsteuer-Vorschau – sind kostenpflichtig (Stand: 2026). Neukunden können Holvi nach Anbieterangaben 30 Tage kostenlos testen. Die aktuellen Konditionen findest du auf der offiziellen Website von Holvi.

Ist Holvi sicher und reguliert?

Holvi ist ein von der finnischen Finanzaufsichtsbehörde (FIN-FSA) zugelassenes Zahlungsinstitut und in der Europäischen Union sowie im Europäischen Wirtschaftsraum tätig; die Aktivitäten der deutschen Niederlassung werden von der BaFin beaufsichtigt. Das Unternehmen ist seit 2011 am Markt; die eigene Lizenz blieb auch während der fünfjährigen Zugehörigkeit zur BBVA erhalten. Der Hauptsitz liegt in Helsinki.

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