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Veganz: Vom veganen Supermarkt-Pionier zur Insolvenz – die Geschichte einer Foodtech-Aktie

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Startseite von Veganz mit der Markenvision 'Gut für dich, besser für alle'

Veganz galt als Vorzeigeprojekt der veganen Lebensmittelbranche: 2011 in Berlin als erste vegane Supermarktkette Europas gegründet, ging das Unternehmen im November 2021 an die Frankfurter Börse. Knapp fünf Jahre später steht die Gesellschaft, die inzwischen Planethic Group AG heißt, vor der Sanierung: Am 25. Juni 2026 beantragte sie ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dieses Porträt ordnet den Weg vom Pionier über den Börsengang bis in die Restrukturierung ein – mit den belegten Zahlen und den Lehren, die Gründer und Investoren daraus ziehen können.

Veganz im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zu Veganz im Überblick:

Firmenname & SitzPlanethic Group AG (vormals Veganz Group AG), Ludwigsfelde, Brandenburg; Marke: Veganz
Gründungsjahr2011, Berlin (Quelle: t3n.de, November 2021; veganz.de)
GründerJan Bredack, ehemaliger Daimler-Manager
Branche & GeschäftsmodellMarke und Produzent pflanzbasierter Lebensmittel, Vertrieb über Handelspartner im DACH-Raum
Börsengang10. November 2021, Frankfurter Börse, Ausgabepreis 87 Euro je Aktie (Quelle: EQS-News, November 2021)
Bewertung beim BörsengangUnternehmenswert von bis zu 135 Millionen Euro in Aussicht gestellt (2021, laut rnd.de)
Umsatz10,8 Millionen Euro (2024, laut Planethic-Unternehmenspräsentation, September 2025)
StatusInsolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt am 25. Juni 2026 (Quelle: vegconomist.de; PTA-Adhoc-Mitteilung)

Hinter diesen Eckdaten steckt eine Gründergeschichte, die mit einem ungewöhnlichen Karrierewechsel beginnt.

Infografik: Veganz im Steckbrief – Firmenname, Sitz, Gründungsjahr, Börsengang und Kennzahlen im Überblick

Wer steckt hinter Veganz?

Gegründet wurde Veganz 2011 in Berlin von Jan Bredack. Vor seiner Selbstständigkeit war Bredack als Manager bei Daimler tätig, wechselte dann in die Lebensmittelbranche und baute dort eine vegane Marke auf (Quelle: t3n.de, November 2021). Beim Börsengang im November 2021 war es Bredack, der in Frankfurt die Börsenglocke läutete und in einer Rede an die Anfänge des Unternehmens erinnerte.

Auf operativer Ebene wird die Gesellschaft heute von anderen geführt: Dem Vorstand gehören laut der Unternehmenswebsite Sascha Voigt und Anja Brachmüller an (Quelle: veganz.de, Stand Januar 2026). Voigt zeichnete auch die Adhoc-Mitteilung zum Insolvenzantrag im Juni 2026.

Die Gründungsgeschichte – Europas erste vegane Supermarktkette

Als Veganz 2011 in Berlin startete, war veganer Lebensmittelhandel im stationären Handel eine Nische. Das Unternehmen positionierte sich als erste vegane Supermarktkette Europas und machte die Marke über diese Pionierrolle bekannt (Quelle: t3n.de, November 2021). Das Sortiment umfasste pflanzliche Produkte vom Frühstück bis zum Abendbrot – von Süßwaren über Fleisch- und Käsealternativen bis zum veganen Ei-Ersatz.

Der Anfang war nach eigener Darstellung mühsam. „Die Reise war auf keinen Fall easy“, sagte Bredack rückblickend im Livestream zum Börsengang (Quelle: t3n.de, 10. November 2021). Dem Unternehmen gelang es nach eigenen Angaben, die vegane Nische aufzubrechen und den pflanzlichen Ernährungstrend im Markt zu etablieren (Quelle: veganz.de/ueber-uns). Aus der Berliner Filiale wurde eine Kette, aus der Kette ein bekannter Markenname im deutschsprachigen Handel.

Vom Supermarkt zur Marke – der strategische Wandel

Der stationäre Einzelhandel blieb nicht das Kerngeschäft. Veganz wandelte sich vom Supermarktbetreiber zu Marke und Produzent pflanzbasierter Lebensmittel, der über Handelspartner vertreibt. Zum Zeitpunkt des Börsengangs bot das Unternehmen rund 165 Produkte in 26 Ländern sowie in Online-Shops an (Stand 2021, Quelle: t3n.de). Der Vertriebsfokus liegt auf dem DACH-Raum, wo das Sortiment laut Unternehmensangaben breit verfügbar ist (Quelle: veganz.de).

Der strategische Schwenk hatte eine klare Logik: Statt teurer eigener Filialen trägt nun der Handel das Flächenrisiko, während Veganz Marke, Produkte und Nachhaltigkeitspositionierung liefert. Die Marke ist nach eigenen Angaben B-Corp-zertifiziert und vergleicht die Umweltbilanz ihrer Produkte mit anderen Lebensmitteln im deutschsprachigen Raum. Der Unternehmenssitz liegt inzwischen in Ludwigsfelde in Brandenburg (Quelle: onvista.de).

Der Börsengang 2021 – Veganz an der Frankfurter Börse

Am 10. November 2021 gab Veganz sein Debüt an der Frankfurter Börse. Die Preisspanne hatte das Unternehmen Ende Oktober auf 85 bis 110 Euro je Aktie festgelegt (Quelle: EQS-News, 26. Oktober 2021), der endgültige Ausgabepreis lag mit 87 Euro deutlich im unteren Bereich (Quelle: EQS-News, 3. November 2021).

Der Handelsstart verlief verhalten: Mit einem ersten Kurs von 86,90 Euro startete die Aktie unter dem Ausgabepreis in den Handel (Quelle: t3n.de, 10. November 2021). Das Gesamtvolumen des Börsengangs lag bei 47,6 Millionen Euro (Quelle: stern.de), der Bruttoemissionserlös sollte zwischen 33 und 42,8 Millionen Euro liegen (Quelle: zeit.de). Als Unternehmenswert wurden maximal 135 Millionen Euro in Aussicht gestellt (Quelle: rnd.de). Das frische Kapital sollte unter anderem in den Produktionsausbau fließen.

Der Start unter dem Ausgabepreis war damals kein Drama, im Rückblick aber ein bemerkenswertes Detail: Die Nachfrage der Anleger reichte nicht, um die Emission auf dem Preisniveau zu halten, zu dem sie platziert worden war.

Finanzielle Entwicklung und Umsatzrückgang

Die Jahre nach dem Börsengang waren operativ von rückläufigen Umsätzen und anhaltenden Verlusten geprägt. Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung von 2022 bis 2024 nach den Angaben der Planethic-Unternehmenspräsentation vom September 2025:

JahrUmsatzEBITDAJahresfehlbetrag
202223,6 Mio. Euro-12,3 Mio. Euro-11,0 Mio. Euro
202316,4 Mio. Euro-6,3 Mio. Euro-9,5 Mio. Euro
202410,8 Mio. Euro-2,4 Mio. Euro-4,8 Mio. Euro

Zwei Trends sind ablesbar: Der Umsatz hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als halbiert, gleichzeitig verkleinerten sich die Verluste deutlich. Das Unternehmen verkleinerte sich also in Richtung einer tragfähigeren Kostenstruktur, erreichte die Profitabilität aber nicht. Auf der Passivseite standen 2024 finanzielle Verbindlichkeiten aus einer Anleihe über 9,6 Millionen Euro sowie Crowdfunding-Darlehen über 1,8 Millionen Euro (Quelle: Planethic-Unternehmenspräsentation, September 2025).

Auffällig ist das erste Halbjahr 2025: Das Unternehmen meldete ein EBITDA von 25,3 Millionen Euro. Der Wert war jedoch maßgeblich durch einen Einmalertrag aus dem Verkauf der Tochtergesellschaft OrbiFarm getrieben, deren Kaufpreis bei rund 30 Millionen Euro lag – nicht durch eine operative Verbesserung (Quelle: pressnetwork.de, 25. September 2025).

Krise, Anleihebruch und Insolvenz in Eigenverwaltung

Vor der eigentlichen Krise setzte das Unternehmen noch einen strategischen Schritt: Die Veganz Group AG wurde in Planethic Group AG umbenannt und als Markenportfolio positioniert – ein „House of vegan brands“, zu dem Veganz als bekannteste Marke gehört (Quelle: vegconomist.de; finanzen.net). Die Unternehmenspräsentation vom September 2025 trug bereits den neuen Namen.

Der konkrete Auslöser der Krise lag am Kapitalmarkt: Im Februar 2026 verletzte Planethic die Bedingungen einer bis 2030 laufenden Unternehmensanleihe – eine fällige Zinszahlung blieb aus (Quelle: 4investors.de, 10. April 2026). Anschließend setzte das Unternehmen Gläubigerversammlungen an, bevor am 25. Juni 2026 der nächste Schritt folgte: Der Vorstand beschloss, beim Amtsgericht Berlin einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen. Erklärtes Ziel sei die Fortführung bereits eingeleiteter Restrukturierungsmaßnahmen und die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit (Quelle: vegconomist.de; PTA-Adhoc-Mitteilung, 25. Juni 2026).

Die Börse reagierte deutlich: Die Aktie brach nach der Meldung zeitweise um rund 80 Prozent ein und markierte mit 0,44 Euro ein neues Allzeittief (Quelle: sharedeals.de; finanznachrichten.de, Juni 2026). Aus den bis zu 135 Millionen Euro Unternehmenswert, die 2021 in Aussicht gestellt worden waren, war an der Börse nur noch ein Bruchteil geblieben. Damit endete vorerst eine Börsengeschichte, die knapp viereinhalb Jahre zuvor mit einem Ausgabepreis von 87 Euro je Aktie begonnen hatte.

Was das Veganz-Beispiel Gründern und Investoren lehrt

Der Fall Veganz ist kein Skandal, sondern ein Lehrstück über Skalierung und Kapitalmarkt. Wenn du als Gründer einen Börsengang als Exit-Strategie planst oder als Investor Food-Aktien bewertest, lohnen drei Beobachtungen:

  • Der erste Handelstag ist ein Echtheits-Test. Veganz startete mit 86,90 Euro unter dem Ausgabepreis von 87 Euro (2021, Quelle: t3n.de). Ein IPO, der die Platzierung nicht hält, signalisiert begrenzte Nachfrage – das solltest du als frühes Warnsignal ernst nehmen, nicht als Randnotiz.
  • Einmaleffekte können operative Schwäche verdecken. Das positive Halbjahres-EBITDA von 25,3 Millionen Euro (H1/2025) stammte maßgeblich aus dem OrbiFarm-Verkauf, nicht aus dem Kerngeschäft. Prüfe bei Kennzahlen immer, ob sie operativ erarbeitet oder durch Verkäufe erzeugt wurden.
  • Anleihebedingungen sind ein Frühindikator. Der Zinsausfall im Februar 2026 stand vier Monate vor dem Insolvenzantrag. Wer Covenants und Zinstermine börsennotierter Mittelständler verfolgt, sieht Liquiditätskrisen früher als im Aktienkurs.

Für die Skalierung selbst zeigt der Fall außerdem: Der Umbau vom Filialbetreiber zum Markenhersteller war strategisch nachvollziehbar, konnte den Umsatzrückgang aber nicht stoppen. Ein Börsengang ersetzt kein tragfähiges operatives Wachstum – er macht allenfalls dessen Fehlen für alle sichtbar.

Veganz heute – was ist aus der Marke geworden?

Die Marke Veganz besteht fort: Die Produkte sind weiterhin im Handel erhältlich, und das Unternehmen tritt weiter unter dem bekannten Markennamen auf (Quelle: veganz.de). Das Eigenverwaltungsverfahren bedeutet, dass das Management um Sascha Voigt und Anja Brachmüller die Sanierung zunächst selbst steuert, statt die Kontrolle an einen Insolvenzverwalter abzugeben. Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden; der Ausgang des Verfahrens ist offen.

Ob die Sanierung gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob das Unternehmen seine Kostenstruktur dauerhaft an das gesunkene Umsatzniveau anpasst und das Vertrauen von Handelspartnern und Gläubigern zurückgewinnt. Für dich als Beobachter der Startup- und Food-Szene bleibt Veganz damit ein Fall, an dem sich in Echtzeit studieren lässt, wie ein börsennotierter Pionier um seine Zukunft kämpft.

Häufige Fragen zu Veganz

Wem gehört Veganz heute?

Veganz ist eine Marke der Planethic Group AG, der früheren Veganz Group AG mit Sitz in Ludwigsfelde. Die Gesellschaft ist börsennotiert (ISIN DE000A3E5ED2) und gehört damit ihren Aktionären. Den Vorstand bilden Sascha Voigt und Anja Brachmüller (Quelle: veganz.de; onvista.de, Stand 2026).

Warum ist Veganz insolvent geworden?

Die Gesellschaft verzeichnete von 2022 bis 2024 sinkende Umsätze (23,6 auf 10,8 Millionen Euro) und durchgehende Jahresfehlbeträge. Im Februar 2026 verletzte sie die Bedingungen einer Unternehmensanleihe, eine Zinszahlung blieb aus. Am 25. Juni 2026 beantragte sie ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, um die Restrukturierung fortzuführen (Quellen: Planethic-Unternehmenspräsentation September 2025; 4investors.de; vegconomist.de).

Wann ist Veganz an die Börse gegangen?

Der Börsengang fand am 10. November 2021 an der Frankfurter Börse statt. Der Ausgabepreis lag bei 87 Euro je Aktie, der erste Kurs bei 86,90 Euro (Quelle: EQS-News, November 2021; t3n.de).

Was ist die Planethic Group?

Die Planethic Group AG ist der neue Name der früheren Veganz Group AG. Die Umbenennung war Teil einer Repositionierung als Markenportfolio („House of vegan brands“), zu dem Veganz als Kernmarke gehört. Unter diesem Namen beantragte die Gesellschaft im Juni 2026 das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (Quelle: vegconomist.de; finanzen.net).

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