KoRo: Wie aus einem 1-kg-Beutel Nüsse ein Food-Schwergewicht wurde

KoRo hat eine ungewöhnliche Wandlung hingelegt: Aus einem Onlineshop für Bruchware bei Wasch- und Reinigungsmitteln wurde ein Lebensmittelhändler, dessen Nussmuse und Snacks heute in Supermärkten, Drogerien und sogar im ICE liegen. Die Berliner Firma wuchs ohne Konzern im Rücken, finanziert über Crowdfunding und mehrere Finanzierungsrunden mit internationalen Investoren. Dieses Porträt beantwortet die zentralen Fragen: Wie funktioniert KoRo, wer steht dahinter – und wie belastbar sind die bekannten Zahlen?
KoRo im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zur Koro Handels GmbH im Überblick:
| Firmenname & Sitz | Koro Handels GmbH, Berlin |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2012 als OHG, Umwandlung zur GmbH 2014 |
| Gründer | Constantinos Calios und Robert Schyska |
| Branche & Geschäftsmodell | Lebensmittelhandel mit Fokus auf Snacks, Nussmuse, Trockenfrüchte sowie Koch- und Backzutaten; Start als reiner Direktvertrieb (D2C), heute Multichannel-Modell |
| Finanzierung & wichtigste Investoren | Companisto-Crowdfunding (2018), Social Chain AG (2019), HV Capital, Partech und Five Seasons Ventures (2022, 50 Mio. Euro), SevenVentures, Associated British Foods und Haub Legacy Ventures (2023), Coefficient Capital (November 2024, 35 Mio. Euro) |
| Umsatz | rund 252 Mio. Euro (2025) – publizierte Angabe laut Lebensmittel Zeitung, zitiert über Wikipedia, Stand 30. April 2026; keine geprüfte Bilanzzahl |
| Mitarbeiterzahl | rund 300 (Stand 30. April 2026) |
Hinter diesen Eckdaten steht eine Geschichte mit mehreren Wendepunkten – angefangen beim Führungsteam.

Wer steckt hinter KoRo? Gründer und Führungswechsel
Gegründet wurde KoRo 2012 von Constantinos Calios und Robert Schyska. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammen: Ko für Constantinos, Ro für Robert. Auslöser war den Schilderungen zufolge eine Diskussion über Unternehmensgründung ohne Startkapital, inspiriert von Günter Faltins Buch „Kopf schlägt Kapital“.
Das Gründerduo blieb nicht vollständig an Bord. 2016 verließ Schyska das Unternehmen aus persönlichen Gründen und überschrieb seine Anteile dem damaligen KoRo-Werkstudenten Piran Asci, der daraufhin Geschäftsführer wurde und das Unternehmen knapp acht Jahre lang operativ prägte. 2024 beendete auch Asci seine operative Tätigkeit.
Zum 1. September 2025 zog sich schließlich auch Gründer Calios aus der Geschäftsführung zurück und wechselte laut markenartikel-magazin.de in das Advisory Board. Geschäftsführer sind heute Florian Schwenkert und Dr. Daniel Kundt; seit März 2025 ergänzt Steffani Busch das Team als Chief Operating Officer. KoRo wird damit erstmals von einem Management ganz ohne die beiden Gründer geführt – ein Generationswechsel, den viele D2C-Marken noch vor sich haben.
Die Gründungsgeschichte – vom Bruchware-Shop zur Nussmarke
Mit Nüssen hatte das ursprüngliche Geschäft wenig zu tun. Die 2012 gegründete KoRo Drogeriewarenhandel OHG verkaufte Bruchware von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Hygieneartikel über den eigenen Onlineshop – beschädigte Ware zu reduzierten Preisen, ohne Zwischenhandel.
Die Wende kam aus einer eigenen Beobachtung: Die Basis veganer und vegetarischer Ernährung – Nüsse, Kerne, Trockenfrüchte – war im Einzelhandel meist nur in kleinen Packungen und häufig mit Zusätzen erhältlich. KoRo erweiterte das Sortiment deshalb um naturbelassene Nüsse und ungeschwefelte Trockenfrüchte, abgefüllt in Großpackungen von typischerweise einem Kilogramm. Das Prinzip dahinter: weniger Verpackung, weniger Handelsstufen, dafür ein niedrigerer Kilopreis als im Supermarktregal. 2014 wurde die Firma in KoRo Drogerie GmbH umbenannt. Aus dem Restposten-Shop wurde Schritt für Schritt eine Lebensmittelmarke – der charakteristische 1-kg-Beutel blieb bis heute Erkennungszeichen und Preisanker zugleich.
Direktvertrieb und Vertriebslogik – vom Onlineshop zur Multichannel-Marke
KoRo startete als reiner Direktvertrieb: verkauft wurde ausschließlich über den eigenen Onlineshop, ohne stationären Handel. Diese D2C-Logik erklärt das Großpackungs-Prinzip – erst hohe Stückzahlen pro Bestellung machen Versand und Fulfillment wirtschaftlich tragbar. Gleichzeitig erhielt das Unternehmen direkten Zugriff auf Kundenfeedback, was die Sortimentsentwicklung beschleunigte.
Inzwischen ist aus dem reinen Onlineshop ein Multichannel-Modell geworden. KoRo-Produkte liegen laut absatzwirtschaft.de (Stand Juli 2025) bei Rewe, Edeka, dm und Rossmann im Regal, sind im Menü der ICE-Restaurants und Bistros der Deutschen Bahn verfügbar und werden an Bord von Eurowings-Flügen angeboten. Der Onlineshop bleibt dabei der zentrale Vertriebskanal – ein Weg, den auch andere deutsche Food-Marken wie Just Spices gegangen sind, das zuletzt nach zehn Jahren mit neuem Design und frischem Markenauftritt relauncht wurde.
Das Sortiment umfasst heute Nüsse, Nussmuse, Trockenfrüchte, Snacks, Koch- und Backzutaten sowie Nahrungsergänzungsmittel. Nach Unternehmensangaben sind 92 Prozent der Produkte vegan und 54 Prozent bio-zertifiziert.
Finanzierungsrunden im Zeitverlauf
Das Wachstum finanzierte KoRo stufenweise – vom Crowdfunding bis zur Growth-Runde mit einem New Yorker Investor. Die wichtigsten Stationen im Überblick:
| Jahr | Investor / Ereignis | Details |
|---|---|---|
| 2018 | Companisto (Crowdfunding) | Erstes externes Kapital über die Crowdfunding-Plattform |
| 2019 | Social Chain AG | Einstieg als Gesellschafter; dahinter der Investor Georg Kofler |
| 2022 | HV Capital, Partech, Five Seasons Ventures | 50 Mio. Euro Investment, ermöglicht durch einen Teilverkauf der Social-Chain-Anteile |
| 2023 | SevenVentures, Associated British Foods, Haub Legacy Ventures | Weitere Investoren; SevenVentures ist der Investmentarm von ProSiebenSat.1 |
| November 2024 | Coefficient Capital | 35 Mio. Euro, angeführt vom New Yorker Growth-Equity-Unternehmen |
Zwischen diesen Runden lag ein Nachfrageschub: Während der COVID-19-Pandemie vervierfachte sich der Umsatz laut Business Insider von 5 Mio. Euro (2019) auf 21 Mio. Euro (2020), weil der Online-Lebensmittelhandel insgesamt profitierte. Die November-Runde 2024 wollte KoRo nach Berichten des Handelsblatts unter anderem für die Expansion in Europa nutzen.
Internationalisierung – europaweite Distribution
KoRo ist europaweit aktiv: Der eigene Onlineshop beliefert Kunden in mehreren europäischen Märkten, stationäre Handelspartner kommen insbesondere in der DACH-Region dazu. Konkrete Umsatzanteile einzelner Länder veröffentlicht das Unternehmen nicht; öffentlich belegt ist vor allem die starke Präsenz in Deutschland. Die Finanzierungsrunde vom November 2024 war laut Handelsblatt ausdrücklich auch für den weiteren Ausbau in Europa gedacht – die Internationalisierung ist damit weniger abgeschlossenes Kapitel als laufender Wachstumsplan.
Social-Media-Strategie als Wachstumshebel
Ein wesentlicher Treiber der Bekanntheit war kein klassisches Handelsmarketing, sondern Social Media. Ab 2016 kooperierte KoRo mit Influencern auf YouTube, später vor allem auf Instagram; seit 2021 setzt das Unternehmen zusätzlich auf Podcast-Werbung. Der Instagram-Kanal @koro_de kommt laut Profilangaben derzeit auf rund 428.000 Follower.
Die Strategie passte zum Produkt: Großpackungen und ungewöhnliche Sorten eignen sich gut für Food-Content, und Influencer-Empfehlungen ersetzten teils klassische Werbebudgets. Die Financial Times zählte KoRo im März 2023 zu den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Unternehmen Europas. 2024 erhielt das Unternehmen zudem die B-Corp-Zertifizierung für soziale und ökologische Standards.
KoRo heute
Heute ist die Koro Handels GmbH ein Lebensmittelhändler mit Sitz in Berlin, rund 300 Mitarbeitern und einem Management ohne die Gründer an der Spitze. Als Umsatzgröße kursiert die Angabe von rund 252 Mio. Euro für 2025 – publiziert über die Lebensmittel Zeitung und dokumentiert im Wikipedia-Eintrag zur Koro Handels GmbH (Stand 30. April 2026). Es handelt sich um eine publizierte Unternehmensangabe beziehungsweise Schätzung, nicht um eine geprüfte Bilanz.
Zur Unternehmensgeschichte gehört auch eine öffentlich gewordene Kontroverse: 2021 berichtete Business Insider über einen Streit zwischen den KoRo-Gründern und dem Investor Georg Kofler beziehungsweise dessen Social Chain AG um die Firmenbewertung. Details des Konflikts sind nicht öffentlich dokumentiert; 2022 wurden die Social-Chain-Anteile teilweise verkauft, was den Einstieg neuer Wagniskapitalgeber ermöglichte.
Damit steht KoRo beispielhaft für einen Weg, den viele D2C-Marken anstreben: vom Nischenshop zur omnipräsenten Marke – getragen von Community, Großpackungen und Risikokapital statt von einem Konzern. Wie nachhaltig dieses Modell trägt, werden die kommenden Geschäftsjahre zeigen.
FAQ zu KoRo
Wer hat KoRo gegründet?
KoRo wurde 2012 von Constantinos Calios und Robert Schyska gegründet; der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammen. Beide KoRo-Gründer sind inzwischen nicht mehr operativ tätig: Schyska stieg 2016 aus, Calios zog sich zum 1. September 2025 aus der Geschäftsführung zurück.
Wie hoch ist der Umsatz von KoRo?
Als aktuellste öffentliche Angabe zum KoRo-Umsatz gelten rund 252 Mio. Euro für das Jahr 2025, zitiert über die Lebensmittel Zeitung (Stand 30. April 2026). Es handelt sich um eine publizierte Schätzung beziehungsweise Unternehmensangabe, nicht um eine geprüfte Bilanzzahl. Zuvor dokumentiert sind 5 Mio. Euro (2019) und 21 Mio. Euro (2020).
Wem gehört KoRo heute?
KoRo ist eine GmbH mit mehreren institutionellen Gesellschaftern. Zu den Investoren zählen unter anderem HV Capital, Partech, Five Seasons Ventures, SevenVentures, Associated British Foods, Haub Legacy Ventures und seit November 2024 Coefficient Capital. Eine vollständige, aktuelle Gesellschafterliste veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Wo kannst du KoRo-Produkte kaufen?
Du findest die Produkte im eigenen Onlineshop auf korodrogerie.de sowie im stationären Handel bei Rewe, Edeka, dm und Rossmann. Außerdem sind sie in den ICE-Restaurants der Deutschen Bahn und an Bord von Eurowings erhältlich.
Was ist das Besondere am KoRo-Konzept?
KoRo verkauft Lebensmittel wie Nüsse, Nussmuse und Trockenfrüchte in Großpackungen von meist einem Kilogramm – naturbelassen und ohne Zusätze, die im klassischen Einzelhandel häufig üblich sind. Gestartet als reiner Direktvertrieb, ist die Marke heute multichannel unterwegs; nach Unternehmensangaben sind 92 Prozent des Sortiments vegan.
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