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Erfolgsstories

Kapten & Son: Wie drei Studenten aus Münster ein Bootstrapped-D2C-Label aufbauten

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Offizielle Startseite von Kapten & Son mit aktuellem Produktsortiment

Über 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2021, ein Plus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr – erzielt von einem Unternehmen, das sich sechs Jahre lang komplett selbst finanziert hat. Kapten & Son gehört zu den bekanntesten D2C-Erfolgsgeschichten aus Deutschland. Dahinter stehen drei Studenten aus Münster: Johannes Theobald, Fabian Deventer und Artjem Weissbeck, die aus einer selbst designten Taucheruhr ein internationales Lifestyle-Label gemacht haben. Dieses Porträt zeigt, wer hinter der Marke steht, wie das Geschäftsmodell funktioniert und was du daraus lernen kannst.

Kapten & Son im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick – mit Stand und Quelle:

Firmenname & SitzKapten & Son GmbH, Köln (Amtsgericht Köln, HRB 93163); gegründet in Münster, Sitz seit 2018 in Köln
Gründungsjahr2014 (August)
GründerJohannes Theobald, Fabian Deventer und Artjem Weissbeck
Branche & GeschäftsmodellD2C-Marke (Direct-to-Consumer) für Fashion- und Lifestyle-Accessoires wie Uhren, Rucksäcke, Sonnenbrillen und Reisegepäck; Vertrieb über Onlineshop, eigene Stores und Handelspartner
FinanzierungSechs Jahre vollständig selbstfinanziert; seit März 2021 Minderheitsbeteiligung durch Ardian Growth (Quelle: Startbase, 2021)
UmsatzÜber 50 Mio. Euro (2021, laut Unternehmensangaben; Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2022) – eine aktuellere belastbare Zahl liegt nicht öffentlich vor
MitarbeiterzahlRund 150 (2021; Quelle: Süddeutsche Zeitung); nach aktuellen Unternehmensangaben über 200 (kapten-son.com)

Hinter diesen Zahlen steckt eine Gründung, die ursprünglich gar nicht geplant war.

Wer steckt hinter Kapten & Son?

Kapten & Son geht auf drei Studenten zurück: Johannes Theobald, Fabian Deventer und Artjem Weissbeck. Deventer war Theobalds Mitbewohner in Münster, Weissbeck ein Freund. Theobald steckte zu der Zeit mitten in der Pilotenausbildung bei der Lufthansa und absolvierte parallel ein Masterstudium, wie er der Süddeutschen Zeitung 2022 erzählte.

Die Idee entstand neben dem Studium: eine Taucheruhr mit einem speziellen Chip, der verhindern sollte, dass sie beim Tauchen auf den Meeresgrund sinkt. Eigentlich nur für den Eigenbedarf gedacht, ließen die drei 100 Stück für Freunde und Kommilitonen produzieren – nach sieben Tagen war die Auflage ausverkauft. Ein Unternehmen zu gründen sei nie der Plan gewesen, sagte Theobald rückblickend. Vom Ursprungsprodukt sind heute vor allem das Anker-Logo und der maritime Name geblieben.

Die Gründungsgeschichte: vom Studenten-Hobby zum Label

Offiziell gegründet wurde Kapten & Son im August 2014 in Münster. Aus dem Hobby wurde schnell ein Geschäft: Schon im ersten vollen Geschäftsjahr erzielten die Gründer rund neun Millionen Euro Umsatz. „Von dem Erfolg sind wir komplett überrannt worden, das hätten wir niemals für möglich gehalten“, sagte Theobald dazu.

2018 zog das Unternehmen wegen der besseren Verfügbarkeit von Fachkräften von Münster nach Köln um. Das Team wuchs bis 2021 von rund 30 auf etwa 150 Mitarbeiter. Im selben Jahr stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben auf über 50 Millionen Euro – ein Wachstum von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mitten in der Pandemie. Damit zählte die Marke nach eigener Darstellung zu den am schnellsten wachsenden Accessoire-Unternehmen Europas.

Das Geschäftsmodell: D2C und Influencer-Marketing als Wachstumsmotor

Das schnelle Wachstum erklärt sich vor allem aus einer damals noch ungewöhnlichen Marketingstrategie: Kapten & Son setzte früh Influencer als Markenbotschafter ein, lange bevor das Standard wurde – ein Ansatz, den später auch andere deutsche D2C-Marken wie Just Spices erfolgreich nutzten. So erreichte das Label seine junge Zielgruppe – vor allem Schüler und Studierende – direkt auf Instagram, „weil wir die Kunden da ansprechen, wo sie auch wirklich unterwegs sind“, wie Theobald es formulierte. Der Direktvertrieb über den eigenen Onlineshop hielt die Kontrolle über Marke, Preise und Kundendaten komplett im eigenen Haus.

Die wichtigsten Marketing-Meilensteine im Überblick:

  • Frühe Kooperationen mit Influencerinnen wie Carmen Kroll (bekannt als „Carmushka“, rund eine Million Follower) und Ana Johnson (rund 1,2 Millionen Follower)
  • 2021: gemeinsame Kollektion mit Model Lena Gercke
  • Ab 2021: zusätzlich klassische Plakatwerbung – weg vom Handy, zurück in die echte Welt
  • Heute: über eine Million Follower auf Instagram (Unternehmensangabe)

Später kamen eigene Stores und ein Netz aus über 300 Handelspartnern hinzu; Instagram ist heute nur noch ein Kanal von vielen.

Vom Uhren-Start-up zum Vollsortiment

Das Sortiment wuchs schrittweise mit der Zielgruppe. Den Anfang machten Armbanduhren, dann kamen Rucksäcke und Sonnenbrillen dazu. Nach dem Einstieg von Ardian 2021 erweiterte das Unternehmen das Angebot um weitere Accessoires, Reisegepäck und Jacken. Heute führt der Shop Taschen, Rucksäcke, Sonnenbrillen, Jacken und Reisegepäck für Damen, Herren und Kinder.

Die wichtigsten Meilensteine der Markenentwicklung als Zeitstrahl:

  • 2014: Gründung in Münster – die erste Taucheruhr ist nach sieben Tagen ausverkauft
  • 2018: Umzug des Firmensitzes nach Köln
  • 2021: Minderheitsbeteiligung durch Ardian Growth, danach Ausbau des Sortiments über Uhren, Rucksäcke und Sonnenbrillen hinaus
  • Heute: Vollsortiment von Taschen über Reisegepäck bis Jacken, erhältlich in über 50 Ländern (Unternehmensangaben)
Infografik: Sortiments- und Marken-Timeline von Kapten & Son – 2014 Gründung in Münster, 2018 Umzug des Firmensitzes nach Köln, 2021 Minderheitsbeteiligung durch Ardian Growth mit anschließender Sortimentserweiterung, heute Vollsortiment von Taschen über Reisegepäck bis Jacken

Die Logik dahinter: Wer einmal einen Rucksack der Marke kauft, soll später auch Koffer, Brille oder Jacke dazukaufen. Aus dem Uhren-Start-up wurde eine Lifestyle-Marke mit Vollsortiment.

Wachstum ohne klassisches VC-Funding: die Rolle von Ardian Growth

Was Kapten & Son von vielen schnell wachsenden Start-ups unterscheidet, ist der Finanzierungsweg. Sechs Jahre lang finanzierte sich das Unternehmen vollständig aus eigenen Umsätzen – ohne Venture Capital. Erst im März 2021 holten die Gründer erstmals einen Investor an Bord: Die französische Investmentgesellschaft Ardian Growth stieg als Minderheitseigner ein, wie Startbase damals berichtete. Eine Investitionssumme wurde nicht bekannt.

Einzustufen ist das als Wachstumskapital, nicht als klassisches Frühphasen-Investment: Ardian Growth investiert in bereits etablierte Firmen – für die Gesellschaft war es das erste Engagement in einem deutschen Unternehmen. Mit dem Geld wollte Kapten & Son in weitere europäische Länder expandieren, allen voran Frankreich, und neue Produkte entwickeln. Zuvor habe es durchaus andere Interessenten gegeben, erklärte Weissbeck; Ardian sei der Partner mit der passenden langfristigen Perspektive gewesen.

Zur Geschichte gehört auch Kritik: Mit der Bekanntheit kam der Vorwurf, Kapten & Son sehe der 2009 gegründeten Schmuckmarke Paul Hewitt allzu ähnlich. Der damalige Geschäftsführer Alexander Glörfeld wies das 2022 zurück: Paul Hewitt habe Logo und Marketingstrategie erst angepasst, als es Kapten & Son bereits gab.

Learnings für bootstrapped D2C-Marken

Was kannst du als Gründer aus diesem Weg mitnehmen? Vier Muster lassen sich ableiten:

  • Zielgruppe dort abholen, wo sie ist: Statt teurer Streuwerbung setzte das Label früh auf wenige, passgenaue Influencer und erreichte so eine klar definierte junge Käuferschicht.
  • Kapital erst holen, wenn die Verhandlungsposition stimmt: Nach sechs Jahren profitablen Wachstums konnten die Gründer auswählen, welcher Investor passt – und gaben nur eine Minderheitsbeteiligung ab.
  • Sortiment entlang der bestehenden Kunden erweitern: Von der Uhr über Rucksäcke bis zum Reisegepäck blieb die Zielgruppe dieselbe; jede Kategorie baute auf der vorherigen auf.
  • Standort strategisch wählen: Der Umzug nach Köln folgte der Verfügbarkeit von Fachkräften, nicht der Gründungsromantik.

Entscheidend war die Reihenfolge: erst organisches Wachstum und eine starke Marke, dann Kapital für die Skalierung – ein Muster, das auch die Snocks-Story von Johannes Kliesch eindrucksvoll zeigt.

Kapten & Son heute

Heute ist Kapten & Son eine internationale Fashion- und Lifestyle-Marke mit Sitz in Köln. Nach Unternehmensangaben beschäftigt die Firma über 200 Mitarbeiter, betreibt – je nach Angabenstand – zwischen 12 und 17 Stores und Outlets in Städten wie Berlin, Amsterdam, London oder Roermond und arbeitet mit über 300 Handelspartnern. Erhältlich sind die Produkte in mehr als 50 Ländern – im eigenen Onlineshop, in den Filialen und im Handel. Die Marke selbst beschreibt ihren Anspruch dabei als „Experience“ statt als reines Produktgeschäft. Ob ihr der Spagat zwischen Lifestyle-Anspruch und zunehmendem Wettbewerb dauerhaft gelingt, wird die nächste Wachstumsphase zeigen.

FAQ: Die häufigsten Fragen zu Kapten & Son

Wer steckt hinter Kapten & Son?

Gegründet wurde das Unternehmen 2014 von Johannes Theobald, Fabian Deventer und Artjem Weissbeck, damals Studenten in Münster. Seit März 2021 ist zudem die französische Investmentgesellschaft Ardian Growth als Minderheitseigner beteiligt.

Wie hoch ist der Umsatz von Kapten & Son?

Die letzte öffentlich belastbare Zahl stammt aus 2021: über 50 Millionen Euro bei einem Plus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr – Unternehmensangaben, berichtet von der Süddeutschen Zeitung (2022). Aktuellere verlässliche Zahlen liegen nicht vor.

Hat Kapten & Son Investoren?

Ja, aber erst spät: Sechs Jahre finanzierte sich das Start-up komplett selbst. Im März 2021 stieg Ardian Growth als erster bekannter Investor mit einer Minderheitsbeteiligung ein; die Investitionssumme ist nicht öffentlich.

Was verkauft Kapten & Son?

Das Sortiment umfasst Rucksäcke, Taschen, Sonnenbrillen, Uhren, Jacken, Reisegepäck und weitere Fashion-Accessoires – verkauft über den eigenen Onlineshop, eigene Stores und über 300 Handelspartner.

Wo produziert Kapten & Son?

Nach eigenen Angaben auf der Unternehmenswebsite in Shenzhen, China. Eine unabhängige Bestätigung gibt es dafür bislang nicht – die Angabe stammt allein vom Unternehmen.

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