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erlich textil: Aufstieg, Calida-Krise und Comeback des Kölner Wäsche-Labels

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Startseite der offiziellen Website von erlich textil mit Produktkategorien für nachhaltige Unterwäsche

erlich textil gehört zu den bekanntesten deutschen Marken für nachhaltige Unterwäsche – und die Firmengeschichte liest sich wie eine Achterbahnfahrt: 2016 in Köln gegründet, 2021 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet, 2022 mehrheitlich an den Schweizer Wäschekonzern Calida verkauft und 2023 von Gründerin Sarah Grohé zurückgekauft. Dieses Porträt ordnet Aufstieg, Krise und Comeback der Direct-to-Consumer-Marke ein – mit belegten Zahlen, einer Timeline und konkreten Learnings für dein eigenes D2C-Business.

erlich textil im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zur Marke im Überblick:

Firmenname & Sitzerlich textil, Marke der Vorfreude GmbH, Köln
Gründungsjahr2016 (Quelle: Calida-Medienmitteilung vom 4. Februar 2022)
GründerSarah Grohé und Benjamin Sadler
Branche & GeschäftsmodellReiner Online-Händler (D2C) für nachhaltige Unterwäsche, Homewear und Heimtextilien
Umsatzca. 7 Mio. Euro (2021, laut Calida-Ad-hoc-Mitteilung vom 4. Februar 2022)
Mitarbeiterzahl21 (2021, Quelle: Calida); 8 nach dem Management-Buy-Out (Ende 2023, laut DUP-Magazin); aktuell ca. 9 (laut LinkedIn-Unternehmensprofil)
EigentümerSeit November 2023 wieder Gründerin Sarah Grohé gemeinsam mit dem Management-Team (Management-Buy-Out; Quelle: FashionNetwork, 29. November 2023)

Hinter diesen Eckdaten steckt eine Gründerin, die ihre eigene Marke erst an einen Konzern verkaufte und sie zwei Jahre später zurückholte.

Infografik: erlich textil im Überblick – Steckbrief und Meilensteine der Kölner Marke für nachhaltige Unterwäsche

Wer steckt hinter erlich textil?

Treibende Kraft der Marke ist Sarah Grohé. Die Modedesignerin studierte in Trier und sammelte anschließend jahrelange Erfahrung in E-Commerce, Multichannel-Handel, Produktentwicklung und Einkauf. 2013 gründete sie das nachhaltige Label UNEINS OY, 2016 folgte die Vorfreude GmbH mit der Marke erlich textil, die Grohé zu einer Pioniermarke für nachhaltige Unterwäsche und Heimtextilien entwickelte (Quelle: DUP UNTERNEHMER-Magazin, Januar 2026).

Mitgründer Benjamin Sadler begleitete das Unternehmen von Anfang an, schied jedoch zum 31. Januar 2023 aus der Geschäftsführung aus und kehrte auch beim späteren Rückkauf nicht zurück (Quelle: FashionNetwork, November 2023). Grohé dagegen blieb nach dem Verkauf der Mehrheitsanteile an die Calida Group im Jahr 2022 zunächst als Managing Director an Bord – und übernahm das Unternehmen 2023 vollständig zurück.

Die Gründungsgeschichte in Köln

Gegründet wurde erlich textil 2016 in Köln. Die Idee: Unterwäsche, Homewear und Heimtextilien aus Stoffen aus biologischem Anbau und aus nachwachsenden Rohstoffen, gefertigt unter fairen Bedingungen – als nachhaltige Alternative auf dem Unterwäschemarkt (Quelle: Calida-Medienmitteilung, Februar 2022). Der Name war dabei Programm: Die Marke legte von Beginn an Wert auf Transparenz über Materialien und Produktionsbedingungen.

Den inhaltlichen Kern beschreibt Grohé im Interview mit dem DUP-Magazin mit einem Satz, der über alle Veränderungen der folgenden Jahre hinweg Bestand hatte: „Tu Gutes und lass möglichst viele Menschen daran teilhaben." Das Geschäftsmodell wurde im Lauf der Zeit weiterentwickelt, dieser Kern sei geblieben, so die Gründerin.

Nachhaltiges D2C-Geschäftsmodell

erlich textil ist ein reiner Online-Händler (Direct to Consumer): Der Verkauf läuft direkt über den eigenen Onlineshop an die Endkunden, ohne stationären Zwischenhandel. Ergänzend sind die Produkte über ausgewählte Online-Händler und Marktplätze erhältlich. Laut Calida-Medienmitteilung von 2022 zeichnete sich das Unternehmen früh durch kontinuierliches Wachstum und eine skalierbare digitale Infrastruktur aus.

Das Sortiment umfasst Unterwäsche für Frauen und Männer, Homewear, Bettwäsche und Socken. Bei den Materialien setzt die Marke nach eigenen Angaben auf Bio-Baumwolle (kbA), TENCEL Modal und Lyocell sowie Spitze aus teilweise abbaubarem Polyamid; die Produkte sind Oeko-Tex-100-zertifiziert (Quelle: LinkedIn-Unternehmensprofil und Marken-Website). Gefertigt wird in Portugal, Ungarn und der Türkei. Die Designs sind bewusst zeitlos gehalten, statt kurzlebigen Trends zu folgen.

Für Gründer ist das Modell aus zwei Gründen interessant: Eine D2C-Marke skaliert über den eigenen Shop und lässt sich – ähnlich wie beim Bootstrapping ohne Fremdkapital – zunächst ohne klassischen Vertriebsapparat und ohne große Fremdkapital-Spritzen aufbauen. Gleichzeitig hängt die Wirtschaftlichkeit stark an Kennzahlen wie Warenkorb, Retourenquote und Break-Even-Point.

Wachstum und Reichweite

Die bislang letzte öffentlich belegte Umsatzzahl stammt aus der Ad-hoc-Mitteilung der Calida Group vom 4. Februar 2022: Demnach erwirtschaftete erlich textil 2021 rund 7 Millionen Euro Umsatz bei 21 Mitarbeitenden. Im selben Jahr gewann die Kölner Firma den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design (DNP) – ein Beleg dafür, dass die Marke auch außerhalb der eigenen Kundschaft Anerkennung fand. Wie weit eine deutsche Wäsche-D2C-Marke skalieren kann, zeigt zum Vergleich die Umsatz-Story von Snocks-Gründer Johannes Kliesch.

Auf ihrer Website wirbt die Marke aktuell mit „über 100.000 zufriedene Kunden" sowie mit einer Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025. Beide Angaben sind Eigenangaben des Unternehmens (Stand: Website-Abruf zur Recherche); sie lassen sich nicht unabhängig verifizieren, sprechen aber dafür, dass die Marke nach den Turbulenzen wieder sichtbar kommuniziert.

Wirtschaftliche Turbulenzen und Comeback

Die Krise von erlich textil war keine Insolvenz und kein Skandal, sondern eine Konzern-Restrukturierung in einem schwierigen Marktumfeld – mit echten wirtschaftlichen Folgen für Team und Marke. Der Verlauf in Stichpunkten:

  • 2016: Gründung in Köln durch Sarah Grohé und Benjamin Sadler
  • 2021: ca. 7 Mio. Euro Umsatz; Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Design
  • Februar 2022: Die Calida Group übernimmt 90 Prozent der Vorfreude GmbH als ersten Schritt ihrer Strategie „Accelerate 2026"
  • Ende 2022: Erster größerer Personalabbau
  • Januar 2023: Mitgründer Benjamin Sadler scheidet aus der Geschäftsführung aus
  • Juni 2023: Die Calida Group beschließt, den Geschäftsbereich erlich textil aufzugeben
  • Oktober/November 2023: Management-Buy-Out – Grohé kauft die Vorfreude GmbH gemeinsam mit dem Führungsteam zurück
  • 2024: Stabilisierung – laut Grohé lag das Jahr „voll im Plan"

Als die Ausstiegsentscheidung des Konzerns im Sommer 2023 öffentlich wurde, kündigte Grohé früh Gegenwehr an: „Erlich Textil bleibt bestehen, das ist mein und unser fester Plan", sagte sie im Juli 2023 (zitiert nach FashionNetwork). Ende Oktober beziehungsweise November 2023 stimmte der Aufsichtsrat der Calida Holding dem Management-Buy-Out zu; die Marke blieb unter Grohés Führung eigenständig am Markt.

Über die Ursachen spricht die Gründerin ungewöhnlich offen:

„Die herausfordernde Marktsituation hat uns, genauso wie viele andere nachhaltige D2C Brands, gehörig durchgeschüttelt und wir haben schmerzliche Monate mit Einsparungen und Entlassungen hinter uns." – Sarah Grohé (FashionNetwork, 29. November 2023)

Die härteste Entscheidung betraf das Team. Um den Neustart finanzieren zu können, wurde die Belegschaft noch einmal drastisch verkleinert:

„Um den Neustart finanziell möglich zu machen, mussten wir das Team von über 20 auf acht Personen reduzieren. Das war extrem schmerzhaft – insbesondere, weil wir Ende 2022 bereits einen großen Personalabbau hinter uns hatten." – Sarah Grohé im DUP UNTERNEHMER-Magazin (Januar 2026)

Die Restrukturierung zeigte Wirkung: Nach dem Gesamtjahr 2024 lag das Unternehmen nach Aussage der Gründerin „voll im Plan" – aus ihrer Sicht die Belohnung für zwei fordernde Jahre.

Learnings für D2C-Gründer

Die Geschichte von erlich textil liefert ungewöhnlich konkrete Lehren für alle, die selbst eine Marke aufbauen oder durch eine Krise führen müssen. Das zentrale Prinzip der Gründerin lautet „Mut zur Reduktion":

„Beim Produkt bedeutet ‚Mut zur Reduktion', zeitlose Designs zu schaffen, die nicht von kurzfristigen Trends abhängen und länger relevant bleiben. Unternehmerisch heißt das für uns: weniger Meetings, mehr Fokus." – Sarah Grohé im DUP UNTERNEHMER-Magazin (Januar 2026)

Daraus und aus dem weiteren Verlauf lassen sich fünf Learnings ableiten:

  • Reduktion als Strategie: Ein kleineres Sortiment und ein schlankes Team erhöhen die Konzentration auf das Kernprodukt – weniger Hände bedeuten nach Grohés Erfahrung nicht weniger Wirkung.
  • Das Team ist der entscheidende Faktor: Den Ausschlag für den Rückkauf gab das Management-Team. „Der Satz ‚Wenn, dann mit Ihnen' war für mich das klare Signal. Ohne dieses Team hätte ich aufgehört", sagt Grohé.
  • Keine Rabattschlachten: „Dauerhafte Rabattschlachten entwerten Kleidung und das Bewusstsein für Qualität" – die Marke setzt auf Wertigkeit statt auf Dauerrabatte.
  • Abstand gewinnen: In der akuten Krise half es der Gründerin, „regelmäßig rauszuzoomen" und sich bewusst zu machen: „Es geht nicht um Leben und Tod." Mit Abstand ließen sich Entscheidungen sachlicher treffen.
  • Profitabilität vor Wachstum um jeden Preis: Nach dem Buy-Out gilt der Fokus voll und ganz der Marke und einem tragfähigen Dreijahresplan – ein Kurs, bei dem Kennzahlen wie der Break-Even wichtiger werden als reine Reichweite.

Bemerkenswert ist auch die strategische Pointe: Eine Exit-Strategie für Gründer muss nicht das Ende der eigenen Marke bedeuten. Der Verkauf an Calida erwies sich für erlich textil als Zwischenschritt – und der Rückkauf zeigt, dass Gründer ihr Unternehmen unter veränderten Bedingungen durchaus zurückholen können.

erlich textil heute

Nach dem Buy-Out ist die Marke personell neu aufgestellt. Neben Gründerin und Geschäftsführerin Sarah Grohé gehören dem Führungsteam an: CFO Markus Dembski (zuvor Head of Business Controlling bei Birkenstock), COO Kristof Kruse (zuvor 15 Jahre bei Armedangels), CMO Philipp Schatz (zuvor unter anderem Global Director Digital Marketing bei Adidas) und CPO Franziska Schüller, langjährige Produktverantwortliche der Marke (Quelle: FashionNetwork, November 2023). Alle Führungskräfte sind auch Gesellschafter der Vorfreude GmbH.

Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund neun Mitarbeitende (Quelle: LinkedIn-Unternehmensprofil, Stand der Recherche). Strategisch konzentriert sich das kleine Team laut Grohé auf die Marke, die Grundwerte und das Kernsortiment – und darauf, die Zukunft von erlich textil profitabel abzusichern.

FAQ zu erlich textil

Wem gehört erlich textil?

Seit dem Management-Buy-Out im Herbst 2023 gehört die Vorfreude GmbH – die Kölner Markenrechtsinhaberin von erlich textil – wieder Gründerin Sarah Grohé gemeinsam mit ihrem Management-Team. Zwischen Februar 2022 und 2023 hielt die Schweizer Calida Group 90 Prozent der Anteile (Quellen: Calida-Medienmitteilung 2022; FashionNetwork 2023).

Ist erlich textil insolvent?

Nein. Eine Insolvenz gab es zu keinem Zeitpunkt. Die Calida Group beschloss im Juni 2023 aus strategischen Gründen, den Geschäftsbereich aufzugeben; Gründerin Sarah Grohé kaufte die Marke im Herbst 2023 per Management-Buy-Out zurück. Die Krise war wirtschaftlicher Natur – ein schwieriges Marktumfeld für nachhaltige D2C-Marken – und kein rechtliches Verfahren.

Wo wird erlich textil produziert?

Nach Unternehmensangaben wird in Europa und der Türkei gefertigt, konkret in Portugal, Ungarn und der Türkei (Quellen: LinkedIn-Unternehmensprofil; Marken-Website).

Wie hoch ist der Umsatz von erlich textil?

Die letzte öffentlich belegte Zahl stammt aus der Ad-hoc-Mitteilung der Calida Group vom 4. Februar 2022: 2021 erwirtschaftete das Unternehmen rund 7 Millionen Euro bei 21 Mitarbeitenden. Neuere Umsatzzahlen werden nicht veröffentlicht; jede aktuellere Angabe wäre daher reine Spekulation.

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