fritz-kola: Wie zwei Hamburger Studenten mit 7.000 Euro gegen Coca-Cola antraten

fritz-kola begann 2002 in einem Hamburger Studentenwohnheim: Mit rund 7.000 Euro Startkapital machten sich Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert daran, eine eigene Cola auf den Markt zu bringen – ausgerechnet im Revier von Coca-Cola und Pepsi. Ohne externe Investoren bauten die beiden die Marke über die Gastronomie auf, und die Mehrheit des Unternehmens ist bis heute in Gründerhand. Dieses Porträt erzählt die Gründungsgeschichte, das Bootstrapping-Modell und den aktuellen Stand der fritz-kola GmbH – mit allen belastbaren Zahlen und Quellen.
fritz-kola im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick. Umsatz- und Mitarbeiterzahlen liegen nicht amtlich vor; sie stammen aus Medienberichten und Firmendatenbanken und sind mit Quelle und Stand gekennzeichnet.
| Firmenname & Sitz | fritz-kola GmbH, Hamburg |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2002 (Start im Studentenwohnheim Hamburg-Othmarschen); formale Gründung der Hampl und Wiegert GbR am 28. Februar 2003; fritz-kola GmbH seit 2008 |
| Gründer | Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert |
| Eigentümer | Mirco Wolf Wiegert, Mehrheitseigentümer (ca. zwei Drittel der Anteile) seit 2016; Florian Rehm (Jägermeister-Familie) und Dirk Lütvogt (Auburg Quelle) halten seit Anfang 2017 zusammen rund 30 Prozent |
| Geschäftsführung | Florian Weins (seit 2023) |
| Branche & Geschäftsmodell | Erfrischungsgetränke (Cola, Limonaden, Schorlen); Produktion in Lohnbrauereien, Vertrieb über Gastronomie und Einzelhandel |
| Finanzierung | Bootstrapping: rund 7.000 Euro Startkapital laut Medienberichten; Wachstum aus dem eigenen Cashflow, erst Anfang 2017 stiegen zwei Minderheitsgesellschafter ein (zusammen rund 30 Prozent) |
| Umsatz | rund 50 Mio. Euro laut WirtschaftsWoche (Datenstand ca. 2021/22, Schätzung); Umsatzklasse 50 bis 100 Mio. Euro laut wer-zu-wem.de (ohne Datumsangabe) |
| Mitarbeiterzahl | über 270 laut WirtschaftsWoche (Stand ca. 2021/22); rund 300 in Deutschland laut wer-zu-wem.de (ohne Datumsangabe) |
Hinter diesen Eckdaten steht eine Gründergeschichte, die weit vor dem ersten Flaschenverkauf begann.
Wer steckt hinter fritz-kola?
Mirco Wolf Wiegert und Lorenz Hampl lernten sich laut offizieller Firmenchronik bereits als Kinder bei den Pfadfindern kennen. Als Studenten in Hamburg verband sie der Wunsch nach Unabhängigkeit: In einem Ideenheft sammelten sie Geschäftsmodelle von der eigenen Bar bis zur Putzkolonne. Fest stand nur, dass es etwas Handfestes werden sollte. Auf einer Interrail-Tour 1999 reifte der Entschluss, und bei Tiefkühlpizza und Cola entstand die Vision: eine eigene Cola, besser als das Angebot der großen Brausekonzerne.
Heute ist Wiegert Gesicht und Mehrheitseigentümer der Marke. Hampl stieg im Dezember 2016 aus und verkaufte seine Anteile auf eigenen Wunsch an den Mitgründer. Seit 2023 liegt die operative Geschäftsführung bei Florian Weins, während Wiegert als Gründer und Mehrheitseigentümer die Richtung vorgibt. Seine Sicht auf die Anfänge hat Wiegert im Buch „fritz gegen Goliath“ festgehalten, das über den eigenen Onlineshop vertrieben wird.
Die Gründungsgeschichte: Mit 7.000 Euro gegen die Großkonzerne
2002 gründeten die beiden Freunde fritz-kola im Studentenwohnheim Hamburg-Othmarschen. Das Startkapital betrug nach Medienberichten rund 7.000 Euro – Yahoo Finance beschreibt den Aufstieg unter genau dieser Zahl. Gemessen am Marketingbudget des Weltmarktführers war das ein verschwindend kleiner Betrag.
Die Anekdoten aus den ersten Monaten gehören in Hamburg längst zur Gründerfolklore: Die erste Cola wurde in alte, dunkle Bierflaschen abgefüllt, das Etikett kam aus dem Copyshop, und ein Hamburger Gastronom soll die erste Charge aus Mitleid abgenommen haben – „so lautet jedenfalls die Legende“, wie die WirtschaftsWoche die Geschichte einordnet. Fakt ist: Am 28. Februar 2003 wurde die Hampl und Wiegert GbR formell gegründet, Firmensitz war das Wohnheim. Im März 2003 kamen die ersten Kunden hinzu, im April folgte bereits die zweite Produktionsrunde. Gelagert wurde in Privaträumen sowie in Kellern, Gärten und Garagen der Eltern.
Bootstrapping statt Investoren: Wie sich fritz-kola selbst finanzierte
Aufgebaut wurde fritz-kola ohne Investorengeld: Gewachsen ist das Unternehmen aus dem eigenen Cashflow, eine Finanzierung durch Wagniskapital ist öffentlich nicht dokumentiert. Kapitalintensive Schritte blieben dabei ausgespart: Produziert wird bis heute in Lohnbrauereien, also in fremden Abfüllanlagen (Wikipedia). Eine eigene Produktionsstätte musste dafür nie finanziert werden. Erst Anfang 2017 – knapp 15 Jahre nach der Gründung – holte Wiegert mit Florian Rehm (Jägermeister-Familie) und Dirk Lütvogt (Auburg Quelle) zwei Minderheitsgesellschafter an Bord, die zusammen rund 30 Prozent der Anteile halten; rund zwei Drittel verbleiben beim Gründer.
Der große Wachstumsschritt gelang 2008: Umzug an die Elbe nach Hamburg-Billbrook, Umwandlung der GbR in die fritz-kola GmbH und Aufbau eines externen Vertriebsteams – bezahlt aus dem laufenden Geschäft. Dass eigenes Geld auch schmerzhafte Fehler bedeutet, zeigt das Beispiel Anjola: 2013 kaufte fritz-kola die Markenrechte an der Ananaslimonade aus den 1950er-Jahren; das aufwendige Redesign scheiterte jedoch. „Wir haben super viel Geld verbrannt – für nichts“, sagte Wiegert später im Podcast der WirtschaftsWoche. Beim Thema Wachstumstempo bleibt er gelassen: „Wir müssen ja nicht über Nacht die Welt erobern.“
Markenaufbau über die Gastronomie und Haltungs-Marketing
Der Vertrieb startete über die Hamburger Gastronomie: Bars, Cafés und Clubs nahmen die Cola ins Sortiment, lange bevor Supermärkte sie listeten. Wenn du heute in einer deutschen Großstadt eine Cola in der kleinen Glasflasche bestellst, steht die Chance nicht schlecht, dass es eine fritz-kola ist. Diese Gastro-Präsenz ersetzte klassische Werbung; hinzu kam laut Yahoo Finance virales Community-Building mit einer treuen Fangemeinde.
Die Marke verkauft Haltung gleich mit. „Der Underdog zu sein, ist ein großer Teil der Positionierung von Fritz-Kola“, sagt Euromonitor-Analyst Raphael Moreau in der WirtschaftsWoche. Konkret wird das an mehreren Merkmalen:
- Glas statt Plastik: fritz-kola setzt auf Mehrweg-Glasflaschen.
- Bio-Kola ohne Phosphorsäure: Das Koffein stammt aus Arabica-Kaffeebohnen, der Zucker von Zuckerrüben aus der EU, die Vanille aus Madagaskar.
- Soziales Engagement: Das Unternehmen unterstützt laut der Produktdatenbank idealo soziale Projekte; im eigenen Nachhaltigkeitsbericht bekennt sich die Marke zu Offenheit, Vielfalt und Toleranz.
- Kantiges Design: Flasche und Kommunikation gelten bei fritz-kola als bewusst „kantig“ – bis hin zur Flaschenform.
Diese Mischung machte fritz-kola zur Kultmarke der Großstadtgastronomie und gab dem Underdog-Narrativ einen greifbaren Anker im Produkt.
Meilensteine von fritz-kola: Die Timeline von 2002 bis 2024
Die wichtigsten Stationen der Firmengeschichte in chronologischer Übersicht:
- 2002: Gründung im Studentenwohnheim Hamburg-Othmarschen
- 2003: Formale Gründung der GbR am 28. Februar; erste Kunden und zweite Produktionsrunde
- 2004: Sortiment wächst um vier Sorten, darunter eine Honigmelonen-Limonade
- 2006: Zuckerfreie Variante; Start in den Niederlanden, Spanien, Österreich und der Schweiz
- 2008: Umzug nach Hamburg-Billbrook, Umwandlung in die fritz-kola GmbH, externes Vertriebsteam
- 2013: Kauf der Markenrechte an der Ananaslimonade Anjola
- 2016: Lorenz Hampl verkauft seine Anteile an Mirco Wolf Wiegert, der damit Mehrheitseigentümer wird
- 2017: Florian Rehm (Jägermeister-Familie) und Dirk Lütvogt (Auburg Quelle) steigen als Minderheitsgesellschafter ein; zusammen halten sie rund 30 Prozent der Anteile
- 2021: Relaunch der Bio-Kola mit rein biologischen Zutaten
- 2022: Launch der zuckerfreien super zero
- 2023: Florian Weins wird neuer Geschäftsführer
- 2024: Neues Logo und Flaschendesign; das Gesicht von Hampl im Logo wird ersetzt

Quelle der Jahresangaben: die offizielle Firmenchronik von fritz-kola, ergänzt um den Anjola-Kauf laut WirtschaftsWoche und den Einstieg der Minderheitsgesellschafter 2017 laut Medienberichten.
fritz-kola heute: Umsatz, Marktposition und Herausforderungen
Die fritz-kola GmbH veröffentlicht keine aktuellen Umsatzzahlen. Die belastbarste öffentliche Angabe stammt aus einem Bericht der WirtschaftsWoche (Datenstand etwa 2021/22): Demnach liegt der Umsatz bei rund 50 Millionen Euro im Jahr, die Belegschaft bei über 270 Mitarbeitern. Die Firmendatenbank wer-zu-wem.de ordnet das Unternehmen in die Umsatzklasse 50 bis 100 Millionen Euro ein und nennt rund 300 Mitarbeiter in Deutschland – jeweils ohne genaues Stand-Datum. Präzisere aktuelle Zahlen liegen nicht öffentlich vor. Wie offen eine Gründerstory mit konkreten Umsatzzahlen auch erzählt werden kann, zeigt im Vergleich die Umsatz-Story von Snocks-Gründer Johannes Kliesch.
Die Marktposition ordnet derselbe Bericht mit Daten von Euromonitor ein: 2021 hielt fritz-kola demnach 2,9 Prozent Marktanteil bei den im deutschen Einzelhandel verkauften Cola-Flaschen – Rang acht hinter Coca-Cola, Pepsi, Mezzo Mix, Vita-Cola, Afri-Cola, Schwip Schwap und Sinalco. Das David-gegen-Goliath-Narrativ stimmt also, gemessen an den Marktanteilen. Zugleich zeigte die Corona-Pandemie die Kehrseite der Gastro-Strategie: Innerhalb weniger Tage brach der Umsatz dem Bericht zufolge um rund 80 Prozent ein, danach erholte sich die Nachfrage nur langsam.
Dazu kommt ein strukturelles Problem: Der Cola-Markt schrumpft. Im vom Bericht betrachteten Vorjahr sank die Menge der verkauften zuckerhaltigen Cola um 4,5 Prozent. Steigende Kosten für Flaschen und Zutaten treffen auf harte Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel. fritz-kola reagiert darauf mit Sortimentserweiterungen wie super zero und der Bio-Linie sowie mit dem Ausbau seines Angebots in weiteren europäischen Märkten.
FAQ zu fritz-kola
Wer hat fritz-kola gegründet?
Gegründet wurde fritz-kola 2002 von Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert im Studentenwohnheim Hamburg-Othmarschen. Die beiden kannten sich seit Kindheitstagen von den Pfadfindern. Hampl stieg 2016 aus; Wiegert ist heute Mehrheitseigentümer mit rund zwei Dritteln der Anteile.
Wie viel Umsatz macht fritz-kola?
Amtliche aktuelle Zahlen veröffentlicht die GmbH nicht. Laut WirtschaftsWoche (Datenstand ca. 2021/22) liegt der Umsatz bei rund 50 Millionen Euro jährlich; wer-zu-wem.de nennt eine Umsatzklasse von 50 bis 100 Millionen Euro ohne Datumsangabe. Beide Werte sind Schätzungen, keine bestätigten Bilanzzahlen.
Wem gehört fritz-kola heute?
Zur Mehrheit dem Mitgründer Mirco Wolf Wiegert: Er hält seit Dezember 2016 rund zwei Drittel der Anteile, nachdem Lorenz Hampl auf eigenen Wunsch verkauft hatte. Seit Anfang 2017 sind zudem Florian Rehm (Jägermeister-Familie) und Dirk Lütvogt (Auburg Quelle) als Minderheitsgesellschafter beteiligt; zusammen halten sie rund 30 Prozent.
Warum heißt fritz-kola so?
Keiner der Gründer heißt Fritz – zur genauen Namensherkunft macht das Unternehmen in seiner öffentlichen Chronik keine Angaben. Bekannt ist dagegen die Bildmarke: Das Logo zeigte lange die stilisierten Gesichter der beiden Gründer. Seit dem Relaunch 2024 ist weiterhin Wiegerts Gesicht zu sehen; das zweite Gesicht wurde neu gestaltet.
Wurde fritz-kola mit Investorengeld aufgebaut?
Der Aufbau gelang ohne Investorengeld: Das Startkapital betrug laut Medienberichten rund 7.000 Euro, das Wachstum wurde über Jahre aus dem eigenen Cashflow finanziert – fritz-kola gilt damit als Lehrbeispiel für Bootstrapping in Deutschland. Erst Anfang 2017, lange nach der Gründung, stiegen mit Florian Rehm und Dirk Lütvogt zwei Minderheitsgesellschafter ein, die zusammen rund 30 Prozent halten. Mehrheitseigentümer blieb Gründer Mirco Wolf Wiegert.
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