Dein Ergebnis verstehen – der tragfähige Stundensatz
Ein tragfähiger Stundensatz ist nicht der Preis, den der Markt gerade zahlt, sondern der Satz, den du mindestens brauchst, damit am Jahresende deine Kosten gedeckt sind und dein Wunsch-Gewinn übrig bleibt. Der Rechner dreht die Logik deshalb um: Er startet bei deinem Ziel – Betriebskosten plus Unternehmerlohn – und teilt diese Summe durch die Stunden, die du realistisch abrechnen kannst.
Das Ergebnis ist ein Netto-Stundensatz ohne Umsatzsteuer. Liegt dein gewünschter Marktpreis darunter, machst du strukturell Verlust; liegt er darüber, hast du Spielraum für Puffer und Investitionen. Nutze den Wert als Untergrenze deiner Preiskalkulation.
Wie wird der Stundensatz berechnet? (Schritt für Schritt)
Die Berechnung läuft in drei Schritten – genau diese Logik bildet der Rechner ab:
1. Zu deckende Jahressumme
Addiere alle laufenden Betriebskosten (Büro, Software, Versicherungen, Steuerberater, Vorsorge) und deinen Wunsch-Jahresgewinn bzw. kalkulatorischen Unternehmerlohn. Das ist die Summe, die deine Rechnungen erwirtschaften müssen.
2. Fakturierbare Stunden pro Jahr
Von 260 Werktagen (5 × 52) ziehst du Urlaub, Krankheit und Feiertage ab. Die verbleibenden Arbeitstage multiplizierst du mit deinen Arbeitsstunden pro Tag und der Auslastungsquote – dem Anteil, den du tatsächlich abrechnest (realistisch 50–70 %).
3. Stunden- und Tagessatz
Teile die Jahressumme durch die fakturierbaren Stunden: Stundensatz = (Kosten + Gewinn) ÷ verrechenbare Stunden. Multiplizierst du das Ergebnis mit deinen Tagesstunden, erhältst du den Tagessatz.
Die Faustformel für den Stundensatz
Wenn es schnell gehen muss, gilt die Kurzformel:
Stundensatz ≈ (Kosten + Wunsch-Gewinn) ÷ fakturierbare Stunden
Der häufigste Fehler ist, mit zu vielen abrechenbaren Stunden zu rechnen. Wer 1.760 Bürostunden ansetzt statt der realistischen 900–1.300 fakturierbaren Stunden, kalkuliert seinen Stundensatz um ein Drittel zu niedrig – und arbeitet im Ergebnis unter Wert.
Beispielrechnung
Beispiel: eine Freelancerin mit 24.000 € Betriebskosten, 36.000 € Wunsch-Gewinn, 36 freien Tagen, 8 Stunden pro Tag und 65 % Auslastung:
| Schritt | Rechenweg | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zu deckende Summe | 24.000 € + 36.000 € | 60.000 € |
| Arbeitstage | 260 − 36 | 224 Tage |
| Fakturierbare Stunden | 224 × 8 h × 65 % | 1.165 h |
| Stundensatz netto | 60.000 € ÷ 1.165 h | ≈ 51,50 € |
Ergebnis: ein Netto-Stundensatz von rund 51,50 € bzw. ein Tagessatz von etwa 412 €. Steigt die Auslastung oder sinken die Kosten, fällt der nötige Satz – und umgekehrt.
Welche Faktoren beeinflussen deinen Stundensatz?
- Auslastung: der größte Hebel – wer mehr Zeit abrechnen kann, kommt mit einem niedrigeren Satz aus.
- Betriebskosten: Software, Büro, Versicherungen und Vorsorge erhöhen die zu deckende Summe.
- Wunsch-Gewinn / Unternehmerlohn: dein Lebensstandard und deine Altersvorsorge.
- Urlaub & Ausfallzeiten: mehr freie oder kranke Tage senken die fakturierbaren Stunden.
- Qualifikation & Markt: Spezialisierung und Nachfrage entscheiden, ob der Markt deinen Satz trägt.
- Risikopuffer: Zahlungsausfälle, Akquise und Weiterbildung gehören eingepreist.
Grenzen des Rechners
Der Rechner liefert die betriebswirtschaftliche Untergrenze deines Stundensatzes – nicht automatisch deinen Marktpreis. Er berücksichtigt nicht:
- steuerliche Effekte (Einkommen-, Gewerbesteuer),
- schwankende Auslastung über das Jahr,
- projektabhängige Mischpreise und Pauschalen,
- Wettbewerb und Zahlungsbereitschaft in deinem konkreten Markt.
Für eine belastbare Preisstrategie kombinierst du das Ergebnis mit Marktrecherche und – bei steuerlichen Fragen – mit der Beratung deines Steuerbüros.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Selbstständiger?
Addiere deine Jahres-Betriebskosten und deinen Wunsch-Gewinn (Unternehmerlohn) und teile die Summe durch deine fakturierbaren Stunden pro Jahr. Beispiel: 60.000 € ÷ 1.000 h = 60 €/h netto. Genau das macht dieser Rechner automatisch.
Was ist ein realistischer Stundensatz für Freelancer?
Das hängt von Branche und Qualifikation ab. Häufige Spannen netto: einfache Dienstleistungen 40–60 €/h, qualifizierte Beratung/Design 70–120 €/h, IT-/Management-Beratung 100–180 €/h. Entscheidend ist nicht der Marktpreis, sondern ob der Satz deine Kosten und deinen Zielgewinn deckt.
Warum ist mein Stundensatz höher als ein Angestelltengehalt pro Stunde?
Weil Selbstständige nur einen Teil ihrer Zeit abrechnen können (typisch 50–70 %) und sämtliche Kosten selbst tragen: Sozialversicherung, Altersvorsorge, Urlaub, Krankheit, Software, Akquise. Der Stundensatz muss diese Lücken mitfinanzieren.
Was bedeutet fakturierbare Auslastung?
Den Anteil deiner Arbeitszeit, den du tatsächlich an Kunden in Rechnung stellst. Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung und Leerlauf sind nicht fakturierbar. Realistisch liegt die Quote bei 50–70 % – nicht bei 100 %.
Ist der berechnete Stundensatz brutto oder netto?
Netto, also ohne Umsatzsteuer. Auf B2C-Rechnungen kommen in der Regel 19 % MwSt obendrauf, im B2B-Geschäft ist die Umsatzsteuer für den Kunden ein durchlaufender Posten.
Wie viele Stunden kann ich im Jahr abrechnen?
Von 260 Werktagen ziehst du Urlaub, Krankheit und Feiertage ab (oft ~36 Tage) und multiplizierst die verbleibenden Tage mit deinen Arbeitsstunden und der Auslastungsquote. Häufig landet man bei 900–1.300 fakturierbaren Stunden im Jahr.
Ist dieser Stundensatz-Rechner verbindlich?
Nein. Er liefert eine fundierte Kalkulationsbasis. Für die Endpreise zählen außerdem Marktumfeld, dein Leistungsniveau, Verhandlung und ein Risikopuffer für Ausfälle.