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Finanzierung

Crowdinvesting: So funktioniert die Beteiligung an Startups und Unternehmen

Pitchdeck Magazin Redaktion·
A smartphone showing an investment app with green growth indicators, surrounded by credit cards, US dollars, and a passport.
Bild von DΛVΞ GΛRCIΛ auf Pexels

Crowdinvesting ist eine renditeorientierte Form der Schwarmfinanzierung, bei der sich viele Anleger mit kleinen Beträgen an einem Unternehmen oder Projekt beteiligen. Statt klassischer Bankkredite sammelt ein Startup oder Mittelständler das Kapital über eine Online-Plattform direkt bei der Crowd ein – und die Anleger erhalten dafür eine finanzielle Gegenleistung, meist in Form von Zinsen auf ein Nachrangdarlehen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie das Modell funktioniert, wie es sich vom klassischen Crowdfunding unterscheidet, welche Chancen und Risiken auf beiden Seiten bestehen und worauf du bei der Auswahl einer Plattform achten solltest.

Crowdinvesting in Kürze: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Definition: Crowdinvesting ist eine Unterform des Crowdfundings mit klarem Renditefokus – die Crowd wird finanziell am Erfolg des Unternehmens beteiligt.
  • Beteiligungsform: Die Anlage läuft meist über ein Nachrangdarlehen. Im Insolvenzfall werden Crowdinvestoren erst nach allen anderen Gläubigern bedient.
  • Einstieg: Bereits ab kleinen Beträgen möglich, je nach Plattform oft im niedrigen zwei- bis dreistelligen Bereich – bei vollem Totalverlustrisiko.
  • Für Unternehmen: Kapital ohne Bank, dazu Marketing- und Community-Effekte durch die Unterstützer.
  • Plattformwahl: Entscheidend sind Transparenz, regulatorische Pflichtinformationen und die Qualität der Projektauswahl – nicht die beworbene Rendite.

Was ist Crowdinvesting? Definition und Einordnung

Crowdinvesting bezeichnet eine Finanzierungsform, bei der zahlreiche Privatpersonen – die sogenannte Crowd – gemeinsam Kapital für ein Unternehmen oder ein konkretes Projekt bereitstellen. Anders als beim klassischen Crowdfunding geht es dabei nicht um ein Dankeschön oder ein Produkt, sondern um eine finanzielle Rendite. Der Begriff „Crowdinvestment“ ist eine deutsche Wortschöpfung; international ist meist von „equity-based Crowdfunding“ die Rede, auch wenn die Beteiligung in Deutschland in der Praxis häufig nicht über echte Eigenkapitalanteile, sondern über darlehensähnliche Konstruktionen abgewickelt wird.

Eingesetzt wird Crowdinvesting branchenübergreifend: Startups nutzen es genauso wie etablierte mittelständische Unternehmen, Projekte im Bereich erneuerbarer Energien oder Immobilienvorhaben. Der Fokus dieses Artikels liegt auf dem Startup- und Unternehmens-Crowdinvesting; das Immobilien-Crowdinvesting ordnen wir weiter unten kurz ein. Grundsätzlich gilt: Überall dort, wo ein renditeorientiertes Investment in ein klar umrissenes Vorhaben möglich ist, kann Crowdinvesting als ergänzendes Finanzierungsinstrument funktionieren – ergänzend deshalb, weil es Bankkredite, Business Angels oder Venture Capital in der Regel nicht ersetzt, sondern mit ihnen kombiniert wird.

Für dich als Leser des Pitch Deck Magazins ist das Thema aus zwei Richtungen relevant: Als Gründer kann Crowdinvesting ein Baustein deiner Finanzierungsstrategie sein, als investmentinteressierte Person eine Möglichkeit, dich schon mit kleinen Summen an jungen Unternehmen zu beteiligen. Beide Perspektiven betrachten wir in diesem Artikel getrennt – sachlich und ohne Anlageempfehlung, denn wir sind ein Magazin, kein Berater.

Crowdinvesting vs. Crowdfunding: Der Unterschied auf einen Blick

Die beiden Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, meinen aber Unterschiedliches. Crowdfunding ist der Oberbegriff für jede Form der Schwarmfinanzierung: Viele Menschen geben kleine Beträge, damit ein Projekt realisiert wird. Je nach Ausprägung spricht man von reward-based Crowdfunding (Sach- oder Produktprämien als Gegenleistung), donation-based Crowdfunding (Spenden ohne materielle Gegenleistung), von Lending-Modellen (Crowdlending an Privatpersonen oder Firmen) – und eben vom Crowdinvesting.

Crowdinvesting ist also die renditeorientierte Variante innerhalb der Crowdfunding-Familie. Der entscheidende Unterschied liegt in Gegenleistung und Ziel: Beim klassischen Crowdfunding unterstützt du eine Idee und erhältst dafür etwa ein Produkt vor Marktstart, ein Dankeschön oder schlicht das gute Gefühl, geholfen zu haben. Beim Crowdinvesting stellst du Kapital mit der Erwartung einer Verzinsung oder Gewinnbeteiligung bereit – und trägst dafür ein echtes Anlagerisiko. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

KriteriumCrowdinvestingCrowdfunding
ZielRendite durch finanzielle Beteiligung am UnternehmenserfolgUmsetzung eines konkreten Projekts oder Produkts
GegenleistungZinsen, Gewinn- oder ErfolgsbeteiligungDankeschön, Produkt, Vorab-Kauf oder gar keine
Typischer CharakterKapitalanlage mit AnlagerisikoUnterstützung oder Vorbestellung
Typische BeträgeMindestanlagen je nach Plattform, oft im zwei- bis dreistelligen BereichHäufig schon ab wenigen Euro
ZeithorizontMeist mehrere Jahre, bei Startups oft fünf bis acht JahreKampagnendauer von wenigen Wochen, danach abgeschlossen
RisikoBis zum Totalverlust des eingesetzten KapitalsAusfall oder Verzögerung der Gegenleistung
RegulierungReguliertes Anlageprodukt (z. B. Vermögensanlagengesetz)Kein Anlageprodukt, keine Anlageregulierung

Kurz gesagt: Wer beim Crowdfunding gibt, unterstützt – wer beim Crowdinvesting gibt, investiert. Diese Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei, denn sie bestimmt, welche Rechte du hast, welche Risiken du trägst und welche Informationspflichten für die Gegenseite gelten.

So funktioniert Crowdinvesting über das Nachrangdarlehen

In Deutschland wird die Beteiligung der Crowd in den meisten Fällen über ein sogenanntes Nachrangdarlehen geregelt. Dabei handelt es sich um eine Form von Mezzanine-Kapital, also eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital – im Unterschied zum Wandeldarlehen ist dabei jedoch keine spätere Umwandlung in Unternehmensanteile vorgesehen. Du leihst dem Unternehmen Geld, verzichtest aber im Rang auf eine vorrangige Behandlung: Kommt es zur Insolvenz, werden zuerst Banken und andere vorrangige Gläubiger bedient. Die Crowdinvestoren stehen am Ende der Gläubigerschlange – bleibt nichts mehr übrig, gehen sie leer aus. Genau diese Nachrangigkeit ist der zentrale Risikopunkt des Modells.

Der praktische Ablauf folgt dabei fast immer demselben Muster:

  • Kampagne: Ein Unternehmen stellt sein Vorhaben auf einer Crowdinvesting-Plattform vor – mit Finanzierungsziel, Zinssatz, Laufzeit und Geschäftsmodell.
  • Zeichnung: Anleger wählen einen Betrag innerhalb der Mindest- und Höchstgrenzen und schließen den Darlehensvertrag digital ab.
  • Auszahlung: Erreicht die Kampagne ihr Finanzierungsziel, fließt das gesammelte Kapital an das Unternehmen.
  • Laufzeit: Das Unternehmen arbeitet mit dem Geld und informiert die Anleger regelmäßig – bei größeren Plattformen sind Updates etwa alle drei Monate üblich.
  • Rückzahlung: Am Ende der Laufzeit zahlt das Unternehmen das Darlehen samt Zinsen zurück – sofern es wirtschaftlich erfolgreich war.

Die Laufzeiten variieren je nach Branche: Bei Startup-Beteiligungen sind meist fünf bis acht Jahre üblich, im Immobilienbereich eher zwei bis drei Jahre. Wichtig zu wissen: Eine Kündigungsmöglichkeit während der Laufzeit ist in der Regel nicht vorgesehen, und ein etablierter Sekundärmarkt, auf dem du deine Beteiligung vorzeitig verkaufen könntest, existiert praktisch nicht. Das investierte Geld ist also für die gesamte Laufzeit gebunden.

Illustratives Rechenbeispiel (kein reales Angebot): Angenommen, du vergibst ein Nachrangdarlehen über 10.000 Euro zu einem Zinssatz von 7 Prozent pro Jahr mit einer Laufzeit von 12 Monaten und endfälliger Tilgung. Verläuft das Projekt planmäßig, erhältst du am Ende 10.700 Euro zurück – deinen Einsatz plus 700 Euro Zinsen. Das Beispiel zeigt den grundsätzlichen Geldfluss; es sagt nichts über die Eintrittswahrscheinlichkeit des planmäßigen Verlaufs aus. Läuft das Projekt dagegen schief und das Unternehmen rutscht in die Insolvenz, kann die Rückzahlung komplett ausfallen.

Infografik: So funktioniert Crowdinvesting über das Nachrangdarlehen – Geldfluss: Anleger zahlen über die Crowdinvesting-Plattform an das Unternehmen; bei planmäßigem Verlauf fließt die Rückzahlung samt Zinsen zurück an die Anleger. Rechenbeispiel: 10.000 Euro Nachrangdarlehen zu 7 Prozent pro Jahr, 12 Monate Laufzeit, endfällige Tilgung – Rückzahlung: 10.700 Euro.

Dieses Wechselspiel aus vergleichsweise hohem Zinsversprechen und hohem Risiko ist kein Zufall: Der Zins bildet gerade das Ausfallrisiko und die Nachrangigkeit ab. Ein Zinssatz im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich spiegelt wider, dass ein Teil der Projekte scheitern wird.

Chancen und Risiken für Kapitalsuchende: Was Unternehmen erwarten können

Aus Gründersicht ist Crowdinvesting zunächst ein Weg zu bankunabhängigem Kapital. Gerade junge Unternehmen ohne lange Erfolgshistorie oder klassische Sicherheiten bekommen bei Banken oft keinen Kredit – und nicht jede Firma passt ins Beuteschema von Venture-Capital-Fonds. Die Crowd schließt diese Lücke: Sie finanziert Geschäftsmodelle, von denen sie selbst überzeugt ist.

Über das Geld hinaus entstehen drei Effekte, die für Unternehmen wertvoll sein können:

  • Community und Markenbotschafter: Wer in dein Unternehmen investiert hat, hat ein Eigeninteresse an deinem Erfolg. Viele Unterstützer werden zu Multiplikatoren, die dein Produkt weiterempfehlen.
  • Feedback aus der Praxis: Eine heterogene Crowd bringt viele Perspektiven mit. Die Rückmeldungen während der Kampagne und der Laufzeit können wertvolle Hinweise auf Produkt- und Strategiefragen liefern.
  • Kundenbindung: Eine erfolgreiche Kampagne bindet bestehende Kunden enger ans Unternehmen und kann neue Kundengruppen erschließen – Crowdinvesting wirkt damit auch als Marketing- und Vertriebsinstrument.

Dem stehen spürbare Aufwände gegenüber. Eine Kampagne ist kein Selbstläufer, sondern ein arbeitsintensiver Prozess: Du musst Geschäftsmodell und Finanzplanung plattformtauglich aufbereiten, die geforderten Pflichtdokumente liefern und während der gesamten Laufzeit regelmäßig berichten – bei etablierten Plattformen oft quartalsweise. Hinzu kommt die Öffentlichkeit: Wer sich der Crowd stellt, legt seine Idee und seine Kennzahlen offen und tritt in einen dauerhaften Dialog mit den Anlegern. Scheitert das Vorhaben, ist auch der Reputationsschaden öffentlich. Und nicht zuletzt kostet die Finanzierung Zinsen, die über denen eines Bankkredits liegen können – die Gegenleistung für fehlende Sicherheiten und die Flexibilität der Schwarmfinanzierung.

Chancen und Risiken für Anleger: Rendite gegen Totalverlust

Für Anleger liegt der Reiz auf der Hand: Du kannst schon mit kleinen Beträgen am wirtschaftlichen Erfolg junger Unternehmen teilhaben – eine Anlageform, die lange institutionellen Investoren und vermögenden Business Angels vorbehalten war. Die ausgeschriebenen Zinssätze liegen deutlich über klassischen Sparzinsen, und viele Anleger schätzen zusätzlich die Identifikation mit dem Projekt sowie den direkten Austausch mit den Gründern.

Diesen Chancen stehen Risiken gegenüber, die du klar kennen solltest, bevor du auch nur einen Euro investierst:

  • Totalverlustrisiko: Scheitert das Unternehmen, kann dein gesamtes Investment weg sein. Gerade bei Startups ist die Ausfallquote naturgemäß hoch.
  • Nachrangigkeit: Im Insolvenzfall wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient – in der Praxis heißt das meist: gar nicht.
  • Kein Einlagenschutz: Crowdinvestments unterliegen keiner Einlagensicherung. Es gibt kein Auffangnetz, wie du es von Bankguthaben kennst.
  • Keine vorzeitige Verfügbarkeit: Eine Kündigung während der Laufzeit ist in der Regel ausgeschlossen, ein liquider Sekundärmarkt existiert nicht. Dein Geld ist gebunden, bis das Darlehen endet – oder ausfällt.
  • Intransparenz-Restrisiko: Du bewertest junge Unternehmen auf Basis der von der Plattform aufbereiteten Informationen. Eine vollständige Risikoprüfung wie bei börsennotierten Wertpapieren ist damit kaum möglich.

Finanzexperten empfehlen deshalb übereinstimmend ein paar Grundsätze, die wir als Einordnung weitergeben – nicht als Anlageberatung: Investiere nur in Projekte, deren Geschäftsmodell und Bedingungen du verstehst. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Streue dein Engagement auf mehrere Projekte, statt alles auf eine Karte zu setzen, und halte den Anteil solcher Anlagen an deinem Gesamtvermögen klein. Und folge nicht blind der Crowd – ein schnell gefülltes Finanzierungsziel sagt nichts über die Qualität des Geschäftsmodells aus.

Steuerlich einzuordnen ist die Rendite außerdem: Erträge aus Nachrangdarlehen und stillen Beteiligungen gelten in Deutschland in der Regel als Kapitaleinkünfte und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Von einer beworbenen Bruttorendite bleibt dir netto also deutlich weniger – und ein Totalverlust in einem Projekt lässt sich steuerlich nicht beliebig mit Gewinnen aus anderen Anlagen verrechnen. Für deine individuelle Situation lohnt der Blick zum Steuerberater, da sich Details und Rechtsstand ändern können.

Crowdinvesting-Plattformen: Kriterien für die Auswahl

Die Vermittlung zwischen Unternehmen und Crowd übernehmen spezialisierte Online-Plattformen. In Deutschland sind inzwischen zahlreiche Anbieter aktiv – mit unterschiedlichen Branchenfokussen, Mindestbeträgen und Qualitätsstandards. Wir empfehlen ausdrücklich keine einzelne Plattform; stattdessen bekommst du hier die Kriterien, mit denen du Angebote selbst einordnen kannst:

  • Regulatorischer Rahmen: Seriöse Angebote im Sinne des Vermögensanlagengesetzes erkennst du an Pflichtinformationen wie dem Vermögensanlageninformationsblatt (VIB). Es fasst die wesentlichen Fakten und Risiken des Angebots zusammen und sollte dir vor jeder Entscheidung vollständig vorliegen.
  • Vollständigkeit der Unterlagen: Neben dem VIB gehören dazu ein aktueller Jahresabschluss des Unternehmens, eine konkrete Projektplanung und eine ausführliche Risikobeschreibung. Eine Plattform, die diese Informationen nicht automatisch bereitstellt, kannst du getrost wegklicken.
  • Finanzierungsstruktur: Prüfe, wie sich das Crowd-Kapital in die Gesamtfinanzierung einfügt. Wie hoch ist der Anteil von Bankkrediten, wie hoch das echte Eigenkapital des Emittenten? Steht kaum eigenes Geld hinter dem Projekt, fehlt im Krisenfall jeder Puffer.
  • Informationspolitik: Wie oft und wie detailliert wirst du während der Laufzeit informiert? Verbindliche Update-Rhythmen – etwa quartalsweise – sind ein Qualitätsmerkmal.
  • Mindestbeträge und Gebühren: Die Einstiegssummen variieren je nach Anbieter deutlich – von kleinen zweistelligen bis zu mittleren dreistelligen Beträgen. Vergleiche zudem, ob und welche Gebühren für Anleger anfallen.
  • Branchenfokus und Track Record: Manche Plattformen konzentrieren sich auf Startups, andere auf Mittelstand, Energie oder Immobilien. Aufschlussreich ist auch, wie abgeschlossene Projekte in der Vergangenheit gelaufen sind.

Den gesetzlichen Rahmen in Deutschland bildet das Vermögensanlagengesetz (VermAnlG). Zwei Punkte daraus solltest du kennen: Anbieter müssen nach § 12 Abs. 2 VermAnlG ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Erwerb der Vermögensanlage mit erheblichen Risiken verbunden ist und zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen kann. Und für Verbraucher gelten gesetzliche Anlagegrenzen, die sich an Einkommen und Vermögen orientieren: Wer höhere Beträge investieren möchte, muss seine finanziellen Verhältnisse entsprechend nachweisen. Diese Regeln können sich ändern – prüfe im Zweifel den aktuellen Stand, etwa über die Plattform oder den Gesetzestext.

Ein letztes Kriterium betrifft die Sprache der Anbieter selbst: Bewirbt eine Plattform vor allem hohe Renditen und spricht wenig über Ausfälle, ist Vorsicht geboten. Seriöse Anbieter kommunizieren das Risiko genauso sichtbar wie die Chance – dazu sind sie ohnehin verpflichtet.

Crowdfunding: Vor- und Nachteile im Überblick

Da Crowdinvesting nur eine Spielart des Crowdfundings ist, lohnt der Blick auf das Gesamtmodell. Die Vorteile der Schwarmfinanzierung sind für Gründer beträchtlich:

  • Kapital ohne Bank: Du finanzierst dich direkt bei deiner Zielgruppe und bleibst unabhängig von Kreditentscheidungen.
  • Marktvalidierung: Eine erfolgreiche Kampagne ist ein echter Nachfragebeweis – überzeugender als jede Umfrage.
  • Reichweite und Kundenbindung: Die Kampagne selbst erzeugt Aufmerksamkeit; Unterstützer werden zu Kunden und Botschaftern.
  • Frühzeitiges Feedback: Die Crowd reagiert auf dein Angebot, bevor du große Summen in Produktion oder Marketing steckst.

Die Nachteile solltest du genauso nüchtern einplanen:

  • Hoher Aufwand: Kampagne, Kommunikation und Pflege der Unterstützer binden über Monate Ressourcen.
  • Keine Erfolgsgarantie: Viele Kampagnen verfehlen ihr Finanzierungsziel – und das öffentlich sichtbar.
  • Öffentliche Ideenpreisgabe: Wer früh wirbt, zeigt Wettbewerbern, woran er arbeitet, oft ohne rechtlichen Schutz.
  • Zeitdruck: Kampagnen laufen befristet; schwache Phasen lassen sich kaum kaschieren.
  • Folgepflichten: Nach erfolgreicher Finanzierung stehst du in der Verantwortung gegenüber deiner Crowd – bei Prämien wie bei Rückzahlungen.

Die Abwägung fällt je nach Situation unterschiedlich aus: Für ein validierbares Consumer-Produkt mit begeisterungsfähiger Zielgruppe überwiegen oft die Vorteile. Für ein B2B-Nischenprodukt ohne Community-Potenzial kann eine Kampagne dagegen mehr kosten als bringen.

Crowdfunding-Marketing: Warum die Kampagne mehr ist als Geldsammeln

Ein Punkt, den viele Gründer unterschätzen: Eine Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Kampagne ist immer auch ein Marketing-Projekt. Das beginnt vor dem Start – ohne Vorarbeit in den eigenen Kanälen, in der Presse und in bestehenden Kundennetzwerken startet kaum eine Kampagne mit dem nötigen Anfangsmomentum. Kampagnen, die in den ersten Tagen einen sichtbaren Anteil ihres Ziels erreichen, ziehen erfahrungsgemäß weitere Unterstützer an; zähe Starts wirken dagegen abschreckend.

Während der Laufzeit zahlt konsequente Kommunikation doppelt: Sie treibt die Finanzierung voran und baut eine Community auf, die dir langfristig erhalten bleibt. Die Unterstützer einer erfolgreichen Kampagne sind Menschen, die deine Idee so überzeugend fanden, dass sie dafür Geld gegeben haben – als Käufer, Testpublikum und Empfehler sind sie für dich wertvoller als jede gekaufte Reichweite. Deshalb lohnt es sich, die Kampagne nicht als Finanzierungsnotlösung, sondern als strategischen Baustein zu planen: mit klarer Story, konkreten Meilensteinen und ehrlichen Updates, auch wenn es mal schlecht läuft. Plane diesen Aufwand von Anfang an realistisch ein – mit Zeitbudget, klaren Verantwortlichkeiten im Team und gegebenenfalls einem Werbebudget für die entscheidende Phase der Kampagne.

Diese Logik setzt sich nach Kampagnenende fort. Wer seine Investoren und Unterstützer regelmäßig informiert, verwandelt ein einmaliges Finanzierungsereignis in einen dauerhaften Kommunikationskanal. Gerade für junge Marken kann dieser Effekt auf Dauer mehr wert sein als das eingesammelte Kapital selbst.

Crowdfinanzierung: Einordnung und der Sonderfall Immobilien

Der Begriff Crowdfinanzierung – häufig synonym zu Schwarmfinanzierung verwendet – fasst alle genannten Varianten zusammen: spenden- und prämienbasiertes Crowdfunding, Crowdlending und Crowdinvesting. Gemeinsam ist allen Modellen das Grundprinzip: Viele Einzelpersonen bündeln kleine Beträge über eine digitale Plattform und ermöglichen damit Vorhaben, die über klassische Finanzierungswege schwer oder gar nicht zustande kämen. Unterschiede ergeben sich in der Gegenleistung, im Risiko und in der Regulierung – vom unregulierten Dankeschön-Modell bis zum regulierten Anlageprodukt.

Innerhalb dieser Familie spielt das Immobilien-Crowdinvesting in Deutschland eine große Rolle. Dabei finanziert die Crowd Bauprojekte oder Sanierungen, meist ebenfalls über Nachrangdarlehen, allerdings typischerweise mit kürzeren Laufzeiten von etwa zwei bis drei Jahren. Das Risikoprofil unterscheidet sich vom Startup-Crowdinvesting, bleibt aber mit Totalverlustrisiko und Nachrangigkeit grundsätzlich vergleichbar. Wir ordnen das Segment hier nur kurz ein – der Fokus dieses Artikels liegt bewusst auf dem Startup- und Unternehmens-Crowdinvesting, das für die Leser des Pitch Deck Magazins am relevantesten ist.

Häufige Fragen zu Crowdinvesting

Was ist der Unterschied zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding?

Crowdfunding ist der Oberbegriff für Schwarmfinanzierungen jeder Art – von Spenden über Produkt-Vorbestellungen bis zur Kapitalanlage. Crowdinvesting ist die renditeorientierte Unterform: Du beteiligst dich finanziell an einem Unternehmen und erhältst dafür Zinsen oder eine Erfolgsbeteiligung, trägst aber auch ein echtes Anlagerisiko bis hin zum Totalverlust.

Wie funktioniert ein Nachrangdarlehen beim Crowdinvesting?

Du leihst einem Unternehmen Geld zu einem festgelegten Zinssatz und einer festen Laufzeit. „Nachrangig“ bedeutet: Im Insolvenzfall werden erst Banken und andere vorrangige Gläubiger bedient, die Crowdinvestoren zuletzt. Als Ausgleich für dieses höhere Risiko liegt der Zinssatz über dem klassischer Kredite. Eine vorzeitige Kündigung ist in der Regel nicht möglich.

Welche Risiken hat Crowdinvesting für Anleger?

Die zentralen Risiken sind der mögliche Totalverlust bei Scheitern des Unternehmens, die Nachrangigkeit im Insolvenzfall, das Fehlen jeglicher Einlagensicherung und die Bindung des Kapitals über die gesamte Laufzeit ohne funktionierenden Sekundärmarkt. Hinzu kommt, dass du die Qualität junger Unternehmen nur anhand der Plattform-Unterlagen beurteilen kannst.

Wie erkennst du eine seriöse Crowdinvesting-Plattform?

Achte auf vollständige Pflichtinformationen, insbesondere das Vermögensanlageninformationsblatt, aktuelle Jahresabschlüsse und eine ehrliche Risikobeschreibung. Seriöse Anbieter zeigen die Finanzierungsstruktur der Projekte inklusive Eigenkapitalanteil, kommunizieren Risiken so sichtbar wie Renditen und dokumentieren, wie vergangene Projekte gelaufen sind. Renditeversprechen ohne Risikohinweis sind ein Warnsignal.

Was bedeutet Crowdfinanzierung?

Crowdfinanzierung ist der Sammelbegriff für alle Formen der Schwarmfinanzierung: donation- und reward-based Crowdfunding, Crowdlending und Crowdinvesting. Allen gemeinsam ist das Prinzip, dass viele Einzelpersonen kleine Beträge über eine Online-Plattform bündeln, um ein Projekt oder Unternehmen zu finanzieren.

Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einordnung des Pitch Deck Magazins und keine Anlageberatung. Wenn du dich tiefer mit der Finanzierung deines Startups beschäftigen willst, findest du in unserem Magazin weitere Beiträge zu Finanzierungsrunden, Investorensuche und Pitch-Strategie.

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