Scalable Capital: Vom Robo-Advisor zum Neobroker-Unicorn

Scalable Capital hat in rund zehn Jahren den Weg vom Münchner Startup zur Bank mit eigener EZB-Lizenz zurückgelegt. Das 2014 gegründete Fintech startete als Robo-Advisor, stieg 2020 ins Broker-Geschäft ein und verwaltet heute mehr als 30 Milliarden Euro für über eine Million Kunden (Stand 2025, laut Wikipedia). Dieses Porträt beantwortet die zentralen Fragen: Wer steckt hinter Scalable Capital, wie gelang der Pivot vom Robo-Advisor zum Neobroker, was ist das Unternehmen geschätzt wert – und wie ist es heute aufgestellt?
Scalable Capital im Steckbrief
Die wichtigsten Fakten zu Scalable Capital im Überblick:
| Firmenname & Sitz | Scalable Capital Bank GmbH, München |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2014 (Quelle: Wikipedia) |
| Gründer | Erik Podzuweit, Florian Prucker, Adam French, Stefan Mittnik |
| Branche & Geschäftsmodell | Neobroker und Neobank; zuvor Robo-Advisor (digitale Vermögensverwaltung) |
| Finanzierung & Bewertung | Letzte Runde: 155 Mio. Euro (Juni 2025); geschätzte Bewertung rund 1,5 Mrd. Euro (Schätzung laut Handelsblatt, Stand Juni 2025). Investoren: Sofina, Noteus Partners, BlackRock, HV Capital |
| Verwaltetes Vermögen | Über 30 Mrd. Euro für mehr als 1 Mio. Kunden (Stand 2025, laut Wikipedia) |
Hinter diesen Zahlen steckt eine Gründungsgeschichte, die mit vier Personen und einem Algorithmus begann.

Die Gründer von Scalable Capital: Wer steckt hinter dem Fintech?
Gegründet wurde Scalable Capital im Dezember 2014 in München – von einem vierköpfigen Team mit unterschiedlichen Hintergründen (Quelle: Wikipedia). Erik Podzuweit und Florian Prucker kommen von der Investmentbank Goldman Sachs und brachten das Kapitalmarkt-Know-how mit. Adam French ergänzte Erfahrung aus dem britischen Fintech-Umfeld und verantwortete später vor allem das Londoner Geschäft. Stefan Mittnik, Professor für Finanzökonometrie, lieferte die wissenschaftliche Basis der Anlagetechnologie; im Finanzrocker-Interview von 2019 erklärte er ausführlich, wie das risikobasierte Modell hinter der Plattform funktioniert.
Diese Mischung aus Bankpraxis und akademischer Finanzforschung prägte das erste Produkt: eine automatisierte Vermögensverwaltung, die ETF-Portfolios per Algorithmus an das Risikoprofil des Anlegers anpasste.
Die Gründungsgeschichte: Start als Robo-Advisor
Der Marktstart erfolgte 2016: Scalable Capital trat als reiner Robo-Advisor an und verwaltete Kundengeld automatisiert in ETF-Portfolios (Quelle: Wikipedia). Das Modell traf eine Lücke im Markt, denn klassische Vermögensverwaltungen waren für Privatanleger mit kleineren Summen praktisch unerreichbar.
Zwei Ereignisse beschleunigten das Wachstum ab 2017: Zum einen stieg BlackRock, der weltgrößte Vermögensverwalter, als Investor ein (Quelle: Scalable Capital Presse, 2017). Zum anderen ging das Startup eine Partnerschaft mit der ING Deutschland ein, über die Kunden der Bank den digitalen Anlagedienst direkt nutzen konnten; laut private banking magazin (2017) meldeten sich zeitweise mehr als 1.000 Neukunden pro Woche an.
Im Mai 2018, nur 28 Monate nach Marktstart, überschritt das verwaltete Vermögen die Marke von einer Milliarde Euro. Nach Angaben von Bloomberg und extraETF (2018) hatte zu diesem Zeitpunkt kein anderer unabhängiger Robo-Advisor weltweit die Milliardengrenze schneller erreicht.
Der Pivot zum Neobroker und das PRIME-Abo-Modell
2020 legte Scalable Capital den Grundstein für das heutige Geschäft: Das Unternehmen brachte einen eigenen Online-Broker auf den Markt, über den Kunden Aktien, ETFs und später auch Kryptowährungen selbst handeln konnten (Quelle: Wikipedia). Kurz zuvor hatte das Startup laut TechCrunch (Juli 2020) eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro bei einer geschätzten Bewertung von knapp 400 Millionen Euro eingesammelt.
Mit dem Broker führte Scalable Capital ein für Deutschland ungewöhnliches Preismodell ein: eine Trading-Flatrate gegen monatliche Fixkosten statt klassischer Provision pro Order. Das aktuelle Angebot besteht aus zwei Varianten (Stand: Preisseite von Scalable Capital, 2026):
| FREE | PRIME+ | |
|---|---|---|
| Monatliche Gebühr | 0 Euro | 4,99 Euro |
| Trades | 0,99 Euro pro Trade; 0 Euro für Käufe von PRIME-ETFs ab 250 Euro Ordervolumen | 0 Euro für Trades ab 250 Euro Ordervolumen (Trading-Flatrate) |
| Sparpläne | 0 Euro | 0 Euro |
| Zinsen aufs Tagesgeld | 2,50 % p.a. | 2,50 % p.a. |
Damit bedient Scalable Capital zwei Nutzergruppen: Gelegenheitsanleger ohne Fixkosten im FREE-Modell und aktive Trader mit Flatrate in PRIME+. Wenn du nur gelegentlich investierst, kommst du oft ohne Monatsgebühr aus; bei häufigen Orders kann sich die Flatrate eher rechnen. Beide Varianten sind laut Anbieter jederzeit kündbar.
Finanzierung und Bewertung: Der Weg zum Unicorn
Im Juni 2021 erreichte Scalable Capital den Unicorn-Status: Laut TechCrunch (2021) sammelte das Unternehmen mehr als 180 Millionen US-Dollar ein, bei einer geschätzten Bewertung von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Im November desselben Jahres übernahm Scalable Capital das Analyseportal justETF und stärkte damit seine Position im ETF-Geschäft (Quelle: etfstream.com, 2021).
Das Wachstum hielt an: Im April 2024 meldete das Unternehmen 20 Milliarden Euro Kundenvermögen bei mehr als einer Million Kunden (Quelle: etfstream.com, 2024). Im Juni 2025 folgte die bislang letzte große Runde: 155 Millionen Euro (175 Millionen US-Dollar), angeführt von Sofina und Noteus Partners, dazu Altinvestoren wie BlackRock und HV Capital, wie das Unternehmen in seinem Newsroom mitteilte. Die Bewertung liegt laut Handelsblatt (Juni 2025) bei geschätzt rund 1,5 Milliarden Euro – ausdrücklich eine Schätzung auf Basis der Investorenrunde, kein amtlich festgestellter Wert.
Die wichtigsten Meilensteine vom Robo-Advisor zur Bank im Überblick:
- 2014: Gründung in München
- 2016: Marktstart als Robo-Advisor
- 2017: Einstieg von BlackRock, Partnerschaft mit ING Deutschland
- 2020: Pivot zum Online-Broker
- 2021: Unicorn-Bewertung, Übernahme von justETF
- 2024: Gründung der Handelsplattform EIX mit der Börse Hannover
- 2025: Vollbanklizenz der EZB (September), Finanzierungsrunde über 155 Mio. Euro
Diese Chronologie zeigt, dass jede Stufe auf der vorherigen aufbaute – vom Anlagealgorithmus über den eigenen Broker bis zur eigenen Bankinfrastruktur.
Scalable Capital vs. Trade Republic: Der Wettbewerb um Deutschlands Neobroker-Kunden
Kein Porträt von Scalable Capital kommt am Wettbewerber Trade Republic vorbei: Beide gelten als führende deutsche Neobroker und konkurrieren um dieselbe junge Anlegerzielgruppe, wie finanz-szene.de bereits 2021 einordnete. Die Ausgangslagen unterscheiden sich jedoch deutlich. Trade Republic startete von Beginn an als reiner Broker; Scalable Capital kam über die Vermögensverwaltung in den Handel und deckt entsprechend ein breiteres Spektrum ab – vom ETF-Sparplan bis zur verwalteten Geldanlage.
Regulatorisch teilen sich die beiden Rivalen zumindest eine Erfahrung: Im Februar 2025 mahnte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beide Broker wegen der Darstellung verzinster Kundenguthaben ab. Der Vorwurf laut Handelsblatt (2025): Die Werbung mache nicht deutlich genug, dass der beworbene Zinssatz variabel ist und Teile der Kundengelder in Geldmarktfonds ohne gesetzliche Einlagensicherung angelegt werden.
Scalable Capital heute: Vollbanklizenz und eigene Infrastruktur
Die jüngste Entwicklung folgt einer klaren Strategie: Scalable Capital verlagert zentrale Funktionen in eigene Infrastruktur, statt dauerhaft auf Partner angewiesen zu sein. Im Dezember 2024 gründete das Unternehmen gemeinsam mit der Börse Hannover die European Investor Exchange (EIX), einen elektronischen Handelsplatz für Privatanleger (Quelle: Handelsblatt, 2024). Im September 2025 erteilte die EZB die Vollbanklizenz; seitdem wird das Institut von BaFin und Bundesbank beaufsichtigt (Quelle: IT-Finanzmagazin, 2025). Als Kreditinstitut nach § 32 KWG (Quelle: Scalable Capital Factsheet, Stand März 2026) kann Scalable Capital Einlagengeschäft und Kredite selbst anbieten und ist nicht mehr auf eine Partnerbank wie die Baader Bank angewiesen. Seit März 2026 gehört auch ein verzinstes Tagesgeldkonto zum Angebot (Quelle: Handelsblatt, 2026); der Zinssatz liegt laut Zinsübersicht des Anbieters bei 2,50 Prozent pro Jahr – unabhängig davon, ob du ein PRIME+-Abo hast.
Mit dem Online-Broker ist das Unternehmen inzwischen in Deutschland, Italien, Österreich, Spanien, Frankreich und den Niederlanden aktiv; die digitale Vermögensverwaltung ist in Deutschland und Österreich verfügbar (Quelle: Scalable Capital Factsheet, Stand März 2026).
Zur ausgewogenen Bilanz gehören auch die Rückschläge: Im Oktober 2020 war bei einem externen Dienstleister ein Datenleck aufgetreten, das laut Handelsblatt mehr als 33.000 Personen betraf. Das Landgericht München I sprach 2021 Schadensersatz zu, und der Fall landete als Verfahren zu DSGVO-Schadensersatz vor dem Europäischen Gerichtshof (Urteil 2024). Hinzu kommt die beschriebene Abmahnung der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2025. Beides sind dokumentierte Vorgänge, die das Bild eines schnell gewachsenen Fintechs mit realen Wachstumsschmerzen zeichnen.
FAQ zu Scalable Capital
Wer hat Scalable Capital gegründet?
Gegründet wurde Scalable Capital im Dezember 2014 von Erik Podzuweit und Florian Prucker (beide ehemals Goldman Sachs) sowie Adam French und Stefan Mittnik in München (Quelle: Wikipedia).
Wie viel ist Scalable Capital wert?
Die Bewertung von Scalable Capital wird nach der Finanzierungsrunde vom Juni 2025 auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt (Quelle: Handelsblatt, 2025). Es handelt sich um eine Schätzung auf Basis der letzten Investorenrunde, nicht um einen amtlich festgestellten Wert.
Wie funktioniert das PRIME-Abo?
Beim PRIME+-Modell zahlst du 4,99 Euro pro Monat und handelst dafür ohne Ordergebühren ab 250 Euro Ordervolumen; Sparpläne sind kostenlos. Im kostenlosen FREE-Modell zahlst du 0,99 Euro pro Trade (Stand: Preisseite von Scalable Capital, 2026).
Ist Scalable Capital eine Bank?
Ja. Im September 2025 erhielt das Unternehmen eine Vollbanklizenz von der EZB und firmiert als Scalable Capital Bank GmbH; die Aufsicht liegt bei BaFin und Bundesbank (Quelle: IT-Finanzmagazin, 2025). Im Factsheet bezeichnet sich das Institut als Kreditinstitut nach § 32 KWG unter Aufsicht der BaFin (Stand März 2026).
Was unterscheidet Scalable Capital von Trade Republic?
Scalable Capital startete 2016 als Robo-Advisor und kam erst 2020 zum Brokerage; Trade Republic war von Anfang an ein reiner Broker. Beide gelten als führende deutsche Neobroker und wurden 2025 gemeinsam von der Verbraucherzentrale wegen ihrer Zins-Werbung abgemahnt.
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