Earlybird Venture Capital: Der VC hinter dem UiPath-Jahrhundert-Investment

Earlybird Venture Capital gehört zu den ältesten – und gemessen an Exits wie UiPath zu den erfolgreichsten – Risikokapitalgebern Europas. 1997 in Hamburg gegründet, investiert die Firma heute von Berlin, London und München aus in Technologie-Startups der Frühphase, von Pre-Seed bis Series A. Zum bekanntesten Investment wurde der frühe Einstieg bei UiPath im Jahr 2015: Der Börsengang des Software-Unternehmens im April 2021 mit einer Marktkapitalisierung von rund 36 Milliarden US-Dollar am ersten Handelstag gilt als größter Tech-IPO-Erfolg in der Firmengeschichte. In diesem Porträt erfährst du, wie Earlybird aufgebaut ist, welche Fondsfamilien den VC geprägt haben und wie er sich aktuell im europäischen Markt positioniert.
Earlybird Venture Capital im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zu Earlybird Venture Capital im Überblick:
| Firmenname & Sitz | Earlybird Venture Capital, Berlin (Münzstraße 23); weitere Büros in London und München sowie Präsenz in Mailand (Quelle: earlybird.com, Stand 2026) |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1997 in Hamburg (Quelle: earlybird.com, bvkap.de) |
| Gründer | Dr. Hendrik Brandis und Dr. Christian Nagel (Quelle: earlybird.com) |
| Investmentfokus | Applications (B2B & B2C), Software Infrastructure und DeepTech; Pre-Seed bis Series A (Quelle: earlybird.com) |
| Verwaltetes Kapital | rund 2,5 Mrd. Euro über mehrere Technologiestrategien, darunter fünf Growth Opportunity Funds und Earlybird Health (Medienangabe laut VC Magazin, Stand April 2026) |
| Team | 39 Teammitglieder, darunter fünf General Partner (Quelle: earlybird.com, Stand 2026) |
Hinter diesen Eckdaten steht eine Firmengeschichte, die fast drei Jahrzehnte europäischer Venture-Capital-Geschichte umfasst.
Was ist Earlybird Venture Capital?
Earlybird Venture Capital wurde 1997 in Hamburg von Dr. Hendrik Brandis und Dr. Christian Nagel gegründet – zu einer Zeit, als Wagniskapital in Deutschland noch ein Nischengeschäft war. Aus der Hamburger Gründung wurde ein paneuropäischer Investor: Heute sitzt die Firma in Berlin, dazu kommen Büros in London und München sowie eine Präsenz in Mailand. Nach eigenen Angaben blickt das Team auf 29 Jahre Erfahrung zurück und zählt zu den aktivsten und etabliertesten VCs Europas.
Das Geschäftsmodell folgt einem klaren Muster: Earlybird steigt möglichst früh in Technologie-Startups ein – von der Pre-Seed-Phase bis zur Series A – und begleitet die Unternehmen anschließend über weitere Finanzierungsrunden. Gründer, die eine solche Runde anstreben, sollten das Term Sheet verstehen und verhandeln können. Historisch hat die Firma laut VC Magazin alle drei bis vier Jahre einen neuen Fonds aufgelegt und damit mehrere Marktzyklen durchlaufen – von der Dotcom-Krise über die Finanzkrise 2008 bis zum aktuellen KI-Boom. Aus diesem Portfolio sind mehrere Unicorns und Milliarden-Exits hervorgegangen.
Die drei Fondsfamilien: Digital West, Digital East und Health
Über Jahre war Earlybird in drei Fondslinien organisiert, die unterschiedliche Regionen und Themen abdeckten. Diese Struktur hat sich zuletzt deutlich verändert – vor allem durch die Abspaltung von Digital East im Jahr 2024. Die drei historischen Fondsfamilien im Überblick:
- Digital West: die ursprüngliche Kernlinie für Software- und Internet-Startups in Europa, aus der der heutige Kernfonds „Earlybird“ hervorgegangen ist.
- Digital East: die frühere Linie für Zentral- und Osteuropa sowie die Türkei – heute eine eigenständige Firma namens Bek Ventures.
- Earlybird Health: der Healthtech- und Biopharma-Fonds mit Sitz in Berlin, der weiterhin zu Earlybird gehört.
Digital West war lange die tragende Säule des Hauses. 2016 strebte die Linie ein Fondsvolumen von 150 Millionen Euro an, 2018 schloss bereits der sechste Digital-West-Fonds mit 175 Millionen Euro (Quelle: VC Magazin). Aus dieser Linie ist der heutige Early-Stage-Kernfonds hervorgegangen; seine neueste Generation wurde im April 2026 mit 360 Millionen Euro geschlossen – der größte Fonds der Firmengeschichte (Quelle: WELT).
Digital East betreute Investments in Zentral- und Osteuropa sowie der Türkei – darunter die beiden bekanntesten Erfolge der Firmengeschichte, UiPath und Peak Games. Im August 2024 spaltete sich das Team von Earlybird ab; seit November 2024 firmiert es als Bek Ventures und hat einen eigenen Fonds über 250 Millionen US-Dollar eingesammelt (Quelle: Bloomberg). Wichtig für die Einordnung: Bek Ventures gehört heute nicht mehr zu Earlybird. Die historischen Digital-East-Erfolge bleiben trotzdem Teil des Earlybird-Track-Records, weil die Investments aus der gemeinsamen Zeit stammen.
Earlybird Health schließlich bleibt Teil der Firma: Der Berliner Healthtech- und Biopharma-Fonds hat für seine zweite Fondsgeneration zuletzt 173 Millionen Euro eingeworben (Quelle: trendingtopics.eu, GoingPublic). Ergänzt wird die Struktur durch fünf Growth Opportunity Funds für spätere Wachstumsphasen (laut VC Magazin, Stand April 2026).
UiPath und weitere Portfolio-Erfolge
Das Aushängeschild im Earlybird-Portfolio ist UiPath. Im Jahr 2015 führte der damalige Digital-East-Fonds eine Seed-Runde über 1,6 Millionen US-Dollar an – zu einem Zeitpunkt, als das Startup für Robotic Process Automation noch in Rumänien operierte und international kaum bekannt war (Quelle: GPCA-Fallstudie, 2022). Sechs Jahre später, im April 2021, ging UiPath an die New Yorker Börse (NYSE) und erreichte am ersten Handelstag eine Marktkapitalisierung von rund 36 Milliarden US-Dollar. Es galt damals als größter Börsengang eines in Europa gegründeten Technologieunternehmens – und machte das Investment zum Jahrhundert-Deal für Earlybird.
Auch abseits von UiPath weist die Bilanz bemerkenswerte Exits auf. Beim türkischen Spieleentwickler Peak Games hielt Earlybird rund 30 Prozent der Anteile; als der US-Spielekonzern Zynga das Studio 2020 für 1,8 Milliarden US-Dollar übernahm, erzielte der VC einen Exit-Erlös von etwa 520 Millionen US-Dollar (laut POELLATH, der beratenden Kanzlei des Deals). Deals wie dieser zeigen, wie wichtig eine durchdachte Exit-Strategie für Startup-Gründer ist. Zu den frühen Erfolgen zählt außerdem die Münchner Interhyp AG, die 2005 an die Börse ging und 2008 von der niederländischen ING Groep übernommen wurde (Quelle: dewiki.de).
Die wichtigsten Beteiligungen und Exits im Überblick:
| Beteiligung | Fonds | Jahr/Runde | Status/Exit |
|---|---|---|---|
| UiPath | Digital East Fund | 2015, Seed-Runde (1,6 Mio. USD) | Exit: Börsengang 2021 an der NYSE |
| Peak Games | Digital East Fund | Pre-Seed/Seed (Frühphase) | Exit 2020: Übernahme durch Zynga für 1,8 Mrd. USD |
| Interhyp AG | Earlybird | Seed | Exit: Börsengang 2005, ab 2008 Teil der ING Groep |
| N26 | Earlybird | Pre-Seed | Aktiv (Unicorn) |
| Isar Aerospace | Earlybird | Pre-Seed | Aktiv |
| Aleph Alpha | Earlybird | Series A | Aktiv |
Aus dem aktiven Portfolio ragt der Berliner Digitalbank-Anbieter N26 heraus, der nach Unternehmensangaben über 140 Milliarden Euro Transaktionsvolumen pro Jahr verarbeitet und rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommen Zukunftsbeteiligungen wie das Münchner Raumfahrt-Startup Isar Aerospace und das Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha. Das vollständige Portfolio listet Earlybird auf seiner Unternehmensseite.

Team und Investment-Fokus heute
An der Spitze von Earlybird stehen aktuell fünf General Partner: die beiden Gründer Dr. Christian Nagel und Dr. Hendrik Brandis sowie Dr. Andre Retterath, Paul Klemm und Tim Rehder (Quelle: earlybird.com). Mit dem Abschluss des neuen Fonds über 360 Millionen Euro im April 2026 – dem größten in der Firmengeschichte – hat die Firma zugleich einen Generationswechsel eingeleitet (Quelle: VC Magazin).
Kern des Umbaus ist ein Modell namens „Perpetual Ownership“: Künftig sind ausschließlich aktive Partner Eigentümer von Earlybird, und Anteile werden innerhalb dieser Gruppe an die jeweils nächste Partnergeneration weitergegeben – ein externer Verkauf ist nicht vorgesehen. Die Gründer Brandis und Nagel ziehen sich operativ zurück, Retterath, Klemm und Rehder übernehmen mehr Verantwortung; Finanzchef Jochen Küst übernimmt zusätzlich Aufgaben als Operating Partner.
Inhaltlich bleibt der Fokus bestehen: Applications (B2B und B2C), Software Infrastructure und DeepTech, weiterhin von Pre-Seed bis Series A. Aus dem neuen Fonds hat Earlybird bereits in Unternehmen wie Black Forest Labs, SpAItial AI und Rivia investiert (laut VC Magazin). Als Differenzierungsmerkmal nennt die Firma außerdem ihre proprietäre Datenplattform „EagleEye“, mit der sie Deal-Sourcing und Portfoliobetreuung datengetrieben organisieren will – eine Eigenangabe, die sich bislang nicht unabhängig überprüfen lässt.
Earlybird im europäischen VC-Markt
Im europäischen Markt zählt Earlybird zu den ältesten Venture-Capital-Gesellschaften Kontinentaleuropas. Während viele heute bekannte Fonds erst im Zuge des Finanzierungsbooms um 2020 entstanden sind, investiert Earlybird bereits seit 1997 – durch mehrere Boom- und Krisenphasen hindurch. Die Datenplattform Dealroom weist dem Earlybird-Portfolio zehn Unicorns zu – darunter UiPath, N26 und Peak Games (Stand 2026).
Mit rund 2,5 Milliarden Euro verwaltetem Kapital (Medienangabe laut VC Magazin, Stand April 2026) liegt die Firma in der oberen Liga der europäischen Early-Stage-Investoren, bleibt aber kleiner als die großen US-Plattformen. Der Rekordfonds von 2026 und das neue Eigentümermodell signalisieren, dass Earlybird die nächste Dekade mit einer jüngeren Partnergeneration angehen will. Wenn du als Gründer Kapital suchst und Investoren finden willst, gehört der VC damit weiterhin zu den ersten Adressen in Europa – entscheidend bleibt, ob dein Startup in Fokus und Phase passt.
FAQ zu Earlybird Venture Capital
Was ist Earlybird Venture Capital?
Earlybird Venture Capital ist ein 1997 in Hamburg gegründeter Risikokapitalgeber mit Hauptsitz in Berlin. Der VC investiert von Pre-Seed bis Series A in europäische Technologie-Startups aus den Bereichen Applications, Software Infrastructure und DeepTech; ergänzend existiert der Gesundheitsfonds Earlybird Health.
Welche Fondsfamilien hat Earlybird?
Historisch gab es drei Linien: Digital West (die Kernlinie, aus der der heutige Early-Stage-Fonds „Earlybird“ hervorgegangen ist), Digital East (2024 als eigenständige Firma Bek Ventures ausgegründet) und Earlybird Health, der weiterhin zur Firma gehört. Dazu kommen fünf Growth Opportunity Funds (Stand April 2026).
Warum gilt UiPath als Jahrhundert-Investment von Earlybird?
Earlybird führte 2015 über den Digital-East-Fonds die Seed-Runde von UiPath über 1,6 Millionen US-Dollar an. Beim Börsengang im April 2021 erreichte das Unternehmen an der NYSE eine Marktkapitalisierung von rund 36 Milliarden US-Dollar am ersten Handelstag – der größte Tech-IPO-Erfolg in der Geschichte des VC.
Wie viel Kapital verwaltet Earlybird aktuell?
Nach Angaben des VC Magazins beläuft sich das verwaltete Vermögen auf rund 2,5 Milliarden Euro über mehrere Technologiestrategien, darunter fünf Growth Opportunity Funds und Earlybird Health (Stand April 2026). Es handelt sich um eine Medienangabe; Earlybird selbst veröffentlicht keine offizielle AUM-Zahl.
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