Finanzguru: Wie aus dem „Höhle-der-Löwen"-Deal ein Fintech mit Millionen Nutzern wurde

Finanzguru ist eine Finanz-App, die Bankkonten, Depots, Krypto-Konten und Verträge in einer Anwendung bündelt – und eine der bekanntesten Fintech-Marken Deutschlands. Dahinter steht die Frankfurter dwins GmbH, gegründet von den Zwillingen Alexander und Benjamin Michel. Berühmt wurde das Startup durch einen Fernsehauftritt: Im Oktober 2018 sicherten sich die Gründer in „Die Höhle der Löwen" ein Investment von einer Million Euro, den bis dahin größten Einzeldeal der Show. Geld verdient das Unternehmen vor allem mit einer Premium-Mitgliedschaft und Provisionen – ein Modell, an dem sich auch die Deutsche Bank beteiligte.
Das Wichtigste in Kürze:
- Finanzguru ist eine Finanz-App der dwins GmbH, 2015 gegründet in Frankfurt am Main.
- Gründer sind die Zwillinge Alexander und Benjamin Michel.
- 2018 investierte Carsten Maschmeyer bei „Die Höhle der Löwen" eine Million Euro – laut mehreren Quellen der bis dahin größte Einzeldeal der Sendung.
- Die Deutsche Bank ist laut hoehle-der-loewen.de mit rund 25 Prozent an dwins beteiligt.
- Die Nutzerzahl wird auf rund drei Millionen geschätzt (Stand: Januar 2026, Quelle: Eulerpool).
Finanzguru im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick:
| Firmenname & Sitz | dwins GmbH (Marke: Finanzguru), Frankfurt am Main |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2015 |
| Gründer | Alexander und Benjamin Michel (Zwillinge) |
| Branche & Geschäftsmodell | Fintech; digitales Haushaltsbuch mit Vertragsverwaltung und Wechselempfehlungen |
| Finanzierung & wichtigste Investoren | 1 Mio. Euro von Carsten Maschmeyer (2018); Deutsche Bank mit rund 25 Prozent beteiligt; 8 Mio. Euro Finanzierungsrunde (2022, laut deutsche-startups.de) |
| Umsatz | zuletzt rund 2 Mio. Euro (2022, laut deutsche-startups.de) |
| Mitarbeiterzahl | rund 40 (2022, laut deutsche-startups.de) |
| Geschätzte Nutzerzahl | ca. 3 Mio. (Stand: Januar 2026, Quelle: Eulerpool) |
Hinter diesen Zahlen steht eine Gründergeschichte, die lange vor dem TV-Auftritt begann.

Wer steckt hinter Finanzguru?
Die Köpfe hinter der App sind die Zwillinge Alexander und Benjamin Michel. Beide haben das Bankwesen von der Pike auf gelernt. Aufgefallen sind die Brüder außerdem, weil sie für ein Startup ungewöhnlich offen mit ihren Geschäftszahlen umgingen, wie die Süddeutsche Zeitung notierte.
Gegründet wurde 2015 in Frankfurt am Main. Wer nach „Finanzguru dwins" sucht, landet beim selben Unternehmen: Finanzguru ist die Marke – die dwins GmbH ist die Gesellschaft dahinter. So verzeichnen es etwa das Startup-Verzeichnis startbase.de und der Startup-Atlas. Die Idee: ein digitales Haushaltsbuch, das Konten bündelt, Ausgaben automatisch sortiert und auf Sparpotenziale hinweist. In einem Interview mit der Plattform fuer-gruender.de beschrieben die Brüder die Anfangszeit als hart; laut Deutscher Bank begann ihre Erfolgsgeschichte bereits zwei Jahre vor dem TV-Deal – mit Siegen bei Gründerwettbewerben.
Der DHDL-Deal mit Carsten Maschmeyer
Der Durchbruch kam im Oktober 2018: In der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen" pitchten die Michel-Zwillinge vor einem Millionenpublikum. Ihre Idee war „ein kluges Haushaltsbuch mit Vergleichsfunktion", wie es die Süddeutsche Zeitung beschrieb: Nutzer sehen ihre Konten, Ausgaben werden nach Kategorien geordnet, und wem der Stromvertrag zu teuer ist, dem schlägt die App einen Wechsel vor.
Carsten Maschmeyer investierte eine Million Euro. Wer „Finanzguru Maschmeyer" googelt, stößt auf einen der prominentesten Deals der Show: Laut Deutscher Bank und übereinstimmenden Medienberichten war es der bis dahin größte Einzeldeal der Sendungsgeschichte. Die SZ taufte das Startup danach „Eine-Million-Euro-App".
Die Partnerschaft mit der Deutschen Bank
Neben Maschmeyer stieg auch die Deutsche Bank bei dwins ein. Laut hoehle-der-loewen.de ist das Geldhaus mit rund 25 Prozent beteiligt; das genaue Datum des Einstiegs ist öffentlich nicht dokumentiert. Die Kooperation geht über die Beteiligung hinaus: Die Bank betreibt eine eigene Infoseite zu Finanzguru, über die Kunden die App mit ihrem Konto verknüpfen können, und porträtiert die Gründer auf ihrer News-Seite.
Warum investiert eine Großbank in so ein Modell? Es sei eines, „das die Bankbranche elektrisiert, weil es neuen Zugang zu den Kunden gewährt", analysierte die SZ. Wer die Finanzdaten der Kunden bündelt, sitzt an einer wertvollen Schnittstelle.
Die KI hinter der App
Belastbar dokumentiert ist: Die App ordnet Buchungen automatisch Lebensbereichen und Kategorien zu und leitet daraus Spar- und Wechseltipps ab. Auf hoehle-der-loewen.de ist von einer „künstlichen Intelligenz" die Rede, die ermittelt, welche Ausgaben zu welchem Lebensbereich gehören; in der eigenen Instagram-Bio bezeichnet sich Finanzguru als „Deutschlands AI-First Finanz-App".
Welches konkrete KI-Modell oder welcher Technologiepartner dahintersteht, kommuniziert das Unternehmen öffentlich nicht. Ein offizieller Modellname oder ein Beleg für den Einsatz bestimmter Sprachmodelle ist nicht auffindbar – konkrete Angaben dazu wären Spekulation. Der funktionale Kern bleibt die automatisierte Kategorisierung und Vertragserkennung, auf der die Spartipps der App aufbauen.
Finanzierung, Umsatz und Nutzerwachstum
Die Finanzhistorie von Finanzguru ist für ein Startup ungewöhnlich gut dokumentiert, weil die Gründer der Süddeutschen Zeitung 2020 Einblick in ihren testierten Geschäftsbericht gaben. Die wichtigsten Meilensteine:
- 2015: Gründung der dwins GmbH in Frankfurt am Main.
- 2018: DHDL-Deal über 1 Mio. Euro durch Carsten Maschmeyer. Umsatz rund 270.000 Euro, Jahresverlust knapp 850.000 Euro (testierter Geschäftsbericht, zitiert in der SZ).
- 2019: Der Umsatz bricht auf 81.000 Euro ein, der Verlust steigt auf 2,26 Mio. Euro. Hauptgrund laut Geschäftsbericht: die neue EU-Richtlinie PSD2 erschwerte die technische Anbindung an Banken. „Wir haben fast das ganze Jahr damit verbracht, unsere Systeme anzupassen, damit alles wieder glatt läuft", sagte Alexander Michel der SZ.
- 2020: Strategiewechsel mit Premium-Mitgliedschaft, eigener Finanzguru-Karte und Versicherungsvermittlung; prognostizierter Umsatz: 600.000 bis 900.000 Euro.
- 2022: Finanzierungsrunde über 8 Mio. Euro, rund 500.000 registrierte Kunden, 40 Mitarbeiter, Umsatz zuletzt ca. 2 Mio. Euro (deutsche-startups.de, Januar 2022).
- 2026: Medienberichte schätzen die Nutzerzahl auf rund drei Millionen (Stand: Januar, Quelle: Eulerpool). Google Play weist ergänzend über eine Million Downloads aus – ein konservativerer, undatierter Store-Wert.
Der Einbruch 2019 war weniger ein Finanzguru-Problem als ein Branchenfaktor: PSD2 traf viele Fintechs in Europa, weil die Richtlinie kleinteilig und kompliziert war, wie die SZ notierte. Danach zeigt die Kurve nach oben – aus 500.000 registrierten Kunden Anfang 2022 wurde laut Schätzung eine Nutzerbasis von drei Millionen Anfang 2026.
Geschäftsmodell und Monetarisierung
Die Grundversion von Finanzguru ist dauerhaft kostenlos, wie das Unternehmen in den FAQ auf finanzguru.de bestätigt. Geld verdient dwins über mehrere Kanäle:
- Premium-Mitgliedschaft: erweiterte Funktionen gegen Gebühr, eingeführt Ende 2019
- Provisionen: für vermittelte Vertragswechsel (etwa Strom) und Versicherungen über ausgewählte Partner
- Sparbooster: Cashback auf Gutscheine, passend zu den eigenen Buchungen
- Finanzguru-Karte: ein eigenes Zahlungsprodukt zum App-Konto
Entscheidend für die Reichweite des Modells: Nach eigenen Angaben lassen sich über 3.000 Banken, Depots und Krypto-Börsen anbinden; verfügbar ist die App in Deutschland und Österreich. Zudem ist die dwins GmbH nach Unternehmensangaben BaFin-reguliert und setzt auf AES-Verschlüsselung; Bankdaten lägen in einem persönlichen Datentresor, den nur der Nutzer öffnen könne.
Finanzguru heute
Das auffälligste aktuelle Signal ist eine große Markenkampagne mit Ex-Fußballprofi Toni Kroos („Control it like Toni"), mit der Finanzguru auf seiner Website wirbt. Produktseitig kamen zuletzt ein Altersvorsorgedepot und der Sparbooster hinzu; laut Eulerpool-Bericht vom Januar 2026 gilt die Altersvorsorge als strategisches Wachstumsfeld. Der Anspruch geht über das Haushaltsbuch hinaus: „Unsere Zielgruppe sind 47 Millionen Menschen allein in Deutschland", sagten die Gründer im Interview mit der WirtschaftsWoche. Im deutschen Fintech-Markt gehört Finanzguru damit zu den wenigen TV-Startups, die den Sprung zur etablierten Consumer-Marke geschafft haben – Mut und Rückschläge inklusive, wie sie auch Frank Thelen als typischen Gründerweg beschreibt.
Häufig gestellte Fragen zu Finanzguru
Die wichtigsten Nutzerfragen – kurz beantwortet:
Was ist die dwins GmbH hinter Finanzguru?
Wer „Finanzguru dwins" sucht, meint das Unternehmen hinter der Marke: Die dwins GmbH aus Frankfurt am Main entwickelt und betreibt die App. Impressum, Handelsregister und Investoren finden sich unter dem Firmennamen dwins.
Wie kam es zum Deal zwischen Finanzguru und Carsten Maschmeyer?
Im Oktober 2018 pitchten die Michel-Zwillinge in „Die Höhle der Löwen". Maschmeyer investierte eine Million Euro – laut mehreren Quellen der bis dahin größte Einzeldeal der Sendung. Ob und in welcher Höhe er heute noch Anteile hält, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Ist Finanzguru kostenlos?
Ja, die Grundversion ist laut Anbieter dauerhaft kostenlos. Zusatzfunktionen gibt es über die Premium-Mitgliedschaft Finanzguru Plus; weitere Einnahmen stammen aus Provisionen, Versicherungsvermittlung und Cashback-Angeboten.
Wie sicher ist Finanzguru?
Nach eigenen Angaben ist die dwins GmbH BaFin-reguliert und nutzt AES-Verschlüsselung; deine Bankdaten lägen in einem verschlüsselten persönlichen Datentresor, zu dem nur du Zugang hast. Diese Angaben stammen vom Anbieter selbst – unabhängige Sicherheitsaudits sind öffentlich nicht dokumentiert.
Wo ist Finanzguru verfügbar?
In Deutschland und Österreich. Eine Desktop-Version gibt es laut Anbieter derzeit nur für Macs mit M-Chip.
Weitere Artikel

More Nutrition: Wie Christian Wolf mit Influencer-Marketing die The Quality Group aufbaute
More Nutrition wurde 2017 von Christian Wolf gegründet und gehört heute zur The Quality Group. Werdegang, Zahlen und Kritik im Porträt.

VYTAL: Wie das Kölner Startup Mehrweg ohne Pfand aufbaut
VYTAL ersetzt Pfand durch eine App: Wie das Kölner Startup ein digitales Mehrwegsystem aufgebaut hat, wer dahintersteckt und wie es sich von RECUP unterscheidet.

Judith Williams: Vom Teleshopping-Star zur Millionen-Unternehmerin
Werdegang, Unternehmensaufbau, DHDL-Deals und Vermoegensschaetzung von Judith Williams im Ueberblick - sachlich eingeordnet mit Quellen und Stand-Datum.