Zum Inhalt springen
pitchdeck
Erfolgsstories

yfood: Wie das Münchner Trinkmahlzeiten-Startup zum Nestlé-Konzernplayer wurde

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Offizielle Startseite von yfood.com mit Markenauftritt der Smart-Food-Trinkmahlzeiten

yfood steht vor dem größten Schritt seiner Firmengeschichte: Anfang Juni 2026 gab Nestlé bekannt, das Münchner Smart-Food-Unternehmen vollständig zu übernehmen – drei Jahre nach dem Einstieg mit einer Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent. Für die Gründer Noel Bollmann und Benjamin Kremer endet damit eine Ära, die 2017 in München begann, über die TV-Show „Die Höhle der Löwen" führte und die Marke in mehr als 35.000 deutsche Supermärkte brachte. Dieses Porträt zeigt, wer hinter yfood steckt, wie das Geschäftsmodell der Trinkmahlzeiten funktioniert, wie der Nestlé-Deal ablief und welche Kritik an den Nährwertversprechen besteht.

yfood im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick:

Firmenname & Sitzyfood Labs GmbH, München
Gründungsjahr2017
GründerNoel Bollmann, Benjamin Kremer
Branche & GeschäftsmodellSmart Food: Trinkmahlzeiten als Ready-to-drink-Drinks, Pulver und Riegel, vertrieben über den eigenen Onlineshop und den Lebensmittelhandel
BeteiligungenNestlé-Einstieg mit 49 Prozent (Februar 2023); vollständige Übernahme angekündigt (Juni 2026), Vollzug für Juli 2026 geplant; Kaufpreis nicht öffentlich
Umsatzca. 120 Mio. Euro (2022, laut Lebensmittel Zeitung/WirtschaftsWoche); ca. 150 Mio. Euro (2025, laut Presseberichten) – jeweils Schätzwerte, keine amtlich veröffentlichten Zahlen
Mitarbeiterzahlca. 200 (Stand Anfang 2023, laut WirtschaftsWoche)

Hinter diesen Eckdaten steckt eine Gründungsgeschichte, die eng mit der deutschen Startup-Szene verbunden ist.

Wer steckt hinter yfood?

Gegründet wurde die yfood Labs GmbH 2017 in München von Noel Bollmann und Benjamin Kremer. Die beiden bauten das Unternehmen zunächst als Direktvertriebsmarke auf und traten 2018 in der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen" auf. Dort investierte Juror Frank Thelen über seine Beteiligungsfirma Freigeist rund 200.000 Euro in das Startup, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Der TV-Auftritt machte die Marke über Nacht einem Millionenpublikum bekannt und legte den Grundstein für den späteren Einstieg in den stationären Handel. Ob Freigeist seine Anteile später an Nestlé abgegeben hat, ließ die Beteiligungsfirma auf Anfrage der WirtschaftsWoche offen. Fest steht: Bollmann und Kremer hielten auch nach dem Nestlé-Einstieg 2023 die Anteilsmehrheit und führten das Unternehmen bis zur angekündigten Komplettübernahme 2026 operativ weiter.

Smart Food und Trinkmahlzeiten – das Produktversprechen

yfood positioniert seine Produkte in der Kategorie „Smart Food": Lebensmittel mit einem nach Herstellerangaben vollwertigen Nährstoffprofil, die sich schnell und ohne Zubereitung konsumieren lassen. Die Idee dahinter: Wer unter Zeitdruck sonst zu Fast Food greifen oder eine Mahlzeit auslassen würde, soll stattdessen eine Trinkmahlzeit mit definierten Nährwerten bekommen.

Das Sortiment umfasst nach Angaben auf yfood.com vier Produktgruppen:

  • Trinkmahlzeiten (Ready-to-drink): 500 ml mit 500 kcal, was laut Hersteller etwa 25 Prozent des täglichen Energie- und Nährstoffbedarfs eines Erwachsenen deckt; dazu wird eine Sättigung von drei bis fünf Stunden angegeben
  • Pulver: die Trinkmahlzeit zum Selbstanmischen, rund 400 kcal pro Portion bei Zubereitungsempfehlung
  • Riegel: als Snack für zwischendurch positioniert, nicht als vollständige Mahlzeit
  • Hot Bowls: herzhafte Warmmahlzeiten auf Reis-, Quinoa- oder Nudelbasis mit kurzer Zubereitung

Als Preis nennt der Hersteller „ab 3,99 Euro pro Mahlzeit". Die Drinks seien laktose- und glutenfrei und erreichten den Nutri-Score A, wirbt das Unternehmen. Diese Angaben stammen vom Hersteller selbst – wie unabhängige Stellen die Produkte bewerten, liest du weiter unten im Kritik-Abschnitt.

Trinkmahlzeiten-Flaschen der Kategorie Smart Food im Regal
Bild von www.kaboompics.com

Wachstum und Handelspräsenz

Vom Onlineshop in die Regale: yfood ist nach eigenen Angaben in Deutschland in mehr als 35.000 Märkten gelistet, darunter dm, Edeka, Rewe, Rossmann, Kaufland, Netto, Penny, Globus, tegut, famila und HIT. Diese Handelspräsenz gilt als zentraler Wachstumstreiber – die Produkte stehen damit nicht nur bei fitnessorientierten Online-Käufern, sondern im ganz normalen Wocheneinkauf.

Zu den Umsätzen liegen keine amtlich veröffentlichten Zahlen vor, sondern Berichte aus Pressequellen:

JahrUmsatz (Schätzung/Pressebericht)Quelle
2022ca. 120 Mio. Euro – Verdopplung gegenüber dem Vorjahr; damals Marktführer für Flüssignahrung in DeutschlandLebensmittel Zeitung, zitiert nach WirtschaftsWoche
2025ca. 150 Mio. Euromunich-startup.de, IT Boltwise

Beide Werte sind als Medienberichte einzuordnen, nicht als geprüfte Geschäftszahlen. International ist yfood nach eigenen Angaben in zahlreichen europäischen Märkten mit eigenen Shops aktiv; ein Bericht von IT Boltwise nennt rund 30 Länder, ohne dass diese Zahl unabhängig bestätigt ist.

Ein zweiter Wachstumshebel war das Marketing: yfood galt früh als „Lieblingsgetränk der deutschen YouTube-Stars" (WirtschaftsWoche) und sponserte etwa die zweite Staffel der Survival-Show „7 vs. Wild", deren Folgen bis zu sieben Millionen Abrufe erreichten. Anfang 2025 trat zudem Sophia Thomalla als neues Werbegesicht der Marke auf, wie ein Bericht der op-online.de zeigt. Diese Nähe zur Creator- und Medienwelt machte die Marke groß – und führte später zu einem der lautstärksten Kritikpunkte.

Finanzierung und der Nestlé-Exit

Der yfood-Exit lief in zwei klar getrennten Etappen – und ist damit ein Lehrstück dafür, wie Konzerne Startup-Übernahmen heute strukturieren:

JahrMeilenstein
2017Gründung der yfood Labs GmbH in München durch Noel Bollmann und Benjamin Kremer
2018Auftritt bei „Die Höhle der Löwen"; Frank Thelen investiert über Freigeist rund 200.000 Euro
2023Nestlé erwirbt Ende Februar eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent; die Gründer behalten die Anteilsmehrheit
2026Ankündigung der vollständigen Übernahme am 3. Juni; Vollzug für den 3. Juli geplant, vorbehaltlich der Kartell- und Aufsichtsprüfung
Infografik: yfood-Marken-Timeline mit den Meilensteinen 2017 (Gründung in München durch Noel Bollmann und Benjamin Kremer), 2018 (Auftritt bei „Die Höhle der Löwen

Beim Einstieg 2023 begründete Nestlé den Schritt gegenüber der Lebensmittel Zeitung mit Verbrauchertrends: Snacks und Getränke für unterwegs seien auf dem Vormarsch. yfood versprach sich von dem Investment eine beschleunigte Internationalisierung und blieb nach eigenen Angaben strategisch und operativ unabhängig.

Am 3. Juni 2026 folgte die Ankündigung der Komplettübernahme, wie Moneycab und der SRF übereinstimmend berichteten. Die Kernpunkte des Deals:

  • Nestlé kauft die restlichen Anteile der Gründer Kremer und Bollmann; beide scheiden operativ aus.
  • Die operative Leitung übernimmt Jolanda Schwirtz, eine Nestlé-Managerin.
  • yfood bleibt eine eigenständige Einheit mit Hauptsitz in München; Markenidentität und Ausrichtung sollen laut Mitteilung unverändert bleiben.
  • Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Alle Anteilseigner hätten der Transaktion zugestimmt; der Vollzug zum 3. Juli 2026 steht unter dem Vorbehalt der üblichen Kartell- und Aufsichtsprüfungen.

Nach einem Bericht von Reuters ist es die erste Akquisition unter der neuen Nestlé-Konzernführung. Für Gründer und Investoren zeigt der Fall ein gestuftes Exit-Modell: Der Konzern testet die Zusammenarbeit erst mit einer Minderheitsbeteiligung in der Praxis, bevor er drei Jahre später vollständig übernimmt.

Kritik an yfood – was Kunden und Beobachter bemängeln

Ein Porträt von yfood ist ohne die kritischen Stimmen unvollständig. Sie lassen sich in vier Punkten zusammenfassen.

1. Der Nestlé-Einstieg als Vertrauensbruch in der Creator-Szene. Als die Minderheitsbeteiligung 2023 bekannt wurde, distanzierten sich mehrere Kooperationspartner öffentlich. Der YouTuber Simon Unge, damals mit 3,75 Millionen Abonnenten, schrieb auf Twitter: „Bin selbst schon seit Anfang des Jahres kein Yfood-Partner mehr und damit bleibt das auch in Zukunft so." Dahinter steht die langjährige öffentliche Kritik am Nestlé-Konzern, die zuvor schon die Übernahme der Gewürzmarke Ankerkraut begleitet hatte – ein Präzedenzfall, in dem ebenfalls Frank Thelen investiert war.

2. Gemischte unabhängige Produkttests. Verbraucherportale bewerten die Trinkmahlzeiten unterschiedlich: eiweisspulver-test.com vergab zuletzt 77,5 von 100 Punkten und lobte Proteingehalt und Geschmack, stufte den Preis aber als „teurer als der Durchschnitt" ein. Ein Test der op-online.de stellte die Leitfrage, ob die „Hype-Drinks" wirklich eine ganze Mahlzeit ersetzen. Eine Bewertung durch Stiftung Warentest oder Öko-Test lag zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht vor – Aussagen darüber, wie yfood dort abschneiden würde, sind daher nicht möglich.

3. Die Windbeutel-Nominierung durch foodwatch. 2023 nahm die Verbraucherorganisation foodwatch den Drink „Yfood Smooth Vanilla" als Kandidaten für ihren Negativpreis „Goldener Windbeutel" unter die Lupe. In ihrem Factsheet kritisiert foodwatch, dass eine 500-ml-Flasche als „gesund, ausgewogen und vollwertig" beworben werde, der Preis von 3,99 Euro jedoch „ziemlich happig" sei für ein Produkt, das im Kern aus „Milch mit Wasser" bestehe. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen die Produktkategorie als solche als gegen die Diskrepanz zwischen Werbeversprechen – auf der Verpackung prangt der Slogan „This is Food" –, Zusammensetzung und Preis.

4. Die Grenze des Nährwertversprechens. Bemerkenswert ist, dass yfood selbst die zentrale Einschränkung formuliert: Im eigenen FAQ schreibt das Unternehmen, die Produkte seien „nicht dafür gedacht, Essen vollständig zu ersetzen", und empfiehlt eine „ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit frischen und hochwertigen Lebensmitteln". Für den Sättigungseffekt verweist der Hersteller auf eine gemeinsame Untersuchung mit der Universität Lübeck – eine Eigenangabe, die keine unabhängige Replikation ersetzt.

yfood heute – eigenständige Marke unter Nestlé-Dach

Nach dem Vollzug der Übernahme soll yfood als eigenständiges Unternehmen mit Hauptsitz in München weiterbestehen. Die operative Verantwortung liegt dann bei Jolanda Schwirtz, während sich die Gründer nach fast zehn Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Nestlés erklärtes Ziel ist es, die internationale Expansion der Marke zu beschleunigen – mit den Vertriebs- und Lieferkettenstrukturen eines Konzerns, der zuletzt einen Jahresumsatz im hohen zweistelligen Milliardenbereich erwirtschaftete (2022, laut WirtschaftsWoche).

Die zentrale Frage der kommenden Jahre: Gelingt es Nestlé, eine communitygeprägte Startup-Marke zu skalieren, ohne deren Profil zu verwässern? Genau diese Spannung – Konzern-Controlling auf der einen, Startup-DNA auf der anderen Seite – macht den yfood-Deal für Gründer und Investoren zur Fallstudie. Weitere Porträts über Startup-Exits, Finanzierungsrunden und Gründergeschichten findest du in den Erfolgsstories des Pitch Deck Magazins.

FAQ zu yfood

Wer steckt hinter yfood?

Gegründet wurde yfood 2017 in München von Noel Bollmann und Benjamin Kremer. Seit 2023 war Nestlé mit 49 Prozent beteiligt; im Juni 2026 kündigte der Konzern die vollständige Übernahme an. Die Gründer geben ihre restlichen Anteile ab und scheiden operativ aus, die Leitung übernimmt Nestlé-Managerin Jolanda Schwirtz.

Wie viel Umsatz macht yfood?

Amtlich veröffentlichte Zahlen gibt es nicht. Laut Lebensmittel Zeitung/WirtschaftsWoche erreichte der Umsatz 2022 rund 120 Millionen Euro; für 2025 nennen Medienberichte rund 150 Millionen Euro. Beide Werte sind Schätzungen aus Pressequellen.

Warum hat Nestlé yfood übernommen?

Nestlé begründete den Einstieg 2023 mit dem Trend zu Snacks und Getränken für unterwegs. Mit der Vollübernahme will der Konzern die internationale Expansion der Smart-Food-Marke beschleunigen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Ist yfood wirklich gesund?

Die Drinks liefern nach Herstellerangaben ein vollwertiges Nährstoffprofil und erreichen den Nutri-Score A. Unabhängige Tests bescheinigen praktische Handhabung und hohen Proteingehalt, kritisieren aber den überdurchschnittlichen Preis; foodwatch beanstandete zudem das Verhältnis von Werbeversprechen, Zusammensetzung und Preis. Auch yfood selbst betont: Die Produkte sollen eine frische, abwechslungsreiche Ernährung nicht vollständig ersetzen.

Weitere Artikel