Enpal: Wie Mario Kohle mit dem Mietmodell Deutschlands erstes Solar-Unicorn baute

Enpal hat in wenigen Jahren geschafft, was vor ihm keinem deutschen Greentech-Startup gelang: den Sprung über die Milliardenbewertung. Das 2017 in Berlin gegründete Unternehmen vermietet Solaranlagen, statt sie zu verkaufen – und stieg 2021 zum ersten deutschen Greentech-Unicorn auf. Dahinter steht Gründer Mario Kohle, der mit dem Mietmodell die Energiewende für Hausbesitzer ohne hohe Anschaffungskosten zugänglich machen wollte. Dieses Porträt zeigt Kohles Weg, das Geschäftsmodell, die Finanzierungsgeschichte, die aktuell belegte Bewertung – und ordnet die Kritik an Vertrieb und Kundenservice fair ein.
Enpal im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick – jede Zahl mit Stand und Quelle:
| Firmenname & Sitz | Enpal B.V., Berlin (niederländische Rechtsform) |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2017, zunächst unter dem Namen „Evergreen“ |
| Gründer | Mario Kohle (bis heute CEO), Jochen Ziervogel, Viktor Wingert |
| Branche & Geschäftsmodell | Energiewirtschaft; Vermietung und Abo-Modelle für Photovoltaik-Anlagen, Stromspeicher, Wallboxen und Wärmepumpen |
| Wichtigste Finanzierungen & Investoren | 150 Mio. Euro Series C (SoftBank Vision Fund 2, 2021); 215 Mio. Euro Series D (TPG Rise Climate, 2023); dazu HV Capital, Princeville Climate Tech und Lukasz Gadowski |
| Umsatz | Erstmals deutlich über 1 Mrd. Euro, plus 25 % organisches Wachstum (Geschäftsjahr 2025, laut Enpal-Pressemitteilung vom Januar 2026) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 609 (Stand 31. Dezember 2023, laut Konzernabschluss) |
| Geschätzte Bewertung | ca. 2,4 Mrd. US-Dollar (Stand Januar 2023, laut Reuters; Schätzwert aus der Finanzierungsrunde, kein Börsenkurs) |
Hinter diesen Zahlen steht eine Gründungsgeschichte, die nicht in der Solarbranche begann.
Wer ist Mario Kohle? Der Weg zum Enpal-Gründer
Mario Kohle kam nicht aus der Energiewirtschaft, sondern aus dem Internetgeschäft: Vor Enpal hatte er bereits das Käuferportal mitgegründet und damit Erfahrung im Aufbau digitaler Vertriebsstrukturen gesammelt. 2017 startete er gemeinsam mit Jochen Ziervogel und Viktor Wingert in Berlin ein neues Unternehmen – zunächst unter dem Namen „Evergreen“.
Die Gründungsidee war so einfach wie konsequent: Hausbesitzer sollten Solarenergie nutzen können, ohne dafür einen fünfstelligen Betrag auf einmal investieren zu müssen. Aus Evergreen wurde Enpal, und aus dem kleinen Team ein Unternehmen, das 2021 bereits rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigte. Von den drei Gründern ist Mario Kohle bis heute als CEO an Bord. In einem Interview mit dem Fachmagazin pv magazine bezeichnete er Enpal 2022 als „schon so etwas wie mein Lebenswerk“ – ein Satz, der erklärt, warum er operative Verantwortung bis heute nicht abgegeben hat.
Das Geschäftsmodell: Solaranlagen mieten statt kaufen
Das Kernprinzip von Enpal lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Du mietest deine Solaranlage als monatliches Abo, statt sie zu kaufen. Damit entfällt die hohe Anfangsinvestition, die viele Hausbesitzer bisher von einer Photovoltaik-Anlage abhielt. Enpal wirbt auf seiner Website mit Angeboten ab 98 Euro im Monat; nach Angaben des Testportals solaranlage-ratgeber.de ist keine Anzahlung nötig, gezahlt wird erst, wenn die Anlage in Betrieb ist.
Zum Komplettpaket gehören je nach Konfiguration mehrere Komponenten:
- Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach
- Stromspeicher für den selbst erzeugten Solarstrom
- Wallbox zum Laden eines Elektroautos
- Wärmepumpe als Ergänzung zur PV-Anlage
- Enpal.One, ein selbst entwickeltes Energiemanagementsystem
Aus Kundensicht bündelt das Abo damit Technik, Installation und Service in einem einzigen Vertrag – ein Paket, das vor allem Eigentümer anspricht, die sich nicht selbst um Planung, Handwerker und Wartung kümmern wollen. Der strategische Clou steckt in der Software: Enpal.One verknüpft die Anlagen mit der Strombörse und soll so besonders günstige Stromtarife ermöglichen. Gleichzeitig vernetzt Enpal die installierten Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk – Medienberichten zufolge dem größten seiner Art in Europa. Damit wird aus dem Vermieter ein Energieunternehmen, das am Strommarkt mitverdient.
Finanzierung und der Weg zum Unicorn
Schon früh setzte Enpal auf prominente Investoren als Wachstumshebel. Zu den ersten Geldgebern zählten der von Leonardo DiCaprio unterstützte Klimafonds Princeville, der Cleantech-Investor Lukasz Gadowski und ehemalige Zalando-Vorstände. Wie du als Gründer selbst Investoren finden kannst, erklären wir in einem separaten Ratgeber.
Den Durchbruch brachte der Oktober 2021: Der SoftBank Vision Fund 2 steckte weitere 150 Millionen Euro in das Unternehmen und schloss damit die Series-C-Runde ab. Die Bewertung stieg auf rund 950 Millionen Euro beziehungsweise 1,1 Milliarden US-Dollar – Enpal war offiziell ein Unicorn und das erste deutsche Greentech-Startup mit diesem Status. Für das Berliner Ökosystem war die Runde zugleich ein Signal: Auch kapitalintensive Klimamodelle konnten in Deutschland Risikokapital in dreistelliger Millionenhöhe anziehen.
Etwas mehr als ein Jahr später folgte die nächste Stufe: Im Januar 2023 sicherte sich Enpal 215 Millionen Euro in einer Series-D-Runde unter Führung von TPG Rise Climate. Neu an Bord kamen die Westly Group und Activate Capital; die Bestandsinvestoren HV Capital, SoftBank Vision Fund 2 und Princeville Climate Tech beteiligten sich erneut. Die wichtigsten Meilensteine im Überblick:
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 2017 | Gründung als „Evergreen“ in Berlin |
| 2021 | Series C: 150 Mio. Euro vom SoftBank Vision Fund 2; Bewertung ca. 950 Mio. Euro (1,1 Mrd. US-Dollar) – Unicorn-Status |
| 2023 | Series D: 215 Mio. Euro unter Führung von TPG Rise Climate; geschätzte Bewertung ca. 2,4 Mrd. US-Dollar |
| 2025 | Erstmals deutlich mehr als 1 Mrd. Euro Jahresumsatz |

Die Timeline zeigt: Zwischen Oktober 2021 und Januar 2023 hat sich die Bewertung mehr als verdoppelt – getragen vom Boom der Solarnachfrage und einem Kapitalmarkt, der Klimatech-Modelle damals hoch bewertete.
Enpal-Bewertung: Was ist das Unternehmen heute wert?
Wenn du wissen willst, was Enpal aktuell wert ist, musst du mit einer Einschränkung leben: Enpal ist nicht börsennotiert, es gibt keinen Marktpreis. Die zuletzt öffentlich belegte Schätzung stammt aus der Series-D-Runde: Rund 2,4 Milliarden US-Dollar, berichtete Reuters im Januar 2023 – ebenso MarketScreener. Seitdem ist keine neue Finanzierungsrunde mit frischer Bewertung bekannt – neuere Zahlen wären reine Spekulation. Wie sich ein Unternehmenswert grundsätzlich ermitteln lässt, kannst du mit unserem Unternehmenswert-Rechner selbst nachrechnen.
Die operative Entwicklung dahinter lässt sich dagegen an konkreten Umsatzzahlen ablesen: 2020 lag der Umsatz bei rund 56 Millionen Euro, 2021 bei etwa 115 Millionen. 2022 kam Enpal auf rund 415 Millionen Euro, 2023 folgten rund 905 Millionen. Für 2025 meldete das Unternehmen erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.
Auch die Marktposition ist belegt: Laut Statista war Enpal 2022 Marktführer im deutschen Endkundengeschäft mit PV-Aufdachanlagen; 2023 lag das Unternehmen einer Branchenauswertung zufolge auch in Europa vorn, vor E.ON und Energiekonzepte Deutschland. Bewertung und Umsatz zusammen zeichnen das Bild eines Unicorns, das seine Schätzung mit realen Erlösen unterfüttert hat – auch wenn der Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar aus einem anderen Marktumfeld stammt und seither nicht durch eine neue Finanzierungsrunde bestätigt wurde.
Kritik an Enpal: Vertrieb, Preise und Kundenservice
So steil die Wachstumskurve auch ist: Ganz reibungslos verlief der Weg an die Spitze nicht. 2023 berichteten Medien wie Stern und Capital über aggressive Vertriebsmethoden, Beschwerden von Kunden und Klagen von Netzbetreibern wegen falsch übermittelter Zählerstände. Enpal räumte damals Probleme mit Netzbetreibern ein – der Tenor der Berichte: Das Unternehmen sei auf schnelles Wachstum fixiert gewesen, teils zulasten von Kunden und Marktpartnern.
Auch am Preis des Mietmodells gibt es Diskussionen. Wer über die volle Mietlaufzeit rechnet, zahlt in der Summe oft mehr als beim Kauf – dafür sind Planung, Installation und Service im Abo enthalten, und das Risiko der Anfangsinvestition entfällt. Ob Mieten oder Kaufen günstiger ist, hängt von Laufzeit, Strompreisentwicklung und Eigenkapital ab. Einen pauschalen Vorteil kann keines der beiden Modelle für sich beanspruchen.
Der jüngste Kritikpunkt datiert aus dem März 2026: Medienberichten zufolge entließ Enpal nahezu 100 Mitarbeiter, als eine Tochtergesellschaft aufgelöst und der bisherige Kundenservice umgebaut wurde. Die Betreuung der Kunden übernehmen seitdem sogenannte Bau- und Kundenbegleiter. Das Unternehmen stellte den Schritt als länger geplante Umstrukturierung dar; für die Betroffenen kam er laut Berichten dennoch unangekündigt. Wer heute Kunde bei Enpal wird, sollte diese Entwicklung kennen – sie zeigt, dass das Unternehmen sein Serviceversprechen gerade neu justiert.
Enpal heute: Rekordumsatz und Auszeichnungen
Operativ läuft Enpal derzeit auf Hochtouren: Für das Geschäftsjahr 2025 meldete das Unternehmen im Januar 2026 einen Rekordumsatz von über einer Milliarde Euro – ein organisches Wachstum von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erstmals einen positiven freien Cashflow über ein volles Geschäftsjahr. Für 2026 erwartet das Management weiterhin profitables Umsatzwachstum im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Bis Ende 2023 hatte Enpal rund 60.000 Solaranlagen in Deutschland installiert; inzwischen spricht das Unternehmen von mehr als 100.000 installierten PV-Systemen.
Ausgezeichnet wurde das Unternehmen unter anderem mit dem Deutschen Innovationspreis 2023, dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 und dem Publikumssieg beim KfW Award 2022 – Belege dafür, dass das Modell nicht nur bei Investoren Anklang findet.
FAQ: Häufige Fragen zu Enpal
Wer ist Mario Kohle bei Enpal?
Mario Kohle ist Mitgründer und bis heute CEO von Enpal. Zuvor hatte er das Käuferportal mitgegründet. 2017 startete er Enpal – damals noch unter dem Namen „Evergreen“ – gemeinsam mit Jochen Ziervogel und Viktor Wingert in Berlin.
Wie funktioniert das Enpal-Mietmodell?
Du zahlst eine monatliche Rate für deine Solaranlage, statt sie zu kaufen. Eine Anzahlung entfällt, die Zahlung beginnt erst mit der Inbetriebnahme. Optional kommen Speicher, Wallbox, Wärmepumpe und das Energiemanagementsystem Enpal.One dazu.
Wie hoch ist die Enpal-Bewertung aktuell?
Die zuletzt belegte Schätzung liegt bei rund 2,4 Milliarden US-Dollar (Stand Januar 2023, laut Reuters). Da Enpal nicht börsennotiert ist und seitdem keine neue Finanzierungsrunde publik wurde, gibt es keinen verlässlicheren aktuellen Wert.
Ist Enpal seriös – und was wird kritisiert?
Enpal ist belegter Marktführer mit über einer Milliarde Euro Jahresumsatz und mehreren Branchenauszeichnungen. Kritisiert wurden 2023 Vertriebsmethoden und Fehler bei Zählerständen sowie 2026 der Umbau des Kundenservice mit fast 100 Entlassungen. Prüfe als Interessent das Angebot und rechne Miet- gegen Kaufmodell selbst nach.
Wem gehört Enpal?
Enpal firmiert als niederländische B.V. mit Sitz in Berlin. Anteile halten die Gründer sowie namhafte Investoren, darunter der SoftBank Vision Fund 2, TPG Rise Climate, HV Capital und Princeville Climate Tech. Die genaue Anteilsverteilung ist nicht öffentlich. Wie Startups solche Anteilsverhältnisse in einem Cap Table dokumentieren, aufbauen und pflegen, erklärt unser Ratgeber.
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