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Erfolgsstories

Gustavo Gusto: Wie Christoph Schramm aus einer Pizzeria eine Premium-TK-Marke baute

Pitchdeck Magazin Redaktion·
Startseite der Premium-Tiefkuehlpizza-Marke Gustavo Gusto

Gustavo Gusto ist eine der bemerkenswerteren Erfolgsgeschichten der deutschen Lebensmittelbranche: Aus einer Pizzeria gegenüber der Universität Passau, die Christoph Schramm 2003 als BWL-Student eröffnete, wurde 2014 eine Marke für Premium-Tiefkühlpizza. Heute stellt das Unternehmen nach eigenen Angaben täglich rund 220.000 Pizzen her und kam 2024 nach Unternehmensangabe auf einen Umsatz von rund 140 Millionen Euro. Dieses Porträt zeigt, wie Schramm den Sprung vom Lieferservice ins TK-Regal schaffte, welche Rolle Handelslistungen und Produktionskapazitäten dabei spielten und warum das Wachstum bislang ohne bekannte externe Investoren auskommt.

Gustavo Gusto im Steckbrief

Die wichtigsten Fakten zum Unternehmen im Überblick:

Firmenname & SitzGustavo Gusto GmbH & Co. KG, Geretsried/Gartenberg (Oberbayern); bis 2018 Passau
Gründungsjahr2003 (Pizzeria); 2014 Gründung der Marke Gustavo Gusto für Tiefkühlpizza
GründerChristoph Schramm, heute CEO
Branche & GeschäftsmodellPremium-Tiefkühlpizza für den Lebensmitteleinzelhandel, dazu Gastronomie, Fachgroßhandel und Quick Commerce
Finanzierung & InvestorenKeine externen Kapitalgeber öffentlich bekannt (Stand 2025); Wachstum überwiegend aus eigenen Mitteln finanziert
Umsatzrund 140 Mio. Euro (2024, laut Unternehmensangabe)
Mitarbeiterzahlrund 550 (laut Unternehmensangabe)

Hinter diesen Kennzahlen steht eine Gründungsgeschichte, die für die Lebensmittelbranche ungewöhnlich beginnt.

Infografik: Gustavo Gusto im Steckbrief Firmenname & Sitz: Gründungsjahr | Gustavo Gusto GmbH & Co. KG, Geretsried/Gartenberg (Oberb...

Wer steckt hinter Gustavo Gusto? Gründer und Entstehung

2003 eröffnete Christoph Schramm eine Pizzeria direkt gegenüber der Universität Passau, an der er damals BWL studierte. Der Anlass war eher zufällig: Das Restaurant stand länger leer, die Abendmensa der Uni hatte geschlossen, und Schramm wollte nach eigener Darstellung ausprobieren, wie sich Selbstständigkeit anfühlt. Statt auf Standardkost setzte er auf Qualität und etablierte nach Unternehmensangaben die einzige Holzofenpizzeria der Stadt.

Für die Rezeptur reiste das Team durch Italien, sammelte Ideen und verfeinerte sie in Testessen. Das Konzept trug Früchte: In Passau kamen drei weitere Lokale und ein Lieferservice hinzu – ein Nischenmodell im Food Delivery, wie es etwa Tachibana Sushi in Düsseldorf verfolgt. Der entscheidende Schritt folgte 2014. Aus der Frage, ob sich das Geschmackserlebnis aus der Pizzeria einfrieren und zu den Kunden nach Hause bringen lässt, entstand die Marke Gustavo Gusto für Tiefkühlpizzen, wie das Unternehmen in seiner offiziellen Unternehmenschronik beschreibt. Seit 2016 führt Schramm die Gesellschaft als Geschäftsführer, heute als CEO.

Premium-Positionierung im TK-Regal

Das Markenversprechen von Gustavo Gusto lautet, eine Tiefkühlpizza zu backen, die sich von einer Restaurant-Pizza nicht unterscheiden lässt. Als handwerkliche Merkmale nennt das Unternehmen einen lange gereiften, von Hand ausgebreiteten Teig sowie den Verzicht auf künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und Palmöl. Bereits im Oktober 2016, wenige Monate nach dem Einstieg in den Handel, erhielt die Verpackung den Red Dot Design Award.

Bemerkenswert ist die Vertriebslogik: Gustavo Gusto ist parallel bei Vollsortimentern wie Rewe und Edeka sowie bei Discountern gelistet, darunter Lidl, Penny und Netto, seit September 2024 zusätzlich bei Aldi Süd. Das Unternehmen wertet diese Doppelstrategie als Beleg dafür, dass Discount und Premium einander nicht ausschließen. Für 2024 gibt das Unternehmen einen Marktanteil von 64 Prozent im Segment Premium-Tiefkühlpizza an; diese Zahl stammt aus einer Unternehmensmitteilung vom März 2025 und ist nicht durch eine unabhängige Marktforschungsstudie belegt.

Produktionsstandorte und Kapazitätsausbau

Zum Marktstart 2014 produzierte Gustavo Gusto mit 15 Mitarbeitern rund 2.000 Pizzen pro Tag und belieferte zunächst vor allem Lokale in der Region Passau. 2018 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Passau nach Geretsried südlich von München. Der neue Standort mit Maschinenpark, Kälteanlagen und Lagerhallen kostete 12 Millionen Euro und hob die Tageskapazität von 15.000 auf 75.000 Pizzen.

Weil die Nachfrage weiter stieg, folgte im Juni 2021 der Spatenstich für ein zweites Werk in Artern (Thüringen); die feierliche Eröffnung war am 26. September 2022. An beiden Standorten entstehen heute nach Unternehmensangabe täglich rund 220.000 von Hand geformte Tiefkühlpizzen, beschäftigt sind rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Standort Artern gehört zuletzt auch eine kritische Nachricht: Das Unternehmen kündigte dort rund 20 Mitarbeitern, und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte das Vorgehen, wie der MDR berichtete.

Handelslistungen als Wachstumshebel

Das Wachstum von Gustavo Gusto lässt sich an der schrittweisen Erschließung von Handelspartnern und Märkten ablesen. Die wichtigsten Stationen in chronologischer Reihenfolge:

  • Februar 2016: Einstieg bei Rewe und damit der Sprung von der regionalen Belieferung in den Lebensmitteleinzelhandel
  • 2017: Listung bei Edeka und Start der Expansion nach Österreich
  • 2020: Markteintritt Schweiz, unter anderem über Migros-Filialen
  • seit 2023: Verkauf in den Niederlanden (laut Unternehmensangabe), ab 2024 im Rollout bei Albert Heijn
  • seit 2023: zusätzlich Belieferung von Restaurants über den Fachgroßhandel
  • September 2024: Listung bei Aldi Süd, ergänzend zu Lidl, Penny und Netto
  • 2024: Quick-Commerce-Start über Gurkerl.at in Österreich
  • Ende 2024: Markteintritt Slowakei

Diese Chronologie zeigt: Jede neue Listung erweiterte zuerst die nationale Reichweite, dann die internationale Präsenz. Wenn du heute in Deutschland einkaufst, findest du die Pizzen sowohl im Vollsortiment als auch bei fast allen großen Discountern.

Finanzierung und Investoren: Wachstum ohne bekannte Kapitalgeber

Für ein Magazin, das Gründer und Investoren anspricht, ist die Finanzierungsseite dieses Falls ungewöhnlich: Öffentlich dokumentiert sind keine Venture-Capital-Runden, Wachstumsbeteiligungen oder externe Kapitalgeber bei Gustavo Gusto (Stand 2025). Das bedeutet nicht zwingend, dass es nie private Finanzierungspartner gegeben hat; Details zur Gesellschafterstruktur sind nicht öffentlich. Belegt ist dagegen die bereits erwähnte Investition von 12 Millionen Euro in den Standort Geretsried im Jahr 2018, deren Finanzierungsquelle das Unternehmen nicht spezifiziert hat. Alles Weitere deutet auf ein Wachstum aus eigenen Mitteln und reinvestierten Gewinnen hin.

Die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre stützt dieses Bild eines organischen Wachstumspfads:

JahrUmsatz (laut Unternehmensangaben)
2021rund 73 Mio. Euro
2022rund 86 Mio. Euro (plus etwa 18 Prozent)
2023rund 120 Mio. Euro
2024rund 140 Mio. Euro (plus etwa 14 Prozent)

Die Angaben beruhen auf Unternehmensmitteilungen vom März 2023 und März 2025 und damit auf Selbstauskünften. Über den Rekordumsatz in Oberbayern berichtete auch der Merkur.

Parallel zum Umsatzwachstum professionalisierte Gustavo Gusto zuletzt die Führungsebene, ohne dass dafür externe Kapitalgeber bekannt wurden: Seit Oktober 2024 verantwortet Marcus Burk als COO die operativen Bereiche, seit April 2025 steuert Benjamin Michahelles als CSO den Vertrieb. Beide kamen von etablierten Markenherstellern, Burk unter anderem von Lindt & Sprüngli, Michahelles zuletzt von Henkel. Für dich als Leser eines Startup-Magazins ist das der Kern des Falls: Skalierung und Managementausbau gelangen hier bislang ohne die klassische Finanzierungsrunde. Ob sich das Unternehmen künftig externe Partner an Bord holt, ist öffentlich nicht kommuniziert.

Gustavo Gusto heute

Geführt wird das Unternehmen 2025 von einem fünfköpfigen Managementteam: Gründer Christoph Schramm als CEO, Benjamin Krapf als CFO, Marcus Burk als COO, Benjamin Michahelles als CSO und Michael Götz als CMO. Das Sortiment umfasst nach Unternehmensangabe 16 Pizzasorten in zwei Größen, vertrieben über Handel, Gastronomie und Quick Commerce in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und der Slowakei.

Zu den kommunizierten Auszeichnungen gehören die zweimalige Ehrung als wachstumsstärkste Foodmarke Europas durch die Financial Times sowie die zweimalige Aufnahme in die Liste der innovativsten Unternehmen Deutschlands von Capital und Statista. Auch diese Angaben stammen aus Unternehmensmitteilungen und sind als Selbstauskunft einzuordnen.

Zum vollständigen Bild gehören zwei öffentlich diskutierte Kritikpunkte. 2022 warf ein Artikel der Zeit Gustavo Gusto und anderen Herstellern Greenwashing vor: Die Firmen glichen ihre CO2-Bilanz über Nachhaltigkeitsprojekte aus und warben mit Klimaneutralität, obwohl es dafür keine verbindlichen Kennzeichnungsregeln gab. Gustavo Gusto hatte sich 2019 zum ersten klimaneutralen Tiefkühlpizza-Hersteller Deutschlands erklärt. Und der Stellenabbau in Artern zeigt, dass die Expansion nicht in jedem Jahr linear verläuft. Für 2025 rechnete das Unternehmen in seiner jüngsten Bilanzmitteilung selbst mit weiterem Wachstum, allerdings in einem schwierigeren Marktumfeld, unter anderem wegen neuer Konkurrenzprodukte im Premium-Regal. In einem Interview mit der Lebensmittelpraxis sprach der Geschäftsführer zudem über Pläne für ein weiteres Werk und eine mögliche Produktion von Handelsmarken.

FAQ: Häufige Fragen zu Gustavo Gusto

Wer ist der Gründer von Gustavo Gusto?

Christoph Schramm. Er eröffnete 2003 als BWL-Student eine Pizzeria in Passau und gründete 2014 die Marke Gustavo Gusto für Tiefkühlpizza. Bis heute (Stand 2025) führt er das Unternehmen als CEO.

Wie hoch ist der Umsatz von Gustavo Gusto?

2024 lag der Umsatz nach Unternehmensangabe bei rund 140 Millionen Euro, 2023 bei rund 120 Millionen Euro. Es handelt sich um Selbstauskünfte des Unternehmens.

Wo wird Gustavo Gusto produziert?

An zwei Standorten in Deutschland: in Geretsried (Bayern, seit 2018) und in Artern (Thüringen, seit September 2022). Zusammen fertigen beide Werke laut Unternehmensangabe rund 220.000 handgeformte Tiefkühlpizzen pro Tag.

Hat Gustavo Gusto Investoren?

Öffentlich bekannt sind keine externen Kapitalgeber oder Finanzierungsrunden (Stand 2025). Die bislang größte belegte Investition ist der rund 12 Millionen Euro teure Neubau des Standorts Geretsried im Jahr 2018. Wenn du vergleichbare Food-Marken mit klassischer VC-Finanzierung suchst, unterscheidet sich dieser Fall deutlich davon. Dass hohe Umsätze auch ohne Fremdkapital möglich sind, zeigt übrigens auch die Snocks-Story von Johannes Kliesch.

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