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sevdesk: Wie ein Offenburger Startup zur Buchhaltungssoftware-Marke wurde

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Offizieller Pressebereich der sevdesk-Website mit aktuellen Pressemitteilungen

sevdesk ist eine Cloud-Buchhaltungssoftware aus Offenburg – und ein Beispiel dafür, dass große Softwareerfolge auch fernab von Berlin und München entstehen. 2013 von Fabian Silberer und Marco Reinbold gegründet, wuchs das Unternehmen aus einem selbst programmierten Tool zu einem Anbieter mit über 130.000 Kunden. Im Februar 2025 ging sevdesk an den französischen Softwarekonzern Cegid; Medienberichte schätzen den Kaufpreis auf rund 400 Millionen Euro. Dieses Porträt ordnet Gründer, Geschäftsmodell, Investoren und den aktuellen Stand des Unternehmens ein.

sevdesk im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick:

Firmenname & SitzsevDesk GmbH, Im Unteren Angel 1, 77652 Offenburg (HRB 710506, Amtsgericht Freiburg)
Gründungsjahr2013 (Handelsregister-Eintrag am 30. September 2013, zunächst als SEVENIT GmbH)
GründerFabian Silberer und Marco Reinbold
Branche & GeschäftsmodellCloud-Buchhaltungssoftware (SaaS) für Selbstständige, Freiberufler und KMU
Finanzierung & InvestorenSeries A über 3,1 Mio. Euro (2017, LEA Partners), Series B über 50 Mio. Euro (2021, Arena Holdings); weitere Investoren: Wecken & Cie., Global Founders Capital
Umsatz23,19 Mio. Euro (Geschäftsjahr 2024, laut Jahresabschluss im Bundesanzeiger)
Mitarbeiterzahl223 (2024, laut Bundesanzeiger) beziehungsweise 230 laut Cegid-Pressemitteilung (Februar 2025)
Eigentümerseit Februar 2025 hundertprozentige Tochtergesellschaft von Cegid SAS (Lyon)

Hinter diesen Eckdaten steckt eine Gründergeschichte, die mit Büroarbeit am Sonntag beginnt und mit einem Millionen-Exit endet.

Wer steckt hinter sevdesk? Die Gründer aus Offenburg

Hinter sevdesk stecken Fabian Silberer und Marco Reinbold. Die beiden gründeten das Unternehmen am 30. September 2013 unter dem Namen SEVENIT GmbH – ursprünglich als IT-Dienstleister, nicht als Softwarehersteller.

Die Idee zur Buchhaltungssoftware entstand aus eigener Notwendigkeit. Wie die Badische Zeitung 2023 berichtete, waren die Väter der beiden selbst Unternehmer und regelmäßig sonntags mit Büroarbeit beschäftigt. Silberer und Reinbold programmierten daraufhin ein Online-Tool, das Rechnungen und Buchhaltung vereinfachen sollte. „Ursprünglich war nie eine Buchhaltungssoftware geplant“, sagte Silberer 2019 im Interview mit deutsche-startups.de – aus dem eigenen Problem wurde erst allmählich ein Produkt.

Heute ist keiner der beiden Gründer mehr operativ bei sevdesk tätig. Wann sie ihre Geschäftsführerposten abgaben und wer das Unternehmen inzwischen führt, klärt der Abschnitt zum aktuellen Stand.

Die Gründungsgeschichte – vom IT-Dienstleister zum Softwareunternehmen

Der Weg von der SEVENIT GmbH zur Marke sevdesk verlief nicht geradlinig. In einem späteren Podcast-Interview berichtete Silberer, dass ein erster Versuch einer Finanzierungsrunde scheiterte – das Unternehmen wuchs in der Anfangszeit daher weitgehend aus eigenen Mitteln.

Der Durchbruch auf Investorenseite kam 2017: Im September sicherte sich das Startup 3,1 Millionen Euro in einer Series-A-Runde, strukturiert vom Karlsruher Technologieinvestor LEA Partners. Das Kapital floss laut damaliger Mitteilung in die Automatisierung der Buchhaltungslösung, unter anderem mit KI-Ansätzen, und in die internationale Expansion.

Aus dem Dienstleister SEVENIT wurde in diesen Jahren die sevDesk GmbH, deren Produkt denselben Namen trägt. Der Fokus verschob sich vollständig auf die Software: Rechnungen schreiben, Belege erfassen, Steuern vorbereiten – aus der Cloud statt vom lokalen Rechner. Damit traf sevdesk einen Nerv bei Selbstständigen, die ihre Buchhaltung bis dahin mit Ordner und Excel erledigten. Genau diese Zielgruppe sollte das Unternehmen in den folgenden Jahren tragen.

Geschäftsmodell und Produkt – SaaS für Selbstständige und KMU

sevdesk arbeitet nach einem klassischen Software-as-a-Service-Modell: Kunden zahlen ein monatliches oder jährliches Abonnement und erhalten Zugriff auf die Buchhaltungsplattform im Browser und als App. Zielgruppe sind Kleinstunternehmen, Selbstständige, Freiberufler und kleine bis mittlere Unternehmen – allein in Deutschland und Österreich bezifferte das Unternehmen diese Gruppe 2021 auf 6,4 Millionen potenzielle Kunden.

Die Kernfunktionen decken die wiederkehrenden Pflichtaufgaben kleiner Betriebe ab:

  • Rechnungen und Angebote erstellen
  • Belege digital erfassen sowie Einnahmen und Ausgaben verbuchen
  • Umsatzsteuer-Voranmeldung vorbereiten
  • Bankkonto anbinden und Zahlungen automatisch abgleichen
  • steuerkonform arbeiten und direkt mit dem Steuerberater zusammenarbeiten

Die Steuerberater-Anbindung ist dabei mehr als ein Feature: Kanzleien wirken als Multiplikatoren, weil sie die Software ihren Mandanten empfehlen können. Kooperationen bestanden laut Series-B-Mitteilung 2021 unter anderem mit der Deutschen Bank, DATEV, Wix und Shopify. Die Reichweite belegt das Modell: Laut Übernahme-Pressemitteilung vom Februar 2025 nutzten mehr als 130.000 Kunden aus über 100 Branchen sevdesk und wickelten darüber Transaktionen im Wert von mehr als 85 Milliarden Euro ab.

Wachstum und Investoren – von der Series A bis zum Exit

Die Finanzierungsgeschichte folgt dem Verlauf eines klassisch wachsenden SaaS-Unternehmens – bis zu dem Punkt, an dem statt der nächsten Runde ein Exit stand:

  • 2013: Gründung als SEVENIT GmbH in Offenburg
  • 2017: Series A über 3,1 Millionen Euro, strukturiert von LEA Partners
  • 2021: Series B über 50 Millionen Euro, angeführt vom US-Investor Arena Holdings
  • 2024: Umsatz von 23,19 Millionen Euro laut Jahresabschluss im Bundesanzeiger
  • 2025: Übernahme durch den französischen Softwarekonzern Cegid
Infografik: Meilensteine und Umsatzentwicklung von sevdesk – Gründung 2013, Series A 2017, Series B 2021, Cegid-Übernahme 2025 und Umsatz 2024

Die Series B vom 25. Mai 2021 war mit über 50 Millionen Euro die größte Runde der Unternehmensgeschichte. Neben Arena Holdings beteiligte sich Carsten Thoma, Mitgründer von Hybris, und stieg als strategischer Berater in den Beirat ein; die Bestandsinvestoren LEA Partners, Wecken & Cie. und Global Founders Capital gingen ebenfalls mit, wie die Pressemitteilung von LEA Partners dokumentiert. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sevdesk 165 Mitarbeiter in Offenburg und plante mehr als 200 zusätzliche Stellen bis Ende 2022.

Im Januar 2025 folgte der Exit: Cegid gab die Vereinbarung zum Erwerb am 7. Januar 2025 bekannt, der Abschluss wurde am 6. Februar 2025 gemeldet. Einen offiziellen Kaufpreis nannten weder Cegid noch sevdesk; das Portal IT Boltwise schätzte den Unternehmenswert auf knapp 400 Millionen Euro.

Markt der Buchhaltungssoftware – sevdesk im Wettbewerb

Der Markt für Buchhaltungssoftware im deutschsprachigen Raum ist umkämpft. Etablierte Anbieter wie Lexware adressieren mit dem Cloud-Produkt Lexware Office denselben Kundenkreis; gleichzeitig drängen cloud-native Wettbewerber wie FastBill in den Markt, die ähnlich wie sevdesk von Anfang an auf Browser und App setzen.

sevdesk positioniert sich als durchgängig cloudbasierte Lösung mit Fokus auf Automatisierung und Steuerberater-Anbindung. Die Zielgruppe ist groß: In der DACH-Region gibt es laut Cegid-Pressemitteilung vom Februar 2025 mehr als fünf Millionen kleine und mittlere Unternehmen, für die digitale Rechnungs- und Buchhaltungsprozesse zunehmend zur Pflicht werden. Dieser Digitalisierungsdruck erklärt, warum ein französischer Konzern für einen Anbieter aus Offenburg einen geschätzten dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nahm. Für dich als Nutzer bedeutet dieser Wettbewerb vor allem Wahlfreiheit – und einen spürbaren Innovationsdruck bei allen Anbietern.

E-Rechnungspflicht als Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Grund für das strategische Interesse von Cegid ist die E-Rechnung. Seit 2025 müssen Unternehmen in Deutschland elektronische Rechnungen empfangen können; die Pflicht zur Ausstellung folgt gestaffelt in den Folgejahren. Für Millionen kleiner Unternehmen heißt das: Rechnungsprozesse digital aufstellen – früher oder später.

Cegid-CEO Pascal Houillon nannte die Reform in der offiziellen Pressemitteilung zur Übernahme ausdrücklich als Wachstumschance: „Millionen von Unternehmen in der DACH-Region bereiten sich auf die 2025 angelaufene Reform zur elektronischen Rechnungsstellung vor.“ Mit sevdesk sei Cegid nun positioniert, diese Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Für sevdesk bedeutet die Pflicht Rückenwind: Wer seine Rechnungen ohnehin umstellen muss, landet zwangsläufig bei Anbietern, die E-Rechnungen standardmäßig unterstützen.

sevdesk heute – Cegid-Tochter mit neuer Führung

Mit dem Abschluss der Übernahme am 6. Februar 2025 wurde sevdesk eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Cegid SAS mit Sitz in Lyon. Zunächst blieben die Gründer an Bord: Marco Reinbold wurde General Manager für die DACH-Region von Cegid, Fabian Silberer unterstützte die Organisation als Berater für die Wachstumsstrategie im europäischen SMB-Segment. Beide reinvestierten laut Pressemitteilung in erheblichem Umfang in das kombinierte Unternehmen.

Inzwischen haben beide ihre operativen Rollen aufgegeben: Laut Handelsregister schied Fabian Silberer am 24. Februar 2025 als Geschäftsführer aus, Marco Reinbold am 26. Februar 2026. Neuer Geschäftsführer der sevDesk GmbH ist seit 2026 Bruno Vaffier.

Operativ läuft das Geschäft weiter: Anfang 2025 arbeiteten laut Pressemitteilung 230 Mitarbeiter am Firmensitz in Offenburg, im Büro in Berlin und in hybriden Modellen. Der Jahresabschluss 2024 weist einen Umsatz von 23,19 Millionen Euro bei einem Jahresfehlbetrag von 8,13 Millionen Euro aus – ein Verlust, der in eine Phase hoher Investitionen und der anstehenden Integration fällt; eine offizielle Erklärung dazu hat das Unternehmen nicht veröffentlicht. Für die Region bleibt sevdesk damit ein prominentes Beispiel dafür, wie aus einer Offenburger Gründung ein international beachtetes Softwareunternehmen werden kann.

FAQ zu sevdesk

Wer ist der Gründer von sevdesk?

Gegründet wurde sevdesk 2013 von Fabian Silberer und Marco Reinbold in Offenburg. Beide sind inzwischen nicht mehr operativ tätig; Geschäftsführer der sevDesk GmbH ist seit 2026 Bruno Vaffier.

Wie viel Umsatz macht sevdesk?

Die belastbarste öffentliche Angabe stammt aus dem Bundesanzeiger: Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die sevDesk GmbH einen Umsatz von 23,19 Millionen Euro bei einem Jahresfehlbetrag von 8,13 Millionen Euro. Aktuellere offizielle Zahlen gibt es nicht.

Wem gehört sevdesk jetzt?

Seit dem 6. Februar 2025 gehört sevdesk vollständig zum französischen Softwarekonzern Cegid. Einen offiziellen Kaufpreis gibt es nicht; Medienberichte schätzen ihn auf rund 400 Millionen Euro.

Was kostet sevdesk?

sevdesk wird im Abo-Modell angeboten; laut Vergleichsportalen starten die kostenpflichtigen Tarife bei unter zehn Euro im Monat, dazu gibt es eine 14-tägige kostenlose Testphase. Die aktuellen Preise findest du in der Preisübersicht auf sevdesk.de.

Für wen ist sevdesk geeignet?

Die Software richtet sich an Selbstständige, Freiberufler, Kleinunternehmen und kleine bis mittlere Unternehmen, die Rechnungen, Belege und Steueraufgaben digital erledigen wollen – auch in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater.

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