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Erfolgsstories

air up: Wie ein Studienprojekt aus Schwäbisch Gmünd zur Münchner Duft-Wasser-Marke wurde

Pitchdeck Magazin Redaktion·
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Bild von Eduard Perez auf Pexels

156,8 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2022 – erwirtschaftet mit Wasser, das nur nach etwas schmeckt. air up zählt – ähnlich wie Snocks – zu den erfolgreichsten deutschen Startups der vergangenen Jahre. Das Prinzip der Marke: „Duft statt Zucker“. Dahinter steht die air Up GmbH mit Sitz in München, 2018 von einem fünfköpfigen Gründerteam gegründet. Die Idee dazu entstand zwei Jahre früher – als Studienprojekt an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Zur bekannten Marke wurde air up durch eine Mischung aus viralem Marketing in sozialen Netzwerken, prominenten Investoren und dem frühen Einzug in den stationären Handel. In diesem Porträt erfährst du, wer hinter air up steht, wie die Duft-Technologie funktioniert, welche Investoren eingestiegen sind und welche Kritikpunkte die Erfolgsgeschichte begleiten.

air up im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick:

Firmenname & Sitzair Up GmbH, München
Gründungsjahr2018
GründerteamFabian Schlang, Tim Jäger, Lena Jüngst, Simon Nüesch, Jannis Koppitz
Branche & GeschäftsmodellTrinkflaschen mit Duft-Pod-System; Vertrieb über eigenen Onlineshop und stationären Handel
Finanzierung gesamt & wichtigste Investorenüber 60 Mio. Euro; u. a. Five Seasons Ventures, Frank Thelen und PepsiCo (Stand 2024; Quellen: Wikipedia, Business Insider)
Umsatz156,8 Mio. Euro (2022, laut Jahresabschluss im Unternehmensregister)
Mitarbeiterzahl296 (2022)

Hinter diesen Zahlen steht ein Gründerteam, das Produkt und Marke aus einem Hochschulprojekt heraus aufgebaut hat.

Wer steckt hinter air up?

Die air Up GmbH wurde 2018 von fünf Personen gegründet: Fabian Schlang, Tim Jäger, Lena Jüngst, Simon Nüesch und Jannis Koppitz. Das fachliche Rückgrat des Teams bilden zwei Studienrichtungen. Jüngst und Jäger hatten Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd studiert und dort den ersten Flaschen-Prototypen entworfen. Schlang wiederum hatte laut Munich Startup Food Technology studiert und bereits während des Studiums an den späteren Aroma-Pods geforscht.

Ergänzt wurde das Trio durch Koppitz und Nüesch mit betriebswirtschaftlichem Know-how. Koppitz ist heute Co-CEO, Nüesch Chief Sales Officer. Lena Jüngst tritt als Mitgründerin und „Chief Evangelist“ nach außen und ist das bekannteste Gesicht der Firma – unter anderem berichtete sie im staatlichen Existenzgründungsportal über den Weg von der Idee zum Produkt.

Die Gründungsgeschichte – vom Studienprojekt zum Unternehmen

Die Geschichte von air up beginnt nicht in München, sondern in Schwäbisch Gmünd. Dort lernten Lena Jüngst und Tim Jäger 2016 während ihres Produktdesign-Studiums das Prinzip des „retronasalen Riechens“ kennen, wie der Spiegel (2. April 2022) beschreibt. Ihr Ziel: ein Trinkerlebnis mit Geschmack, aber ohne zugesetzten Zucker. Aus der gemeinsamen Bachelorarbeit ging ein erster Prototyp der Trinkflasche hervor – laut für-gründer.de testete das Team das Prinzip der Geruchsflasche dabei mit ungewöhnlichen Düften, bis hin zum Bratwurst-Aroma.

Die erste wichtige Finanzierung kam nicht von einem Investor, sondern aus dem EXIST-Gründerstipendium. „Mit Ablauf der EXIST-Förderung hatten wir die erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und sie war zugleich die wichtigste“, sagte Jüngst später im Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums. 2018 gründeten die fünf schließlich die air Up GmbH – mit Sitz in München.

Der Marktstart gelang schnell: Innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Markteinführung verkaufte das Unternehmen laut Forbes 80.000 Flaschen über Online-Marktplätze und den stationären Handel. Ab Sommer 2019 lief der Vertrieb zusätzlich über den eigenen Onlineshop – damit war das Produkt flächendeckend verfügbar.

Duft statt Zucker – wie die Technologie funktioniert

Das Kernprinzip von air up ist die sogenannte retronasale Olfaktion: Beim Trinken strömt Luft durch einen am Mundstück aufgesetzten Duft-Pod in den Mundraum und von dort zur Nasenhöhle. Das Gehirn interpretiert die Duftmoleküle als Geschmack – obwohl das Wasser selbst weder Aromen noch Zucker oder Zusatzstoffe enthält. Anders als bei Limonaden oder Saftschorlen landet davon also nichts im Körper; der Geschmack entsteht allein über die Nase. Damit ist die Marke zugleich ein Gegenentwurf zu zuckerhaltigen Getränken, wie sie etwa Goenrgy mit seinen Energy-Drinks auf den Markt bringt. Die Stiftung Warentest hat das System getestet und dabei als „cleveren Anreiz für Wassermuffel“ beschrieben. Dem Test zufolge funktioniert das Prinzip mit stillem wie mit kohlensäurehaltigem Wasser – Sprudel soll den Dufteffekt sogar unterstützen.

Die Flaschen bestehen aus BPA-freiem Kunststoff (Tritan) oder alternativ aus Edelstahl und fassen je nach Modell 600 bis 850 Milliliter. Ein integrierter Strohhalm leitet den Luftstrom durch den Pod. Die austauschbaren Pods enthalten Aromen auf Basis pflanzlicher Zutaten, bestehen aus recycelbarem Material und reichen laut Hersteller für mehrere Liter Wasser. Allein 2022 brachte air up elf neue Geschmacksrichtungen auf den Markt.

Trinkflasche mit Strohhalm und aufgesetztem Duft-Pod, der beim Trinken Aroma statt Zucker liefert
Bild von RDNE Stock project

Finanzierung und Investoren

Finanziert wurde der Aufbau zunächst über das EXIST-Stipendium, danach über ein Wandeldarlehen in Höhe von 2,3 Millionen Euro, wie die WirtschaftsWoche berichtete, und später über klassisches Venture Capital. Bis Ende 2020 hatte das Startup nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro an Investments eingesammelt. Der große Schritt folgte im September 2021: air up schloss eine 40-Millionen-Euro-Runde ab, geführt vom Food-Investor Five Seasons Ventures, wie Business Insider (28. September 2021) berichtete. Bereits zuvor hatten sich prominente Geldgeber beteiligt – darunter TV-Investor Frank Thelen und der Getränkekonzern PepsiCo (Forbes, Oktober 2021). Die wichtigsten Stationen im Überblick:

JahrMeilensteinBetrag / Investor
2018Gründung, EXIST-GründerstipendiumStipendium (Höhe nicht öffentlich)
bis Ende 2020Frühphasen-Finanzierung und Marktaufbaurund 20 Mio. Euro kumuliert (Unternehmensangaben)
Sept. 2021Wachstumsrunde40 Mio. Euro, geführt von Five Seasons Ventures (Business Insider)
bis 2021Weitere Geldgeber u. a. Frank Thelen und PepsiCo (Forbes, Okt. 2021)über 60 Mio. Euro gesamt (Stand 2024)
Infografik: air up Funding-Timeline – 2018 Gründung und EXIST-Gründerstipendium, bis Ende 2020 rund 20 Mio. Euro kumuliert, September 2021 40-Mio.-Euro-Runde geführt von Five Seasons Ventures, weitere Geldgeber u. a. Frank Thelen und PepsiCo, über 60 Mio. Euro Gesamtfinanzierung (Stand 2024)

Eine offizielle Unternehmensbewertung hat air up nie veröffentlicht. Kursierende Schätzungen dazu sind nicht belegt – belastbar ist nur das Gesamtvolumen der bekannt gewordenen Runden. Sei daher vorsichtig, wenn du im Netz konkrete Bewertungszahlen liest: Ohne offizielle Bestätigung bleiben sie Spekulation.

Internationalisierung und Handelspräsenz

Schon früh wuchs air up über Deutschland hinaus. Nach dem Marktstart 2019 expandierte das Unternehmen unter anderem nach Österreich, in die Schweiz, in die Niederlande, nach Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien und Schweden. 2022 folgte der Eintritt in den US-Markt. In Deutschland sind die Produkte neben dem eigenen Onlineshop auch im stationären Handel erhältlich, etwa in Drogeriemärkten – ein Doppelmodell aus E-Commerce und Einzelhandel, das auch Just Spices erfolgreich fährt.

Parallel stellte air up seine Lieferketten um: Zwischen 2022 und 2024 investierte das Unternehmen über 20 Millionen Euro, um die Produktion von China nach Europa zu verlagern. Die Tritan-Flaschen werden seitdem in Österreich gefertigt, die Duft-Pods in den Niederlanden, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Wachstum und Kritik im Überblick

Das Wachstum kann sich sehen lassen: Zwischen Marktstart 2019 und Anfang 2024 verzehnfachte air up nach Angaben des Manager Magazins (Mai 2024) seinen Umsatz und verkaufte mehr als fünf Millionen Flaschen. Allein 2022 stieg der Umsatz um 75 Prozent auf 156,8 Millionen Euro. Auch andere deutsche Konsumgüter-Startups meldeten zuletzt starke Zahlen – so verzeichnete Tonies im ersten Quartal 2024 einen deutlichen Umsatzsprung. Dazu kommen Auszeichnungen: 2021 belegte air up Platz eins des Start-up-Brand-Rankings der Agentur Jung von Matt, 2024 folgten der German Brand Award als „Start-up des Jahres“ und ein iF Product Design Award, 2025 ein weiterer iF-Award für die Flasche „air up Click“.

Die Kehrseite des viralen Erfolgs: 2023 registrierte das Unternehmen mehr als 10.000 verkaufte gefälschte air-up-Produkte. Weil Nachahmer-Produkte auf TikTok viral gingen, entstand laut Sifted (Februar 2024) ein geschätzter Umsatzverlust von über zehn Millionen Euro.

Auch die eigene Kommunikation geriet in die Kritik. 2022 deckte der Spiegel auf, dass air up auf seiner Website fälschlich von „recycelten“ statt „recycelbaren“ Materialien bei den Pods sprach. Das Unternehmen räumte den Fehler ein und korrigierte die Formulierung kurz darauf. Auch das Portal letsflip.de hinterfragte, wie nachhaltig und gesund das System insgesamt ist. Zudem bemängelten Manager Magazin (2024) und Business Insider Nederland (2023) das Preis-Leistungs-Verhältnis: Pro Liter seien die Pods im Schnitt zwar günstiger als Fertiggetränke, die hohen Anschaffungskosten der Flasche amortisierten sich aber nur über einen längeren Zeitraum, und die Geschmacksintensität schwanke zwischen den Pods.

FAQ zu air up

Wer hat air up gegründet?

Gegründet wurde air up 2018 von Fabian Schlang, Tim Jäger, Lena Jüngst, Simon Nüesch und Jannis Koppitz. Die Grundidee stammt aus einer Bachelorarbeit von Jüngst und Jäger an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd aus dem Jahr 2016.

Wie funktioniert air up genau?

Beim Trinken strömt Luft durch einen Duft-Pod am Mundstück. Das Gehirn nimmt den Duft über die Nase als Geschmack wahr (retronasale Olfaktion). Im Wasser selbst landen weder Zucker noch Aromen oder Zusatzstoffe.

Wie viel Umsatz macht air up?

Die aktuellste öffentlich belegte Zahl stammt aus dem Jahresabschluss 2022: 156,8 Millionen Euro, ein Plus von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neuere geprüfte Zahlen sind bislang nicht veröffentlicht.

Wem gehört air up?

Die air Up GmbH ist kein Konzernableger: Geführt wird sie weiterhin vom Gründerteam um Co-CEO Jannis Koppitz. Anteile halten zudem Investoren, darunter Five Seasons Ventures, Frank Thelen und PepsiCo; die genauen Anteilsverhältnisse sind nicht öffentlich.

Wo wird air up produziert?

Nach einer Verlagerung zwischen 2022 und 2024 entstehen die Tritan-Flaschen in Österreich und die Duft-Pods in den Niederlanden. Zuvor wurde in China produziert (Quelle: FAZ). Für dich heißt das: Die Marke ist inzwischen deutlich europäischer aufgestellt als in ihren Anfangsjahren.

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